Helden in Särgen vollgepumpt mit Benzin
Fulminanter, in die Tiefe gehender aber vorallem megadramatischer Rennfilm über eine Zeit in der Formel 1, als die Fahrer immer gegen den Tod fuhren und jederzeit damit rechnen mussten, dass jemand bei diesem Wahnsinn umkommt.
In einer überaus realistisch dargebrachten Inszenierung wird uns eine fast komplette Saison dargestellt, wie sie um die Jahre 1964 bis 1966 wohl tatsächlich ungefähr stattgefunden haben muss. Der Film benutzt dazu fiktive Charaktere, die aber an damalige reale Rennfahrer angelehnt sind, denn im Film tritt ein gewisser Jean-Pierre Sarti und Bandini an den Start, die natürlich an John Surtees und Lorenzo Bandini in den Ferraris erinnern.
In der komplexen, actionlastigen, aber auch gleichzeitig sehr zwischenmenschlich-dramatischen Geschichte werden die Kehrseiten dieses lebensgefährlichen und beinharten Sports aufgezeigt, die letztendlich auch für die Spannung im Film verantwortlich sind. Nicht nur, dass der Film komplette Rennen von Monaco, Clermont-Ferrand, Monza und auch dem damals niederländischen Grand Prixs zeigen, die wie die Doku zeigt nachgestellt sind, entfacht sich unter den vier Protagonisten Sarti (Surtees), Bandini (dito) , Stoddart (Stewart) und dem wohl damaligen Graham Hill ein Wettkampf um die Krone.
Welche Saison dazu nun wirklich gewählt wurde, ist unklar, denn die Endergebnisse sind natürlich verfälscht, zumal einer der Fahrer in einem komplett fiktiven, japanischen Team Weltmeister wird, dass womglich an Honda erinnern soll. Jedoch fuhr Graham Hill niemals Honda und wurde 1965 auch nicht Weltmeister.
Aber mal von der geschichtlichen Korrektheit abgesehen, ist Grand Prix ein durchaus faszinierender Film, den man als Formel 1 Fan gesehen haben sollte, denn er zeigt auch Statements der Protagonisten auf, die wirklich von realen Fahrern stammen könnten. Sarti, befreundet mit Stoddart, bekommt von diesem die Frage gestellt, ob ihm dieser Wahnsinn jedes Mal zu testen, ob man schneller als der Tod sei, noch Spass machen würde, während ihre Frauen Angst um ihre Männer haben müssen.
Und das mag wohl die grösste Stärke des Filmes sein, denn er beschönigt nicht, sondern ist darüber hinaus eher kritisch, eben real und zeigt auch die Hoffnungen, Willenstärke und Zweifel der Rennfahrer auf, und eben auch, was Erfolg und Routine aus Rennfahrern machen kann, wodurch das traurige Finale in Monza noch mehr an Intensität gewinnt.
Es sei nur soviel erwähnt:
Wer Formel 1 Fan ist und weiss, dass die tatsächlichen Helden die Rennfahrer der 60er waren, dem sei der Film ans Herz gelegt, zumal die BluRay auch durch ein absolut hervorragendes und ultimativ blendendes Bild besticht, was man von einem Film von 1966 sicher nicht erwartet hätte.
Grandioser Sportfilm, der mit dramatischer und zwischenmenschlicher Komplexität ein gelungenes Gesamtergebis abliefert und pures Racing auch nicht zu kurz kommt. (8/10)