Review
von Atin
Achtung! Kritik enthält Spoiler!
Beowulf ist einfach nur schlecht! Das dachte ich einen Großteil der Zeit, die ich diesem Film geopfert habe. Tatsächlich wirken weite Teile des Film, abgesehen vom visuellen Part, auch mehr, als stammten sie aus einem drittklassigen Trashfilm, als aus einem Hollywoodepos. Die Geschichte dreht sich um den nordischen Helden Beowulf (welcher übrigens über ein äußerst "gesundes" Selbstbewusstsein verfügt und dann Sprüche bringt wie "Ich bin die Kraft, ich bin die Macht, ich bin Beowulf!"), der nach Dänemark fährt, um das Monster Grendel (ich habe noch nie so ein unfassbar hässliches Filmmonster gesehen) zu erlegen, welches das Königreich tyrannisiert. Kommen wir nun gleich zu einem der wenigen positiven Aspekte: Beowulf entspircht überhaupt nicht den Hollywoodstandards eines epischen Heldens. Er ist eitel, hochmütig, großkotzig, verführbar und noch einiges mehr, was mancher 14-jährigen, die nachts vom großherzigen Aragorn träumt, mächtig gegen den Strich gehen wird. Aber er wäre natürlich äußerst unsympathisch, wenn er nicht wenigstens den grundsätzlichen Heldenregeln folgen würde, also Monster töten und das natürlich immer ehrenhaft. Also zieht er sich für den Kampf gegen Grendel splitternackt aus (das Monster hat ja schließlich auch keine Rüstung und das wäre dann natürlich unehrenhaft ). Weil der Film aber bereits von 13-jährigen Amis geschaut werden soll, ist natürlich immer irgendetwas vor Beowulfs besten Stück, sei es ein Kerzenständer oder der Arm des Monsters, was bei mir zum Teil für heftige Lachkrämpfe gesorgt hat. Wie's besser geht hat Eastern Promises gezeigt. Beowulf zieht dann noch los, um Grendels Mutter zu töten, mit der er einen Pakt eingeht (was das genau für einer ist, erfährt man nicht), der König bringt sich noch kurz um und vermacht Beowulf sein Königreich (warum erfährt man nicht) und dann gibt's kurz einen Zeitsprung von gut 40 Jahren. Grendels Mutter hat den Pakt gebrochen und einen Drachen, der wohl Beowulfs Sohn ist, auf das Königreich losgelassen und Beowulf muss noch mal ran und dem Drachen in einem furios inszenierten Finale das Herz herausreißen. Dann endet der Film auch schon mit Beowulfs Tod.
Man mag diese vollständig animierten Filme mögen, ich kann ihnen nichts abgewinnen. Wenn die Umgebung computeranimiert, die Menschen aber echt sind wie bei 300, habe ich damit überhaupt kein Problem. Auch die Pixarfilme finde ich völlig unproblematisch, weil diese gar nicht erst probieren ein realitätsgetreues Abbild unserer Welt zu schaffen. Aber wie schon beim Polarexpress will es Beowulf nicht gelingen, mir echte Menschen vorzugaukeln. Die "Grafik" ist eher auf unterem CryEngine2-Niveau. Dann sollte man es gleich lassen und einfach mit echten Menschen drehen. Es hätte auch gar nicht Not getan alles zu animieren. Mit der heutigen Tricktechnik kann man auch einen echten Darsteller auf einem Drachen durch die eisige Schneelandschaft reiten lassen. Zudem fehlt es dem Film komplett an Esprit und Verve. Die Story ist total 0815 und die Charaktere, obwohl sie eigentlich recht interessant sind, lassen eine vollkommen kalt, was zum einem am oberflächlichen Drehbuch liegen kann, zum anderen aber mit Sicherheit an den computergenerierten Menschen. Der Film ist zwar superb gefilmt aber trotzdem konnte er zumindest mich nur ein sehr wenigen Stellen fesseln (Finale).
An Robert Zemeckis kann man leider das selbe Phänomen beobachten wie an Stephen Spielberg: Einst großartige Regisseure drehen sie heute allerhöchstens noch mittelmäßige Filme, trotz des teils enormen Budgets.