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„Cutlass“ ist ein charmant-unterhaltsamer Kurzfilm, welcher im Rahmen des „Reel Moments“-Projekts der amerikanischen Mode- und Frauenzeitschrift „Glamour“ entstand. Angesichts der Tatsache, dass nur cirka sieben Prozent der „Directors Guild of America“-Mitglieder weiblich sind, lautete die Grundidee des Konzepts, in erster Linie gestandene Schauspielerinnen zu dem betreffenden Schritt hinter die Kamera zu ermutigen und sie fortan natürlich auch weiter entlang des eingeschlagenen Weges zu unterstützen. Im dritten Jahr der 2005 ins Leben gerufenen „Aktion“ wurden die Leser/-innen des Magazins 2007 dazu aufgerufen, persönliche Essays unter dem Leitgedanken „the Essence of Happiness“ zu verfassen sowie diese im Anschluss der Redaktion zuzusenden bzw. zur Verfügung zu stellen. Aus allen eingegangenen Texten wurde infolge dessen erst einmal eine auf 50 Stück reduzierte Vorauswahl getroffen, welche man daraufhin an die sich mit von der Partie befindlichen Aktricen Kirsten Dunst, Rita Wilson und Kate Hudson weiterleitete. Im Zuge jenes Sichtungs- und Findungsprozesses entschied sich letztere für den Beitrag einer Dame namens Rosie Hartman, deren Geschichte sie im nächsten Schritt dann selbständig adaptierte sowie danach in Gestalt des hier nun vorliegenden „Shorts“ in Szene setzte…

Lacy (Dakota Fanning) ist ein junger, Musik-liebender Teen, der eines Tages (zu seiner großen Begeisterung) in einem Laden eine seltene 1979er „Vintage Gibson Hummingbird“-Gitarre entdeckt. Leider hat sie aber nur knapp 400 Dollar auf ihrem Konto, während das Instrument dagegen rund das Dreifache jener Summe kostet. Aufgeregt bittet sie daher ihre Mutter Robin (Virginia Madsen) um den restlichen Betrag, welche sich jedoch nicht darauf einlässt: „Absolutly not“, so lautet ihre klare Antwort, trotz aller Überzeugungsversuche ihrer Tochter. Wenig später fällt Robin´s Blick dann allerdings auf ihren in der Einfahrt stehenden Wagen – ein roter 1976er „Oldsmobile Cutlass“, den sie im jugendlichen Alter (Kristen Stewart) selbst unbedingt haben wollte, welchen sie sich zu jener Zeit aber ebenfalls (allein) nicht leisten konnte. Seit Ewigkeiten waren ihr die Gedanken daran schon nicht mehr in den Sinn gekommen – und je deutlicher ihre Erinnerungen nun zurückkehren, wie leidenschaftlich ihr Wunsch nach genau diesem Fahrzeug in jenem Sommer eigentlich war und wie innig sie ihren Dad (Kurt Russell) damals um die nötige finanzielle Unterstützung gebeten hatte, desto bewusster werden ihr die Parallelen zur Gegenwart und desto besser kann sie die mit Lacy´s Anliegen verknüpften Gefühle nachempfinden…

„Cutlass“ ist ein in vielerlei Hinsicht ansprechender Kurzfilm, der hauptsächlich von seiner tollen Besetzung und der im Verlauf seiner nicht einmal 14-minütigen Laufzeit vermittelten einnehmend-sympathischen Grundstimmung lebt. Dass es Kate Hudson („Almost Famous“) möglich war, ein derart namhaftes Ensemble für ein Projekt wie dieses hier versammeln zu können, dürfte wohl auf ihre allgemeine Beliebtheit sowie (insbesondere) auf die weitreichenden Verbindungen ihres Business- und Familien-Umfelds zurückzuführen sein. Kate, die vorliegend übrigens ausschließlich hinter der Kamera zu Werke ging, ist ja die Tochter von Bill Hudson und Goldie Hawn – wurde aber von letzterer und Kurt Russell („Death Proof“) aufgezogen, welchen sie inzwischen gar als ihren „wahren Vater“ ansieht. Er ist es dann auch, der die insgesamt wohl beste Performance abliefert – denn seine Auftritte als Robin´s liebevoll-schrulliger Dad, welcher nach einer aktuell (in seinem Alter) noch zu ihm passenden Freizeitbeschäftigung sucht und seiner Tochter außerdem einige wertvolle Lektionen mit auf ihren (Lebens-)Weg zu geben gedenkt, sind schlichtweg köstlich beizuwohnen…

