Review

2008 befindet sich das Genre der parodistischen Komödie in einem bejammernswerten Zustand. Zwischen unsägliche Werke wie "Date Movie", "Fantastic Movie" und "Superhero Movie" drängt sich nur selten ein lustiger oder gar sehenswerter Film. Vor 31 Jahren war "Kentucky Fried Movie". Dieser Kultfilm erfährt nun eine zeitgemäße Modernisierung - willkommen in "The Onion Movie". Der Film verfolgt das gleiche Prinzip wie sein Vorbild und erweist sich als unerwartete Oase in einer scheinbar toten Wüstenlandschaft. Der nach einfallsreichen Witzen dürstende Zuschauer darf seinen Durst ausgiebig löschen, auch wenn er zunächst natürlich misstrauisch sein mag. Doch "The Onion Movie" ist keine kurz aufblitzende Fata Morgana - hier darf gelacht werden bis der Arzt kommt, auch wenn es teilweise sehr zynisch und bösartig wird.

Anhand einer allgemeinen Nachrichtensendung werden unterschiedlich lange Sketche aneinander gereiht, die in bestem Mockumentary-Stil inszeniert sind und dabei mit sorgfältig arrangierten Kulissen und hervorragenden Darstellern ausgestattet sind. Obwohl sich also der gesamte Film an einem dünnen Faden entlang hangelt um einzelne Shorties zu komprimieren funktioniert das Konzept überraschend gut und hebt sich weit ab von bekannten TV-Standards. Eine enorme Bandbreite an Themenkreisen wird angerissen, was sich durch den satirischen Blick auf den Boulevard-Journalismus aber rechtfertigt. Nachrichten werden immer mehr von so genanntem Infotainment-Programmen abgelöst, die innerhalb einer Show meist Promi-Klatsch, Politik, rührselig aufbereitete Einzelschicksale und andere Dinge munter in einen Topf schmeißen und dem zuschauer als abwechslungreiche Unterhaltung anbieten. Diese schwer unseriöse Form der Berichterstattung wird aufgegriffen um einen Rundumschlag zu liefern gegen politische wie soziale Misstände, die Perversion der Massenmedien, Randgruppenklischees oder die Seelenlosigkeit der Spaßgesellschaft.

Während der ersten Filmhälfte schaffen es Tom Kuntz und Mike Maguire (die hier ihr Langfilmdebüt abliefern) eine unwahrscheinlich hohe Gagdichte zu erzeugen, fast jede Pointe trifft perfekt ins Schwarze. Ein früher Höhepunkt ist beispielsweise der Auftritt von Steven Seagal: in einem Fake-Trailer a la "Grindhouse" spielt er den 'Cockpuncher' und nimmt sich vorzüglich selbst aufs Korn. Mit spürbarem Wohlwollen verbeugt sich diese kurze aber genial in Szene gesetzte Sequenz vor der Welt des B-Actionfilms und schafft es, sowohl die infantile Naivität des Genres einzufangen, als auch den großen Spaß, den vergleichbare Filme wirklich machen können. Seagal setzt seine gewohnt stoische Mimik hier in den Dienst der totalen Selbstparodie und zeigt sich damit seinen Fans von einer bisher unbekannten Seite. Ungeachtet der kurzen Screentime kann man hier bedenkenlos vom besten Auftritt in der Karriere Seagals sprechen, selbst seinen erbittertsten Gegnern wird er hier die Lachtränen ins Auge treffen.

Von ähnlicher Klasse sind auch diverse andere Clips, vornehmlich aus der, wie schon erwähnt stärkeren, ersten Hälfte. Vielleicht liegt es an den Abnutzungserscheinungen, den der Verzicht auf jegliche Narration trotz der hohen Qualität wohl unweigerlich mit sich bringt. In kurzen Zeitabständen muss sich der Zuschauer immer wieder in neue Situationen einfinden, was mit voran schreitender Laufzeit zunehmend anstrengt. Hier trägt aber nicht die nur gering abfallende Qualität des Humors Schuld sondern einzig und allein die Form, die eine abwechslungsreichere Gestaltung unmöglich macht. Auch wenn der Verzicht auf eine fadenscheinige Handlung durchaus positiv zu werten ist, bleibt eine Überreizung kaum aus. Diesen leichten Wermutstropfen kann man aber leicht übersehen wenn man sich auf die Schärfe der Übersteigerung konzentriert. Im Mittelpunkt steht hier der selbstzweckhafte Witz, der sich beinahe schon demonstrativ keinem höhergestellten Kontext unterwerfen will und damit einen bescheideneren Weg wählt als eine Filmparodie von der Stange. Wo beispielsweise "Scary Movie" ausschließlich aus den Qualitäten der Vorbilder schöpft, da stellt "The Onion Movie" eigene Überlegungen an um die offensichtliche Lächerlichkeit der Populärnachrichten heraus zu stellen und genüsslich zu sezieren.

