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Regisseur Antoine Fuqua (Shooter, Tränen der Sonne) lieferte mit "The Replacement Killers" ein furioses Actiondebüt ab. In "Training Day" schlägt er ruhigere Töne an, die Story stammt von David Ayer (The Fast and the Furious, Dark Blue). Und Hauptdarsteller Denzel Washington heimste verdient einen Oscar ein, er trägt diesen Film fast alleine.

Der Cop Jake Hoyt (Ethan Hawke) ist erst neun Monate dabei, trotzdem wurde er schon zum Drogendezernat versetzt. Einen letzten Test muss er aber noch bestehen, er muss einen Trainingstag mit seinem zukünftigen Vorgesetzten Alonzo Harris (Denzel Washington) verbringen. Jake fühlt sich sogar geehrt, von solch einem erfahrenen und geachteten Drogenfahnder etwas lernen zu dürfen, doch schnell wird er von der Realität eingeholt. Alonzo hält sich mit Nichten an das Gesetz, steckt gerne mal Geld ein und geht sogar über Leichen. Jake muss sich nun entscheiden, sonst steht er selbst auf Alonzos Abschussliste.

Wie groß ist doch Jakes Vorfreude auf diesen Tag. Nicht nur seine Versetzung zum Drogendezernat wurde bewilligt, sondern er darf auch einen Trainingstag mit der Legende Alonzo Harris verbringen. Und der kommt dem Zuschauer anfänglich sehr sympathisch daher. Er stellt Jake gerne auf die Probe, reißt seine Witze und Jeder in der Stadt scheint ihn zu schätzen. Doch langsam aber kontinuirlich zeigt Alonzo sein wahres Gesicht. Verbrechern verpasst er lieber eine deftige Abreibung, anstatt sie zu verhaften und er zwingt Jake Drogen zu konsumieren. Zudem unterstützt er Jake in keinster Weise, als er eine Vergewaltigung verhindern will. Jake hinterfragt Alonzos Handeln immer mehr, doch der windet sich mit seinen Aussagen immer heraus und Jake macht wirklich alles mit, um den Job zu erhalten.

"Training Day" unterhält dabei lückenlos. Wer hier einen Actionfilm erwartet, ist schief gewickelt, ein paar Intermezzos hat der Film aber zu bieten. Einige Kloppereien, sowie kleinere Schusswechsel bringt Fuqua mit ein, alles auf gutem Niveau, doch nie richtig spektakulär. Doch das braucht dieser Copthriller auch nicht, denn er lebt von seiner Atmosphäre und den Darstellern. Das ganze Geschehen spielt sich an einem Tag ab, Alonzo und Jake fahren durch diverse Viertel, eines gefährlicher als das Nächste. Die gewollt heruntergekommenen Sets sind dabei große Klasse, man fragt sich nur warum Alonzo in solch einer Gegend wohnt.

Und überhaupt geht es mit "Training Day" gegen Ende ein wenig bergab. Das Auftreten von Alonzos Truppe ist zu überzogen. Das sind eiskalte Mörder, die sich sogar für ein bisschen Kohle anschießen lassen. So wirkt der Plot auch bald ein wenig konstruiert, zum Beispiel wenn Alonzo den armen Jake bei ein paar Dealern alleine lässt. Die wollen ihm gerade den Gar ausmachen, doch ausgerechnet deren Cousine hat Jack einige Stunden zuvor vor ein paar Vergewaltigern gerettet. Hinzu kommen noch diese drei Saubermänner in höheren Positionen, die natürlich auch bestechlich sind. Laut "Training Day" scheint der gesamte Polizeiapperat korrupt zu sein, Achtung vor dem Gesetz oder der menschlichen Würde hat hier Keiner.

Und wir bekommen bald mit, dass Alonzo wirklich ein Problem hat. Er hat sich mit den falschen Typen angelegt und muss bis Mitternacht eine Millionen Dollar aufbringen, sonst ist sein Leben gelaufen. So sorgt Fuqua natürlich noch auf ein ausführliches Aufeinandertreffen zwischen Jake und Alonzo. "Training Day" ist dabei zu sehr auf ein Happy End aus.
Doch der Höhepunkt dürfte dabei Denzel Washingtons (Virtuosity, Dämon) Verkörperung des krummen Cops Alonzo sein. Der dafür erhaltene Oscar ist absolut berechtigt, vor allem seine Wutausbrüche wirken sehr bedrohlich. Ethan Hawke (Gattaca, Wolfsblut) hat dagegen keine Chance und wirkt gegen Washington in einigen Szenen sogar blass. Desweiteren ist "Training Day" mit Scott Glenn, Tom Berenger, Eva Mendes, Raymond J. Barry, Cliff Curtis und Snoop Dog wirklich top besetzt.

Harter und auch spannender Copthriller mit einem brillanten Washington, doch mit der Story geht es kontinuirlich bergab. "Training Day" wirkt bisweilen sogar konstruiert und übertrieben, trotzdem ist er absolut einen Blick wert. Die Sets, der Score und die Darsteller sind auf hohem Niveau angesiedelt und auch wenn das Happy End vorprogrammiert ist, so wird man lückenlos unterhalten.

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