Übergewichtiger Pizzalieferant mit dicker psychiatrischer Vorgeschichte tickt aus und rächt sich an seinen Peinigern…
So was kennt man: Es wird sich viel Zeit gelassen, einen bestimmten Charakter vorzustellen, hier eben: ein schweigsamer Loser, der von allen und jedem verarscht wird. Es wird sein Leidensweg geschildert, evtl. sogar der Grund für seine soziale Außenseiterrolle (hier: Papi hat sich und Mutti den Schädel weggeblasen, weil die Schlampe von Frau fremdging). Dann irgendwann legt es einen Schalter um oder das Fass rinnt über und jeder, der unserem Hauptcharakter gegenüber das Maul zu weit aufgerissen hat, bekommt sein Fett weg.
So was kann auch ganz unterhaltsam sein, siehe „Carrie“, „Dead Man’s Shoes“, „A Bittersweet Life“, „King of the Ants“ oder „Rambo 4“ (sorry, mir fallen grade keine passenden Beispiele ein).
Bei „Delivery“ handelt es sich allerdings um einen platten B-Movie-Schnellschuss ohne viel Liebe und Hirn runtergekurbelt. Die Anti-Charaktere sind so übertrieben fies zu unserem schüchternen Psycho, dass es fast schon lächerlich wirkt, beispielsweise wird er wirklich von jedem, ja teilweise sogar von völlig Fremden auf der Straße und kleinen Kindern, wegen seines Gewichts herunter geputzt.
Die Figur unseres Rächers fällt auch nicht unbedingt übermäßig cool aus: ein dicklicher, tollpatschiger Brummbär mit dem dichtesten Vollbart der Welt und Transpirationsstörungen, der Beleidigungen stets kommentarlos einsteckt.
Sein Rachefeldzug bzw. das Splatterfest, auf das jeder den ganzen Film über nur wartet, ist dann auch eher nur zum Gähnen: Dran glauben müssen u.a. der sadistische Boss (er landet auf 'ner Pizza :-), die Schrottplatztussi, die sein Auto abgeschleppt hat, und die Playboybunnies mit ihren Footballspielerfreunden, die ihn vorgeführt haben.
Der Splatter ist dabei schlicht als schlecht zu bewerten und die Morde sind insgesamt langweilig und einfallslos.
Bleibt unterm Strich ein Film, der von der Idee her gar nicht mal so wenig Potential gehabt hätte, welches er aus Unvermögen aber einfach verschenkt.
Splatter:
(+)(+)(-)(-)(-)
U-Wert:
(+)(-)(-)(-)(-)
Vollbart:
(+)(+)(+)(+)(+)
Fazit:
Billiger Rache-Splatter, den man getrost ungesehen an sich vorüber gehen lassen kann.