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Reno ist ein gemeiner Schuft und Gangster. Er will auf einem Indianerreservation-Platz ein Casino bauen lassen, doch die Einheimischen machen ihm Probleme. Doch Reno, der so gut wie jeden in der Stadt auf seiner Seite hat (auch die Polizei), geht auch über Leichen, um seinem Ziel und Erfolg näher zu kommen. Eines Tages taucht ein Fremder auf einem Motorrad auf, der aus der Bibel liesst und sich den Indianern, die bedroht werden, auf die Seite stellt und Reno den Kampf ansagt.

Ich denke man kann sagen, ohne ihm zu nahe treten zu wollen, das der alte Schwede in den letzten Jahren ziemlich viel filmischen Mist unter die Leute gebracht hat, der zurecht in den hinteren Regalen der Videotheken dahinsiechte. Mit wenig Hoffnung warf ich mal einen Blick auf Missionary Man, da er hier auch Regie führte und im Script seine Finger hatte. Wenn nicht er, wer dann, sollte wissen wie man sein Publikum wiedergewinnen kann.
Und um es vorweg zu nehmen, der Film ist erstaunlich gut geworden. Dolph markiert hier den Lone Ranger und Wanderprediger in Personalunion und räumt dabei in einem Kaff auf, das vor Korruption und Vetternwirtschaft nur so hingammelt. Seine Identität und die Motive die ihn bewegen bleiben ebenso im verborgenen, wie seine Vergangenheit. Fängt der Film noch eher dezent an wie eine lange Folge des A-Teams, nimmt die Geschichte ebenso wie die Härte allerdings kontinuierlich zu.
Die zugrunde liegende Geschichte ist dabei eigentlich so simpel wie altbekannt, der unbekannte Fremde betritt eine Stadt in der das Unrecht herrscht, die von einem schmierigen Autohändler im Würgegriff liegt, der auch vor Mord nicht zurückschreckt um seine Machtposition zu erhalten. Ganz klar hier muß aufgeräumt werden und das tut der lone Rider und zwar mit der groben Kelle und im Namen des Herrn. Speziell der Showdown wird im guten alten Westernstil aufgebaut und hier ist von Mr. Nice Guy nix mehr zu sehen. Die arme Motorradgang die als Gegner herhalten muß kann einem da fast schon leid tun, so wie der Rider mit seiner Schrotflinte durch ihre Reihen geht, Gott vergibt, Lundgren nicht, könnte der Tenor lauten.
Dabei ist Missionary Man eigentlich nicht der Prototyp eines Actionfilms, sondern baut sich beinahe ruhig auf. Der Fremde ist ein Mann mit vielen wenigen Worten, der aber auch ein Herz für die Bedrohten zeigen kann, auch wenn sich hier die eine oder andere Länge versteckt. Zum Glück wurde auf die angedeutete Love Story verzichtet, so das sich eine gute Grundstimmung aufbauen kann, die von seiner Hauptfigur leben soll und auch absolut davon leben kann.
Denn Dolph ist als Fremder ohne Name eine echt coole Sau. Der Charakter des blondierten Racheengels ist eine Figur die zu ihm paßt. Das ist wohl der Vorteil, wenn man sich seinen eigenen Charakter zuscripten kann. Auch der Rest der Darsteller ist zufriedenstellend. Ihm Zusammenspiel mit der düsteren Farbgebung in der sich das ganze Geschehen abspielt, wird eine Atmosphäre aufgebaut, die auch Lundgren Kritikern gefallen müßte.
Man muß jetzt zwar keine Füllhörner des Lobes ausschütten, aber mit solchen Werken ist er auf dem besten Weg nach Ikea und H&M wieder der dritterfolgreichste schwedische Export zu werden.
7/10

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