Wenn jemand wie Diane Lane für einen Serienkillerfilm die Hauptrolle übernimmt, erwartet man nun nicht gerade ein zeitloses Meisterwerk, sondern hofft maximal, das Ergebnis würde sich vom blassen Durchschnitt in irgendeiner Art und Weise unterscheiden.
Und tatsächlich, wäre da nicht ein einziger halbwegs innovativer Ansatz versteckt, „Untraceable“ wäre auch wieder nur einer unter vielen Filmen. Der Plot ist nämlich maximal konventionell, wenn sich der Killer mittels einer Website daran macht, seine Opfer einer Situation aussetzen, in der die Anzahl der online daran teilnehmenden Webnutzer den jeweiligen Mordprozess auslöst, sei es nun die Zugabe eines blutverdünnenden Mittels oder das Sitzen in zunehmend starker Batteriesäure.
Sieht man ihn aus rein unterhaltsamer Sicht, ist die Angelegenheit von vorne bis hinten komplett vorhersehbar, von den ersten unschuldigen Opfern bis zur Konzentration auf die Polizeiabteilung für Computerkriminalität, die erst einem Kollegen das Leben kostet und dann die Hauptfigur ins Spiel bringt.
Das ist zwar alles handwerklich solide gemacht, aber auch wenig überraschend und versaut sich am Ende eine höhere Punktewertung, wenn Miss Lane bei Nacht auf offener Straße sich mit dem Killer auseinandersetzen muß und auf den dümmsten und abgedroschensten Trick reinfällt, obwohl sie flüchtig auf ihren Rücksitz sieht. Da kommt dann erstmals Unmut auf.
Das ist insofern schade, als vorher der Film recht gut die Sensationsgeilheit und Darstellungswut der modernen Zeit einfängt, in der jeder, sich seiner Anonymität bewußt, nicht ausreichend realisiert, daß er an den Morden teilnimmt, indem er für die Seite Werbung macht. Jeder ist ein Täter, aber keiner allein - und die Lust am Tabubruch über das Anonyme ist stärker, die Neugier gieriger als die Vernunft.
Da erscheint es nur logisch, daß der Täter selbst relativ schnell ans Licht tritt und mal kein alter Bekannter ist, sondern sein Gesicht zeigen darf – schließlich löst er die Morde ja auch nicht aus.
Im Finale wird das alles dann persifliert, wenn die gesamte Polizei nur zuschauen kann, wie sich die Lane rettet und die Zahlen weiter in die Höhe schnellen und der Zuschauer selbst in den Chor mit einstimmt. Die typischen Gästebuchkommentar in der Schlußblende sind da nur eine wortgetreue Abbildung der Realität.
Dennoch ist das alles zwar unterhaltsam, aber im Wesentlichen kurz und mittelprächtig, doch irgendwo als Bastard aus der Post-Saw-Folterschiene gefallen und letztendlich vom Zeigen lebend. Was man leicht anprangern möchte, ist für den Film jedoch das Verkaufsargument.
Und daß verschiedene Behörden es nicht schaffen, dem Täter über das Web auf die Spur zu kommen, wirkt hier mehr aufgesetzt, damit man länger beim Morden zuschauen kann.
Aber nette Versuche sollte man nicht in den Boden stampfen, wenn man das nächste Mal Bonsai-Kitten benörgelt. (5/10)