Review

"The Others" präsentiert sich als relativ konventioneller Geisterhaus-Grusler, mit recht stimmiger Atmosphäre und kammerspielartiger Inszenierung; der Grad der Spannung den der Film aufbaut ist im Wesentlichen davon abhängig, wie sehr sich der Zuschauer in diese Art von Schauergeschichte hineinsteigern kann (oder mag). Bei Tageslicht und in Gesellschaft tendiert der Gänsehautfaktor ergo gegen Null, wohingegen allein und zu später Stunde "The Others" durchaus eine bisweilen beunruhigende Stimmung auszulösen vermag.

Die unheimlichen, bzw. "übersinnlichen" Elemente dürften Genre-Erfahrenen mitnichten als originell erscheinen und werden im Grunde auch nur recht spärlich eingesetzt. Spannung kommt dabei insbesondere deshalb nicht auf, weil der Zuschauer in den entscheidenden Momenten von einer objektiveren, umfassenderen Wahrnehmung ausgehen kann, als die Protagonisten des Films, der Zuschauer ergo oft über einen gewissen Informationsvorsprung verfügt.

Dennoch versucht "The Others" die Auflösung nicht vor der nahezu letzten Szene preiszugeben, obwohl bei der richtigen Deutung verschiedener Hinweise die finale Wendung durchaus erahnt werden kann. Das wäre nicht so tragisch, wenn die Darstellung nicht wiederholt klischeehaft rüberkäme. Da sich die Charaktere nicht weiterentwickeln und die Dialoge auch keinen Preis für Originalität, Tiefgang oder Sprachgewalt verdienen, kann man den Films nur nach Maßstäben beurteilen, die einen typischen Mystery-Grusler ausmachen.

Es mag persönliche Geschmacksache sein, aber ich störe mich daran, wenn bei einem Mystery-Thriller mit ohnehin recht plakativ dargestellter Auflösung dann eben diese abschließend nocheinmal verbalisiert wird, damit sichergestellt ist, dass auch der begriffstutzigste Zuschauer den Film kapiert. Diese Vorgehensweise garantiert, dass man sich Filme wie "The Others" definitiv nicht öfters als ein Mal in sieben Schaltjahren ansehen mag. Bei "The Others" bleibt am Ende nichts, aber auch gar nichts, der eigenen (möglicherweise ambivalenten) Interpretation überlassen.

Es gibt zahlreiche filmische Beispiele, wo am Ende der Geschichte der Vorhang nicht ganz gelüftet wird, oder der Zuschauer zumindest nicht die Bestätigung der mutmaßlichen Auflösung in Form eines unmißverständlichen Schlußworts erfährt. Erfahrungsgemäß sind dies jene Filme, die beim Zuschauer einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Bei "The Others" wirkt nichts nach, da einfach alles gesagt worden ist und nichts verbleibt, das nachwirken kann. So wie die Vorhänge der Fenster in einer Szene des Films entfernt sind, um die Räumlichkeiten des Geisterhauses mit Tageslicht zu fluten, so ist am Ende der enigmatische Schleier gelüftet und alles ist enthüllt.

Dennoch: kann man durchaus gut ansehen, deshalb gibt es von mir 6 von 10 Punkten.

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