Tim Burton widmet sich diesmal der tiefschwarzen Operette "Sweeney Todd", was sehr passend ist, da der Regisseur häufig sehr skurrile Filme produziert. Was dabei herauskommt ist ... "anders". Und das ist gut so.
Im Vordergrund steht das gern genommene Thema Liebe, in diesem Fall die verlorene Art. So ziemlich jeder Charakter trauert einer verlorenen, schwer zu erreichenden oder einseitigen Liebe hinterher. Insofern ist dieses Machwerk nicht unbedingt für Unterhaltungszwecke gedacht.
Da es sich um im Original um eine Operette bzw. eines Musicals handelt wird in der Verfilmung gesungen... sehr viel gesungen. Anfangs noch gewöhnungsbedürftig, besonders durch die in englisch gesungenen Lieder mit Unterbrechung deutscher Dialoge, findet man sich im Laufe des Films ein. Genau diese theatralische Atmosphäre ist bombastisch aufgezogen und reißt den Zuschauer mit. Voraussgesetzt man zeigt Interesse für den in Filmen außergewöhlich häufigen Gesang und die Art der Musik.
Viele bekannte Gesichter haben es auf die Leinwand geschafft. Und wirklich alle sind außerordentlich passend. Johnny Depp spielt den "guten" Bösewicht Benjamin Barker. Endlich sind die Zeiten des torkelnden, grinsenden Piratenklamauks vorbei und er ist wieder in einer düsteren, Miene verzerrenden Rolle zu sehen. Einer meiner Lieblingsbösewichte-Darsteller Alan Rickman, der schon seinerzeit in Stirb langsam und Robin Hood glänzte, und derzeit den Serverus Snape Part in Harry Potter übernimmt, spielt den "bösen" Bösewicht Richter Turpin sehr überzeugend. Herrisch, hämisch und trotzdem charmant. Helena Bonham Carter, die mir durch die beinahe gleiche Frisur aus Fight Club auffiel, spielt die Bäckerin Mrs. Lovett und wandelt sich als einzige von warmherzig in skrupellos.
Zu erwähnen sind noch Timothy Spall, Jayne Wisener als bezaubernde Tochter Johanna des Barbiers, Jamie Campbell Bower als junger Seefahrer, und der kleine Ed Sanders als Gehilfe Toby.
Die Aufmachung ist typisch für Burtons Stil. Präsentiert wird eine düster, gothische Schauermär mit vielen übertrieben blutigen Szenen und Hang zum makaberen. Schwarzer Humor ist hier Pflicht. Es werden Kehlen geschlitzt wobei regelrecht Fontänen an Blut spritzt. Die Toten werden in einer ganz besonderen, delikaten Form weiter verarbeitet wodurch sich Mrs. Lovetts Pastetengeschäft sehr etabliert. Und die böse Überaschung zum Schluß war erschreckend.
Die Kostüme sind toll. Wallende Kleider, vornehme Anzüge, klassische Frisuren. Hier bestätigt sich die Nominierung für den Oskar.
Einzig störend waren die kurzen deutschen "Unterbrechungen" während des Gesangs. Hier hätte man die kurzen Dialoge ebenfalls im englischen belassen können.
Tim Burtons nunmehr sechste Zusammenarbeit mit Johnny Depp, nach Edward mit den Scherenhände, Ed Wood, Sleepy Hollow, Charlie und die Schokoladenfabrik und Corpse Bride, geht voll auf und begeistert durch eine ungewöhnliche Aufmachung, düstere Story, tolle Schauspielerwahl und gute Musik.
9 / 10