Zombiemeister Ken Wiederhorn (“Shock Waves”, “Return of the Living Dead Part II”) fand mit “A House in the Hills” - entgegen den titeltechnisch artverwandten “The Hills Have Eyes” und “House on Haunted Hill” mal kein Horrorfilm - sein vorläufiges Finish als Regisseur. Schade? Nein, nicht unbedingt. Von der zweiten Rückkehr seiner lebenden Toten war ich ja zugegebenermaßen noch halbwegs angetan, aber sein letzter Atemzug ist an Belanglosigkeit kaum noch zu übertreffen. Ein typisches TV-Optik-Flick mit einem B-Movie-Star in der wenig rühmlichen männlichen Hauptrolle. Michael Madsen ist diesmal derjenige welche.
Madsen hat ein wenig den Ruf weg, der faulste Schauspieler der Welt zu sein. Nicht, weil er wenig drehen würde, sondern einfach deswegen, weil es kaum jemanden gibt, der sich noch gelangweilter durch die Massenware lumpt als er. Ob man das nun als fehlende Identifikation mit seinem Job auslegt (Tarantino setzt ihn ja eigentlich stets ganz ordentlich ein) oder als zynisches Statement, ist wohl Auslegungssache des Einzelnen; es ist jedenfalls nicht immer eine Offenbarung, ihm bei der Arbeit zuzusehen.
Schön, dass er diesmal nicht der Pferdefuß in der Produktion ist, denn seine Leistung kann durchaus als ansprechend bezeichnet werden, wenn auch nicht als mehr. Jedenfalls harmoniert er als charmanter Gauner ganz ordentlich mit Actrice Helen Slater, die eine schüchterne Schauspielerin verkörpert, die in einem Nebenjob als Hausmädchen auf ein großes Haus aufpassen muss, in dessen Nachbarschaft gerade erst ein Mord geschehen ist.
Worauf das hinausläuft, ist klar: Lug, Trug, Missverständnisse, Misstrauen und Verwirrspiele in der trügerischen Idylle eines friedlichen Reichenviertels. Weit und breit kaum Menschen, aber immer wieder böse Überraschungen, die an der Haustür warten. Ein Katz- und Mausspiel zwischen der Guten und dem Bösen, und ein Verschieben der Fronten: Wer ist eigentlich gut und wer böse?
Derartige Themen waren Mitte der Neunziger ziemlich beliebt. Auch Eric Roberts, Robert Patrick & Co. wuselten sich fortwährend durch ähnliche Plots. Manche zehrten von ansprechenden Grundideen, aber fast alle scheiterten zumindest an der technischen Umsetzung. Bei “A House in the Hills” ist in beiden Kategorien der Wurm drin: Inszenatorisch dank der vielen Frontal-Close Ups auf solidem TV-Niveau, bietet auch das Skript nichts, was kinoreif wäre.
Der Fisch fängt am Kopf an, zu stinken, und Alpha und Omega für eine interessante Geschichte sind interessante Charaktere. Derer hat Ken Wiederhorn einige zu bieten, kaum welche sind davon jedoch mehr als nur oberflächlich interessant. Die Motivation von Madsens Charakter Mickey durch eine wenig aufschlussreiche Rückblende bleibt absolut stumpfsinnig, in die Psyche der Figur traut sich Wiederhorn nicht für einen Cent hinein. Noch schlimmer sieht es mit Helen Slaters Alex aus. Mit einer erfolglosen Schauspielerin ist doch eigentlich immer etwas anzufangen, wieso bleibt die Figur dennoch so unverschämt platt? Wenn die Gute bei einem erfolglosen Vorsprechen gezeigt wird oder dabei, wie sie sich nackt vor dem Spiegel betrachtet, oder wie sie sich mit einer Mikrowelle unterhält, sagt mir das noch lange nicht viel über ihre Persönlichkeit. Mal ganz zu schweigen von den Antagonisten, bei denen sich die Drehbuchautoren teilweise ziemlich weit aus dem Fenster lehnen (Stichwort: Killer), ohne jedoch irgendwas plausibel machen zu können.
Die Konsequenz? Psychologische Spielchen zwischen den Charakteren bleiben absolut wirkungslos - fatal für einen Suspense-Thriller, der ganz auf die Wirkung der Spannungen zwischen seinen Figuren vertraut. Die Dialoge passen sich dem an und bleiben so unauffällig wie uninteressant, reines Füllmaterial zwischen den Szenen.
Wer dann auf immer neue Felder hofft, die sich durch unvorhergesehene Twists öffnen, dürfte auch schnell ernüchtert sein; ein “Love, Cheat & Steal” wusste besser mit Wendungen umzugehen. Hier gibt es allenfalls ein paar Veränderungen, die von einem richtigen Mindfuck aber soweit entfernt sind wie die Ente vom Ferrari. Nicht zu sprechen von sehr kuriosen Verhaltensweisen im Schlussakt, die so fern des gesunden Menschenverstands sind, dass man zuweilen eifrig mit Kopfschütteln beschäftigt ist.
Wer sind eigentlich meine Adressaten bei dieser Kritik? Michael-Madsen-Hardcoreler? Liebhaber der unendlichen Bedeutungslosigkeit? Keine Ahnung. Eigentlich ist “A House in the Hills” total Jacke wie Hose, nicht gänzlich unerträglich, aber eben auch null bedeutsam. Sollte jemand mit dem Gedanken spielen, eine Review-Seite zu eröffnen, die nur Filme abhandelt, die für die Filmgeschichte vollkommen unwichtig sind: Das hier sind meine Bewerbungspapiere.
(Vince,
Die Belanglosigkeit des Films dadurch herausstellend, dass er seinem unterdrückten Narzissmus als Review-Autor im Fazit freien Lauf lässt, um darüber hinaus über den Film selbst kein Wort mehr verlieren zu müssen - ein im Angesicht der vielen Zeilen zuvor äußerst paradoxes Unterfangen.)