Review

"Training Day", als drittes Werk des talentierten ehemaligen Werbefilmers Antoine Fuqua nach "Bait - Fette Beute" und "The Replacement Killers", ist ein netter, solider Polzeithriller um Korruption, Loyalität und das Verschwimmen der oft gepredigten Werte der Methoden zur Verbrechensbekämpfung.
Und "Training Day" ist allerdings auch ein oftmals stark überbewerteter Streifen, der viele Lorbeeren, gegründet auf seinen hoppigen Soundtrack, seinen US-Erfolg und den (insgesamt längst verdienten, aber nicht für diese Rolle!) Oscargewinns von Hauptdarsteller Denzel Washington, zu Unrecht erntet.

Anhand eines "Trainingstages", den ein junger, unbedarfter Cop zum Einstand bei der Drogenfahndung geben darf, will das bemühte Drehbuch uns einen Einblick geben in die dunkle Seite der Polizeiarbeit, immer auf der Schwelle zu Korrumpiertheit und Gewalt jenseits des Gesetzes.
Das Aufzeigen der ach so harten Methoden immer auf der Schwelle zum Verbrechen selbst will den Zuschauer gleichsam wie den viel zu naiv etablierten Charakter von Ethan Hawke ( "Gattaca", "Der Club der toten Dichter" ) überraschen, schafft dies aber nie; die ganze Zeit wird suggeriert, die gezeigten Härten im juristischen Vakuum wären neu und nie gezeigt; vom Hocker hauen wird dieser eingeschränkte Versuch eines Milieuportraits aber nur Leute, die nie zuvor "Tagesschau", "Explosiv", "Dirty Harry" oder "Schimanski" geschaut haben...

Denzel Washington spielt seinen Charakter in den vorgegebenen Bahnen sicherlich routiniert gut, angemessen "cool" und "tough enough", doch seine Figur ist letztlich zu durchschaubar und nur vordergründig ambivalent angelegt, um mehr Tiefe erreichen zu können.
Für den restlichen Cast, wie u.a. Tom Berenger und Scott Glenn, bleiben passabel gespielte Rollen von Abziehcharakteren.

Ich will hier auch wirklich nicht zu negativ klingen, unterhaltsam und hin und wieder spannend ist "Training Day" allemal; nur sollte man nicht die zu oft angepriesene sprichwörtliche Neuerfindung des Rads erwarten, dafür bleibt der vorliegende Streifen einfach bei allen Ambitionen und Ideen zu einseitig, klischeehaft, inkonsequent und teilweise in den Auflösungsansätzen zu belanglos.

Wer anspruchsvolle Crime-Unterhaltung über Cops, Korruption, Loyalitäten etc. sehen will, sollte zu den Referenzen "L.A. Confidential" oder "Copland" greifen, wer auf das Ghetto-Szenario steht, ist mit "New Jack City" besser bedient.
Anschaubar und sehenswert ist "Training Day" aber natürlich trotz allem durchaus, wenn auch eben in eingeschränktem Maße.

Details
Ähnliche Filme