Da denkt man, alles gesehen zu haben, und plötzlich kommt da ein Mensch auf so eine kranke, aber irgendwo auch gar nicht mal verkehrte Idee. Sowohl auf das Drehbuch, als auch die Geschichte, um die es geht.
FBI-Agentin Jennifer ist für die Online-Abteilung zuständig. Sie stößt auf eine Seite, auf der man zuerst eine Katze sieht, die stirbt. Kurze Zeit später ist es dann ein Mann. Die Vorgesetzten nehmen es anfangs nicht für voll, jedoch verschwindet dann ein weiterer Mann und taucht vor dem Bildschirm der Ermittler auf. Auch vor ihrem Kollegen und nicht mal ihr selbst macht der Psychopath Halt...
Klingt nach Saw, ist es auch fast schon. Hier können sich die Opfer zwar nicht direkt wehren, werden dafür aber Opfer der Senationslust und der damit verbundenen Grausamkeit der Gesellschaft. Die "Fallen" oder wohl eher Konstruktionen in diesem Falle sind schon ziemlich krass - vor allem beim Säurebad werden einige schwache Gemüter sicherlich an ihre Grenzen stoßen. In der Hinsicht punktet Untraceable mit Originalität der perfiden Art, wobei das natürlich jeder für sich entscheiden sollte, ob es positiv zu bewerten ist. In diesem Genre kann man es jedoch durchaus anrechnen.
Nun zu den weniger erfreulichen Punkten: Schauspieler und Charaktere sind bestenfalls Mittelmaß. Die Hauptperson der Geschichte, Agentin Jennifer, wird von einer Frau gespielt, die man durchaus als eine x-beliebige Frau Mitte 40 auf der Straße antreffen würde - die junge Stalin aus der Hannibal-Trilogie hat da deutlich eher ins Profil gepasst. Auch machen die Schauspieler ihre Rolle auch bestenfalls befriedigend bis gut, mehr jedoch nicht. Die Dialoge befinden sich stellenweise auf derselben Qualitätsskala, was man von einem ernstzunehmenden Film heutzutage eigentlich nicht umbedingt haben sollte...
Auch die Spannungskurve bleibt relativ weit unten. Das Ende ist relativ vorhersehbar, auch wenn es dennoch ziemlich grausam und ungemütlich daherkommt. Atmosphäre möchte sich auch nicht so vollends entfalten; Allerhöchstens die Szenen mit den Opfern, die anfangs scheinbare Willkühr, lässt einen doch in einigen Szenen einen kalten Schauer den Rücken herunterlaufen.
Insgesamt also bestenfalls knapp über dem Durchschnitt. Man mag die Charaktere nicht als solche annehmen, auch wenn einige Profile teilweise wirklich interessant und mal abwechslungsreicher gestaltet wurden als in anderen Filmen (den Kollegen mit der Vorliebe, sich über das Internet mit Frauen zu verabreden etwa), jedoch hinkt der Film wegen jenen Schwächen doch zu sehr, als dass er richtig in Fahrt kommen kann. Dafür ist er handwerklich umso besser produziert und wirkt genau deshalb auch so realistisch. 6/10 Punkte