Wohl aus vermarktungstechnischen Gründen preist Koch Media diesen fiesen Thriller schon auf dem Cover recht reißerisch an. Was zum Kauf animieren soll, ist aber nicht clever, sondern verrät über den Storyverlauf viel zu viel.
Deshalb gilt bei "Blackout": Nicht den Covertext lesen, sondern einfach die Disc in den Player legen.
Drei sich völlig Fremde besteigen an einem heißen Sommertag den Fahrstuhl eines Mietshauses, der plötzlich stecken bleibt. Kein Notruf, keine Aussicht auf Rettung. Stunden vergehen, die Nerven liegen blank und die Lage spitzt sich zu, denn alle drei haben noch etwas Wichtiges zu erledigen ...
Die Ausgangssituation - mehrere Personen auf engstem Raum - ist natürlich klasse, wenn auch nicht innovativ. Oft wird die Verweilzeit der Protagonisten im Fahrstuhl eingeblendet, was die Ausweglosigkeit hervorhebt. Kein Handy funktioniert, die Luft wird dünner und die Motivation eines Jeden wird in zahlreichen Rückblenden Stück für Stück enthüllt. Dabei wird deutlich, dass nicht die dünne Luft im Fahrstuhl - welcher obendrein noch abzustürzen droht - die größte Gefahr darstellt.
Hat man tatsächlich den Fehler gemacht und den Covertext gelesen, kann der Plot wenig überraschen. Schnell ahnt man, wie der Hase läuft und worauf die Low-Budget-Produktion abzielt. Ansonsten dürfte man allerdings eine ordentlich überraschende Wendung erleben, solbald der Thriller zum furiosen Finale hin von klaustrophobisch in blutig umschwenkt.
Handwerklich hat Regisseur Rigoberto Castaneda trotz geringem Budget einiges an Spielereien aufgefahren. Eine ausgedehnte Kamerafahrt über die einzelnen Stockwerke hinweg (erinnert ansatzweise an die aus Argentos "Tenebre"), stimmiger, weitgehend unauffälliger CGI-Einsatz und ein minütlich steigender Spannungsbogen heben "Blackout" aus dem Direct-to-Video-Allerlei hervor.
Selbst die eher unbekannten Darsteller machen einen guten Job.
Wer mal wieder einen Thriller sehen möchte, der in erster Linie auf Spannung setzt, ist mit "Blackout" gut beraten. Gorehounds hingegen kommen maximal am Schluss auf ihre Kosten.