Ungemein treffsicher geriet auch die Parodie auf Popstar Britney Spears und ihr mühevoll aufegzogenes jungfräuliches Image. Das ist zwar nicht mehr ganz aktuell, zielt aber auf die gesamte Musikbranche und ihre pseudo-moralischen Botschaften, für die Spears ein erschreckendes Beispiel ist. Den direkten, offensichtlichen Weg, den beispielsweise "South Park" stetig verfolgt, umgeht "The Onion Movie" aber glücklicherweise. Spears wird nicht beim Namen genannt und mit Beleidigungen bombardiert - der Humor resultiert aus ihrem aberwitzigen Interview und den parallel dazu geschnittenen Musikvideos, in denen verschlüsselte Sexualität auf die Spitze getrieben wird. "The Onion Movie" verlangt also Kenntnisse zu den parodierten Personen, die entsprechend vorhandenem Vorwissen aber eindeutig zu identifizieren sind. So auch David Hassolhoff, dessen Suchtprobleme hier herhalten müssen für bösartige Spitzen gegen die öffentliche Läuterung promonenter Schreckensbeispiele bezüglich Alkohol und Drogen.

Neben Steven Seagal finden sich im Cast keine bekannten Namen, wodurch auch keine unnötigen Assoziationen aufkommen. Seagal ist selbstverständlich eine passende Besetzung als B-Movie-Star, alle anderen Rollen verlangen aber keine ikonische Figur zur Verkörperung. Weit über dem unerträglichen Overacting-Standard, dem man innerhalb des Genres zuhauf begegnet, überzeugen allerdings sämtliche Darsteller. In einer Episode taucht Daniel Dae Kim (bekannt aus "Lost") auf, bleibt aber lediglich als Staffage im Hintergrund und hat auch fast keinen Text. Hier zeigt sich, wie unerheblich Prominenz für dieses Format sein kann, vorausgesetzt den Machern gelingt ein so exzellentes Type-Casting wie hier. Leider gehört die Episode mit Daniel dae Kim zu den schwächeren Outputs im Film, deren unnötige Langgezogenheit ein Stück vom Tempo des Films ausbremst.

Neben den starken Persiflierungen bezüglich der Klatsch-Prominenz zeichnet sich "The Onion Movie" auch aus durch ebenso treffende Alltagsbeobachtungen, mit denen sich wohl jeder Zuschauer identifizieren kann. In dieser Hinsicht fällt vor allem die köstliche Episode um den Kauf eines neuen Computers auf: Der verzweifelte Käufer sieht sich mit der immer schneller voran schreitenden Entwicklung konfrontiert und schon and er Kasse erweist sich seine Wahl als mittlerweile veraltet. Das Ganze kulminiert in einer direkten Bezugnahme auf Bill Gates und seine bekannte Firmenstrategie, die nur selten so umfassend und geschickt verulkt wurde wie hier in wenigen Minuten.

Der Film basiert auf einem erfolgreichen satirischen Magazin mit dazugehöriger Internetseite, lange Zeit stand die Produktion in der Schwebe aber die gedehnte Entstehungszeit hat sich sichtbar positiv auf das Gesamtwerk ausgewirkt. Scheinbar wurden die einzelnen Clips sorgfältig selektiert und mit einem lockeren Handlungsrahmen unverkrampft miteinander verknüpft. Als Leitfaden dient die Nachrichtensendung selbst, einzelne Segmente werden als Running Gags immer wieder zur Sprache gebracht, andere stehen nur für sich selbst. Mit Len Cariou wurde ein fähiger und erfahrener Schauspieler als Hauptsprecher für die Onion News ausgewählt - er schafft es, seiner Figur und der dazugehörigen Moderation eine gewisse Seriosität abzugewinnen, sodass sich die respektlose Sprengkraft der einzelnen Clips umso besser entfalten kann. Während bei Mad TV purste Anarchie herrscht bemüht sich Cariou als Norm Archer um eine ernstzunehmende Berichterstattung, wobei er generationsbedingt immer wieder bei seinen jüngeren Kollegen aneckt. So regt er sich wiederholt auf über die Nutzung 'seiner' Nachrichten als Plattform für triviale Werbung.

Fazit: "The Onion Movie" ist ein Sammelsurium politisch inkorrekter Kurz-Clips, eine Bestandsaufnahme des verkommenen Journalismus, eine Abrechnung mit unseriösem Infotainment und - vor allem - die wohl beste Parodie seit langer Zeit. Das eine Sketch-Sammlung auf Spielfilmlänge funktionieren kann, auch wenn nicht Sascha Baron Cohen dahinter steckt - dafür darf man ebenso dankbar sein wie für den Cockpuncher, Seagals charmantesten Leinwand-Auftritt überhaupt. Das alternde Dickerchen entdeckt die Selbstironie während ein ganzes Genre frische, größtenteils noch unverbrauchte Luft atmen darf. Da kann man über so manchen Aussetzer gelassen hinweg sehen.

07 / 10

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