Die Geschichte des nordischen Helden Beowulf, der das Monster Grendel erschlägt, ist schon oft besungen (u.a. Marillion) und noch öfter verfilmt worden. Man denke nur an den noch gar nicht so alten Streifen Beowulf mit uns Highlander Christopher Lambert oder die geniale Interpretation von Der 13te Krieger mit Antonio Banderas.Nun nahm sich Regisseur Robert Zemeckis diesen Stoff, um zu zeigen, wie weit man inzwischen mit dem alten Thema Spielfilm ohne echte Schauspieler gekommen ist. Da muss sich ja nun nach Final Fantasy aus 2001 schon einiges getan haben, sollte man meinen. Die Legende von Beowulf ist also ein Animationsfilm, der allerdings den Anspruch erhebt, näher an einem echten Spielfilm zu sein, als an Disney Pixar.
Das ist natürlich von vornherein ein Handicap, weil man solch einen Film gar nicht unvoreingenommen und frei ansehen kann. Man folgt zwar der Handlung oberflächlich, betrachtet aber nebenbei alles mit interessierten, skeptischen oder auch verblüfften Augen, um den Realismus zu beurteilen. Das ist ein großes Manko. Einen üblichen Animationsfilm à la Die Unglaublichen schaut man mit kindlichen Augen und hat viel Spaß dabei. Einen normalen Spielfilm wie Der Herr der Ringe betrachtet man ganz unbefangen und sinniert allenfalls bei den Spezialeffekten darüber, ob diese nun gut oder schlecht waren, bzw. wie sie das bloß gemacht haben. Und sind sie gut, vergisst man sogar für kurze Zeit, dass Gollum nur animiert ist, und genießt die Illusion.
Beowulf aber ist ein einziger 2-stündiger Spezialeffekt. Die Figuren sind zwar echten Schauspielern nachempfunden (Ray Winstone, Anthony Hopkins, Angelina Jolie), aber so realistisch die Darstellung von Menschen, Tieren und Umgebung auch ist, man ertappt sich dabei, nach Schwachstellen zu suchen. ("Ha, die Bewegung der Pferde haben sie ja mal gar nicht hinbekommen!").Die Illusion klappt allerdings hervorragend bei den Elementen, die auch bei einem normalen Film animiert wären - die Monster und Drachen. So verwundert es fast, dass das Monster Grendel eigentlich die realistischste Charakterisierung aufweist und auch die Darstellung ungemein echt wirkt - so grotesk das Wesen auch aussieht. Angelina Jolie als Grendels verführerische Monster-Mama ist natürlich extrem lecker dargestellt, obwohl man auf die High Heels hätte verzichten können. Der Drache schließlich, dem sich Beowulf zum Ende stellen muss, ist so realistisch wie Drachen eben sein können.
Der Film bedient eigentlich zwei Ebenen: zum einen zeigt er, wie realistisch man Menschen darstellen kann, wenn sie miteinander reden, interagieren und sich normal bewegen. Auf der anderen Seite kommt die Action dann doch eher typisch animiert daher mit einem hüpfenden, der Schwerkraft trotzenden Akrobatik-Helden, der mehr oder weniger unverwundbar ist, wenn er von Kronleuchter zu Kronleuchter springt und per Salto jedem Hieb des Monsters ausweichen kann.Ein interessanter Film dennoch, nicht mehr und nicht weniger. Die unterschwellige Aussage (wer zuviel singt und trinkt und Spaß hat weckt das Monster und muss die Konsequenzen tragen) ist zwar etwas altmodisch, aber hey - es ist ja auch eine uralte Legende. Die Umsetzung als Animationsfilm ist zum größten Teil gelungen. Effekte wie Haare, Wasser, Licht und Schatten, verschwitze Körper, menschliche Bewegungen sind schon verdammt klasse umgesetzt. Die Kämpfe gegen Grendel und den Drachen sind schön blutrünstig und actiongeladen.
Ich bin gespannt, wie die Animationstechnik dann in 10 Jahren aussieht. Oder sind die in echt schon viel weiter und wir merken gar nicht, dass Brad Pitt und Angelina Jolie gar nicht mehr selbst im Film mitspielen, sondern nur noch die Rechte an ihren Gesichtern verkaufen und den Rest macht der Computer? Hmm, da könnte man sich so manche Schönheits-OP sparen...