"Bücher verändern sich. Jedesmal wenn man sie liest."
Bastian (Jonathan Brandis) fehlt es an Mut, als er von einem Sprungturm in das Wasser springen will. Daher sucht er einmal mehr den Buchladen von Herrn Koreander (Thomas Hill) auf, um sich einen Ratgeber gegen seine Schwäche zu suchen. Jedoch leiht er sich erneut "Die unendliche Geschichte" aus und wird beim lesen nach Phantásien gesogen.
Dort trifft er auf seinen Freund Atréju (Kenny Morrison) und erfährt von einer neuen Bedrohung. Die Hexe Xayide (Clarissa Burt) benetzt das ganze Land mit der Leere, höhlt dadurch Gestein aus oder lässt Erinnerungen erlöschen. Atréju und Bastian sollen ihr Einhalt gebieten und begeben sich in ihr Schloss.
"Die unendliche Geschichte 2" thematisiert nach dem doch recht angepassten Ende des ersten Teils die zweite Hälfte des erfolgreichen Romans. Neben dem fast vollständigen Austausch der Besetzung lässt der zweite Teil auch den Charme und die dichte Atmosphäre des Erstlings missen.
Im Vergleich zum Roman fallen gravierende Abweichungen auf. Ganze Kapitel fallen weg, neue Figuren kommen hinzu oder erhalten mehr Spielraum. Die Handlung wirkt geglättet und vor allem für ein jugendliches Publikum ansprechend gestaltet, denn die märchenhafte, verspielte Stimmung findet sich nur selten wieder. Viel ernster ist Bastian's Reise in Phantásien als zuvor, der sich nun mehr mit jugendlichen Problemen beschäftigt.
Nicht nur für den Protagonisten ist das Wiedersehen mit den generalüberholten, fantastischen Figuren eine Freude. Auch das Publikum dürfte mit den bekannten Charakteren schnell wieder warm werden, obwohl sich auch Figuren eingeschmuggelt haben, die nicht ganz so organisch in die fantasievolle Welt hineinpassen wollen.
Die aufwendigen Kulissen, wie die silberne Stadt und das finstere, handähnliche Schloss, können Dank liebevoller Details überzeugen. Ebenso die Effekte und die Kostüme. Es fehlt allerdings neben den beiden genannten Schauplätzen an eindrucksvoller Abwechslung. Dies bemerkt man auch an der Inszenierung, die den kindlichen Forscherdrang nicht mehr länger enthält.
Von Thomas Hill ("Eine schrecklich nette Familie") abgesehen sind sämtliche weiteren Darsteller neu. Weder Jonathan Brandis ("Es") noch Kenny Morrison schaffen es die kindliche Naivität und wechselhafte Darstellung ihrer Vorgänger fortzuführen. Einzig Clarissa Burt kann trotz starrer Mimik noch überzeugen.
Stimmungsvoll ist "Die unendliche Geschichte 2" schon, es fehlt jedoch dieses schaurige Kribbeln im Nacken, welches der erste Teil zyklisch bereiten konnte. Auch findet sich die märchenhafte, verspielte Stimmung weniger häufig, stattdessen eine jugendlich-problemorientierte. Erzählerisch bleibt der Film sehr linear, bietet dafür visuell mehr Höhen zu denen einprägsame Melodien ausbleiben.
6 / 10