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Das Genre des Tanzfilms hat nur sehr wenige wirklich erfolgreiche Filme hervorgebracht, doch „Dirty Dancing“ gilt (vor allem in weiblichen Kreisen) als Klassiker.
Frances (Jennifer Grey), genannt Baby, fährt mit ihren reichen Familie (Papa ist Arzt) in den Urlaub in die Ferienanlage eines väterlichen Freundes, wo strikte Regeln gelten: Die Gäste müssen verwöhnt werden, wofür vor allem die Kellner (Studenten, die sich etwas dazu verdienen) zuständig sind, aber in aller Prüderie ist alles, was nach anrüchigem Spaß aussieht, verboten. Das sollen sich vor allem die vom Veranstalter weniger geachteten Tanzlehrer zu Herzen nehmen.
Baby ist jedoch sowieso Elternliebling und will die Welt verbessern. Doch dadurch kommt sie in Kontakt mit der Welt der Tänzer, denn Trainerin Penny (Cynthia Rhodes) ist schwanger und die einzige Möglichkeit zum Doc zu gehen, ist wenn jemand bei einem wichtigen Auftritt einspringt. Baby fasst sich ein Herz, auch wenn Pennys Tanzpartner Johnny (Patrick Swayze) ihr skeptisch gegenübersteht…

Sonderlich feinsinnig ist die Figurenzeichnung von „Dirty Dancing“ sicher nicht, denn man hat hier oft tief in die Klischeekiste gegriffen. Von Ausnahmen wie Johnny, Baby und deren engsten Vertrauten haben wir da die ehrliche Working Class und die arrogante reiche Bagage, ganz schlimm der Schmieriack, der Penny geschwängert hat, Babys (klischeehaft dämliche) Schwester angräbt und auch sonst alles zu nageln scheint, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Johnny hasst die Reichen auch partout erstmal, weil sie reich sind, aber er wird ja im Verlaufe des Films begehrt.
Denn wie es sich für einen romantischen Film gehört bekommen sich Protagonist und Protagonistin, reißen dabei auch die eine oder andere gesellschaftliche Schranke ein und müssen bis dahin diverse Hindernisse überstehen. Um diese einzuflechten, beugt der Drehbuchautor die Logik stellenweise arg (Warum z.B. soll ausgerechnet die gänzlich untrainierte Baby und nicht eine andere Tänzerin als Ersatz einspringen? Warum fragt Papi nur, wer Pennys Freund und nicht wer der Vater des Kindes ist, was für weitere Komplikationen sorgt?), doch als Genrefilm funktioniert „Dirty Dancing“ ganz ordentlich.
Den einen oder anderen Klischeedialog muss man verkraften und so witzig wie wirklich gelungene Romantic Comedys ist „Dirty Dancing“ auch nicht, doch immerhin erzählt er seine Geschichte recht flott und lässt nur selten Längen zu. Vor allem die Musik sorgt immer wieder für Stimmung und ist bei diesem Film das, was definitiv Klassikerstatus hat (man gehe auf eine beliebige Party und überzeuge sich anhand der Reaktionen, sobald „Time of my Life“ gespielt wird). Extrem kitschig wird es nur gegen Ende, ansonsten bleibt es im erträglichen Rahmen.

Doch ganz wichtig für einen Tanzfilm sind natürlich die Tanzszenen, von denen es im ersten Drittel recht wenige gibt. Das titelgebende dreckige Tanzen in der Schwofbude der Angestellten wirkt auch unfreiwillig komisch, doch müssen Johnny und Baby dann ihre Nummer einstudieren, kann „Dirty Dancing“ diverse gut choreographierte Tanznummern auffahren (inklusive Trainingsszenen wie im Kampfsportfilm).
Genug tänzerisches Talent hat das Hauptdarstellerduo auch, schauspielerisch ist allerdings keiner der beiden je ein großer Mime gewesen. Hier liefern sie jedoch mit ihre besten Performances ab ohne groß zu glänzen, die Nebendarsteller schwanken zwischen OK (z.B. Jerry Orbach) und gnadenlos overactend (z.B. Max Cantor).

Das Drehbuch gewinnt keine Preise und die Klischees sind teilweise furchtbar nervig, doch dafür ist „Dirty Dancing“ recht beschwingt gemacht, bietet gute Musik und flotte Tanznummern. Zudem sollte man dem Streifen auch als Mann nicht zu ablehnend gegenüberstehen – es könnte der Lieblingsfilm der nächsten Angebeteten sein.

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