Untraceable (9/10)
Da stellt ein Killer seine Opfer ins Internet, und je mehr Menschen zuschauen, desto schneller wird sein Opfer getötet.
Der User als Täter ist ein durchaus intelligenter Gedanke, und er wird in Gregory Hoblits Film so gnadenlos effizient durchexerziert, dass wenig Zeit für die Ausarbeitung der anderen Personen bleibt.
Aber auch hier ist weniger mehr: Hoblit lässt den Zuschauer keine Minuten verschnaufen, es kann jeden treffen, und selbst am Ende muss die Heldin, im Schnelldurchlauf und selbst als Opfer im Internet, den Täter zur Strecke bringen. Einige schnelle Schüsse, der Halunke rutscht blutverschmiert die Wand runter. Ende Film.
Das Internet steht als Schmuddelsammlung ja schon länger im Verdacht: Gewalt, (Kinder-) Pornographie, alles ekelhafte dieser Welt ist vertreten. Doch das ist nicht die Message des Films. Die Szenen des Tschetschenien-Krieges und die Ermorderung ruisschischer Soldaten sind im Internet bekannt gewesen, und an Grausamkeit nicht mehr zu überbieten.
Was uns Hoblit um die Ohren haut, ist unsere eigenen Geilheit, der Voyeur im Menschen, der dabei völlig vergisst, mit dem Opfer mitzuleiden.
So erklingen dann im Off doch noch die Stimmen einiger User, die den Tod des Killers kommentieren. Und schon vorher im Film geht die Kamera immer wieder auf Kommentare der User über die Opfer. Etwas, was man auch im Internet auf Seiten, die Tötungen und Gewalt zeigen, selbst miterleben kann.
Eine Welt, in der Empathie für den Mitmenschen immer mehr abnimmt, in der Mord, Folter und Geschlachte zynische Sprüche und Beifall statt Entsetzen auslösen.
Und wenn am Ende der Vorstellung ein Zuschauer meint: "Zum Glück gibt es dass nur in den USA", dann hat er selber die in letzter Zeit anhaltenden Welle von Folter- und Metzelfilmen nicht mehr wahrgenommen, in dem eine faschistoide Grundhaltung als Unterhaltung konsumiert wird.
So weit sind wir also gar nicht vom Inhalt des Films entfernt.