Review

Die Kritik beruht auf der ungeschnittenen österreichischen DVD-Auflage!

Mit "Frontiers" haben die Franzosen endgültig bewiesen, dass die zur Zeit härtesten Filme aus dem Land der Nouvelle Cuisine kommen.
Ohne Rücksicht auf filmische Konventionen oder Tabus wird dem Publikum ein krasser Schocker nach dem anderen serviert.
Nach Filmen wie "Inside" - der im direkten Vergleich trotz seines hohen Blutgehalts die massentauglichste Handlung vorweisen kann, handelt es sich doch um nichts weiter als einen knallharten Psychothriller - und dem eher schwachen "Martyrs" - der sich intellektuell gibt und den Zuschauer mit einer mehr oder weniger fragwürdigen Message entlässt - darf "Frontiers" mit seiner ausgefallenen Handlung zum besten Beitrag der harten französischen Welle gezählt werden.

Ganz klar am Terrorfilm der 70er Jahre orientiert hat Regisseur und Drehbuchautor Xaver Gens einen bizarren Trip in die Abgründe der menschlichen Natur geschaffen, der angesichts seines inszenatorischen Stils mit schnellen Schnitten und einem hohen Maß an expliziter Gewalt wie ein Tritt in die Magengrube wirkt.

Die Handlung von "Frontiers" weist ebenso wie "Inside" aktuelle gesellschaftspolitische Bezüge auf, die mit den folgenden Geschehnissen rund um einen Gutshof und der dort lebenden Familie perfekt harmonisiert. So absurd die Story um die Nazifamilie von Geissler und ihrer Suche nach der passenden Frau, die für den Fortbestand der Familie sorgen soll, auch klingen mag, so temporeich und vor allem spannend ist sie inszeniert.

Die Idee könnte auch aus der Feder von Quentin Tarantino stammen, erinnert doch die Flucht der jugendlichen Gangster an die Gecko-Brüder aus "From Dusk Till Dawn" und spätestens nach 30 Minuten entwickelt sich das anfängliche Gangster-Drama im Stil von "Baise-moi!" zu einem blutrünstigen Albtraum und einem Kampf ums nackte Überleben.

Regisseur Gens schafft es von Beginn an Spannung und eine stets spürbare unheilvolle Atmosphäre zu schaffen. Die dargestellte Gewalt ist zwar überspitzt, passt sich aber dem rauen, schmutzigen Umgangston an.

Vor allem die schauspielerischen Leistungen - allen voran von Karina Testa als Yasmin und Jean-Pierre Jorris als der alte General von Geissler - sind angesichts eines Filmes von diesem Kaliber beachtlich.
Bei aller graphischer Gewalt nimmt sich Gens aber auch die Zeit, Yasmin in eindrucksvollen Bildern Abschied von ihren toten Freunden zu nehmen, so dass "Frontiers" nicht nur als eine emotionslose Gewaltorgie erscheint, sondern trotz aller Härte auch Tiefgang besitzt.

Handwerklich einwandfrei inszeniert, besticht der Film vor allem auch durch einen düsteren, spannungsaufbauenden Soundtrack und perfekt umgesetzten Splatterszenen.

Xaver Gens ließ seiner Phantasie freien Lauf und überzeugt durch Einfallsreichtum und eine Menge guter Ideen. Vor allem die Tatsache, dass die Handlung fast ausschließlich auf einem Grundstück spielt, wobei aber auch das unterirdische Tunnelsysthem einer alten Mine einen unheimlichen Nebenschauplatz abgibt, ist dem Film hoch anzurechnen.

Wer mit der kranken Handlung von "Frontiers" etwas anfangen kann, wer auf Action und Splatter steht, der wird an diesem Film seine helle Freude haben.
Fans von intellektuellem Autorenkino ist von diesem dreckigen Streifen dringend abzuraten.

Ich liebe diesen Dreck und gebe

7,5 von 10 Punkte!

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