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Aus der beliebten amerikanischen Reihe "Whatever happened to...?", heute: "Whatever happened to Tibor Takács?" Als Horrorfilmfan in den 1980er-Jahren kam man um die zwei Genrebeiträge des gebürtigen Ungaren nicht herum. Sein kultiger Monsterstreifen The Gate (Gate - Die Unterirdischen) sollte allgemein bekannt sein, obwohl er mit dem Folgefilm I, Madman (Hardcover) in meinen Augen seine beste Arbeit abgeliefert hat. Zu Beginn der 90er drehte er das reichlich mißlungene Sequel The Gate II: Trespassers (Gate II - Das Tor zur Hölle), danach verlor sich für Genrefans seine Spur in Actionfilmen (Bad Blood, Sabotage) und der TV-Serienhölle (Sabrina, the Teenage Witch, The Outer Limits). Doch mit dem neuen Millennium meldete er sich im Genre zurück, mit einer Reihe von Katastrophen- und Tierhorrorfilmen, zwar überwiegend (recht preisgünstig) fürs Fernsehen produziert, aber immerhin. Rats, Mansquito, The Black Hole, Kraken: Tentacles of the Deep, Mega Snake und Meteor Storm heißen einige davon. Und dann ist da natürlich Ice Spiders, ein für den Syfy Channel produzierter Spinnenschlocker.

Sieht man sich den Streifen nüchtern und ohne die rosarote Spinnenbrille an, kann man feststellen, daß er ordentlich produziert, schön photographiert und routiniert inszeniert ist. Kein Vergleich zum filmischen Auswurf der auf billigen (Monster-)Murks spezialisierten Produktionsfirma The Asylum; denen ist Ice Spiders so hoch überlegen, da würden alle Mega Piranhas, Crocosaurusse und nachgebaute Titanics locker dazwischen passen. Das bedeutet jetzt zwar nicht zwingend, daß Ice Spiders gut ist, aber im Gegensatz zu den hingeschluderten Asylum-Ärgernissen fühlt man sich als Zuschauer wenigstens nicht verarscht. Ganz im Gegenteil sogar, der Streifen macht Laune, und das nicht zu knapp!

Schauplatz des Filmes ist das etwas abgelegene Schiparadies Lost Mountain Resort in Utah, das urplötzlich von sechs übergroßen Spinnen heimgesucht wird, die aus einem nahegelegenen, streng geheimen Forschungslabor entwichen sind. Was es mit den Biestern auf sich hat, wird im Gespräch zwischen Dr. April Sommers (Vanessa Williams, Candyman) und dem Schilehrer Dash Dashiell (Patrick Muldoon, Starship Troopers) deutlich.
Dr. Sommers: "A few years ago the Department of Defense confiscated the fossilized remains of a prehistoric arachnae they found in Afghanistan. They sent the remains to us for further study."
Dash Dashiell: "So you thawed these things out from a Himalayan glacier?"
Dr. Sommers, sichtlich schockiert über seine ungeheuerliche Vermutung: "No. Nothing so dramatic as that. We just salvaged some of the mitochondrial DNA from the remains and spliced it into modern spiders."

Und als ob das noch nicht genug wäre, hat man die immerzu hungrigen Freßmaschinen auch noch menschengroß und zum Drüberstreuen frostbeständig gemacht. Das alles für friedliche Zwecke, versteht sich, um aus der für das Spinnennetz produzierten Seide enorm widerstandsfähige Körperpanzerungen herzustellen. Tja, Pech gehabt. Nun treiben die Viecher im Schnee ihr Unwesen und pflücken munter Schifahrer von den Pisten. Tibor Takács spielt das abstruse Szenario grundsätzlich ernst durch, läßt aber aufgrund der lockeren Inszenierung und der gut aufgelegten Schauspieler keinen Zweifel daran aufkommen, daß man diesen groben Unfug keinesfalls ernst nehmen sollte.

Ice Spiders ist ein Fun-Movie, nicht mehr und nicht weniger. Die achtbeinigen Kreaturen stammen, abgesehen von einigen Nahaufnahmen, aus dem Computer, und dieser Umstand ist auch nicht zu übersehen. Doch das stört nicht; liebevoll und zeitaufwändig im Stop-Motion-Verfahren animierte Spinnen wären hier absolut fehl am Platze. Ice Spiders ist ein kurzweiliges Vergnügen, angereichert mit etwas Blut, ein wenig Action, sympathischen Figuren und ein paar gewitzt-coolen Szenen. Wo sonst wird den gefräßigen Bestien mit Schistöcken und Elchgeweih zu Leibe gerückt? Eben. Glaubwürdig ist das abgefahrene Spektakelchen ebenso wenig wie die von Vanessa Williams dargestellte Wissenschaftlerin, aber dem Unterhaltungswert tut das keinen Abbruch. Ice Spiders funktioniert als kleine Eight Legged Freaks-Variante und ist ein netter Beitrag zum Tierhorrorgenre, das dem nicht allzu anspruchsvollen Zuschauer anderthalb unterhaltsame Stunden serviert. Da wünsche ich mir doch glatt einen Nachschlag. Tibor Takács' aktuelles Projekt (Stand: Dezember 2011) ist übrigens Spiders 3D. Die Vorfreude ist groß.

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