Hauptberuflich war Bill Hudson viele Jahre lang ein passionierter Musiker („the Hudson Brothers“), und Kate selbst ist jenem „Milieu“ bekanntlich ebenfalls gleich auf mehreren Ebenen verbunden (u.a. ist sie mit Leuten wie Keith Richards oder Steven Tyler befreundet und war mit dem „Black Crowes“-Frontmann Chris Robinson verheiratet) – und so verwundert es kaum, dass etwa der Besitzer des Musikladens von jemandem wie Steve Jones (der von den „Sex Pistols“) gemimt wird. Kate´s „damaliger“ Lover Dax Shepard („Without a Paddle“) leistet ein Cameo ab, Chevy Chase („Fletch“), seines Zeichens ja ein alter Freund ihrer Mom, tritt als Verkäufer des begehrten Oldsmobiles auf – und am Rande des zentralen Geschehens gibt es zudem u.a. noch Sarah Roemer („Disturbia“), Brian Hooks („Soul Plane“) und Ethan Suplee („Evolution“) zu entdecken. Im Mittelpunkt der Betrachtung stehen allerdings eindeutig die der betreffenden Generationskette zugehörigen Frauen: Die talentierte Virginia Madsen („Sideways“) spielt gewohnt lobenswert – und nicht allein deshalb nimmt man ihr (im Speziellen) die über die Jahre hinweg gesammelten reichhaltigen Erfahrungen ihrer Figur uneingeschränkt ab. Ebenso gut agiert Hollywood´s „Wunderkind“ Dakota Fanning (Russell´s Screen-Partnerin aus „Dreamer“), welche die Schwelle zum Teen ja nun erfolgreich überquert hat und der cineastischen Welt zweifellos auch künftig weiterhin eine Menge zu bieten haben wird. Last (but certainly not least) ist auf jeden Fall noch die fabelhafte Kristen Stewart („Twilight“) zu erwähnen: Im Einklang mit dem Gesamtbild überzeugt sie gleichermaßen und sieht hier überdies (u.a. mit blonden Haaren) mal wieder hochgradig umwerfend aus…

In handwerklicher Hinsicht merkt man „Cutlass“ in nahezu jedem seiner Momente an, dass Kate bei der Realisierung ihres Regiedebüts die ganze Angelegenheit offenbar straff im Griff hatte: Von der Schauspielerführung und inspirierten Song-Auswahl bis hin zu dem gewählten Aufbau sowie den vor Ort gefundenen Einstellungen und Perspektiven, welche Cinematographer Daniel Mindel („Domino“/„Spy Game“) im Folgenden dann in Gestalt schön anzusehender (und seitens der Farbfilter sowie Editing-Arbeit später zusätzlich ersprießlich akzentuierter) Images festhielt, kann man von einem rundum hochwertigen inszenatorischen Ergebnis sprechen. Da eine ausgeprägte inhaltliche Reichhaltigkeit bei solch einer kurzen Lauflänge natürlich (an sich) kaum zu erwarten war, verwundert es im Grunde genommen nicht, dass die Handlung eher simpler Natur ist, also von Anfang an bewusst einfach gehalten wurde. Angereichert mit einem netten Sinn für Humor, spritzigen Dialogzeilen und einem Hauch purer Nostalgie, wird dem Publikum eine herzerwärmende Geschichte präsentiert, die sich um große kindliche Wünsche sowie die oftmals unweigerlich damit verwobenen Entscheidungen ihrer Eltern rankt, welche in solchen Situationen gelegentlich auch mal untypisch reagieren und einem infolge dessen (z.B. aus Liebe heraus) dann tatsächlich gar mal die Erfüllung des betreffenden innig gehegten Wunschs oder Traums ermöglichen. Darüber hinaus wird das Feilschen sowie der verantwortungsvolle Umgang mit Geld thematisiert – alles sehr charmant verpackt bzw. in Szene gesetzt. Wer (per se) allerdings gehässig sein will, der könnte durchaus anführen, es würde die fragwürdige Botschaft vermittelt werden, dass sich Glück erkaufen lasse sowie dass Geschenke das Entstehen einer lebenslangen (heilsamen) Verbindung zwischen den Generationen unterstützen würden – und das sogar relativ leicht, etwa wenn man Aussagen á la „Whatever makes you happy, makes me happy“ aus eben dieser bestimmten Perspektive heraus betrachtet. Jene Kritik-Angriffsfläche ist nicht zu verkennen – allerdings bin ich der festen Meinung, dass diese potentiellen negativen Hintergedanken angesichts der doch recht umfassend stimmigen Beschaffenheit dieses durchweg unterhaltsamen Kurzfilms letzten Endes definitiv zu vernachlässigen sind, denn im Prinzip geht es insgesamt primär einfach nur darum, niemals zu vergessen, wie genau man früher eigentlich selbst so gedacht sowie bestimmte Dinge empfunden hat …

„7 von 10“

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