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Der spanische Regisseur Álex de la Iglesia hat sich unter anderem einen Namen mit "Perdita Durango" und "Allein unter Nachbarn" gemacht, hier versucht er sich an einem altmodischen und klugen Krimi, der auf dem Roman "Die Pythagoras Morde" von Guillermo Martinez basiert. Ohne Vorkenntnisse des Buches fällt es einem teilweise schwer, den überaus hochwertigen und philosophischen Dialogen zu folgen, oft quasselt "Oxford Murders" um den heißen Brei herum, Geschwätzigkeit gehört leider zu den Hauptproblemen dieser interessanten Geschichte.
Das Ganze spielt sich an der University of Oxford ab, eine der renommiertesten und ältesten Universitäten der Welt, über die man eigentlich keine Worte mehr verlieren muss. Hier versucht der Mathematikstudent Martin (Elijah Wood) sein Glück, denn er möchte, dass der berühmte Professor Arthur Seldom (John Hurt) ihn unter seine Fittiche nimmt. Doch als Martin auf sein Idol trifft, ist er zunächst weniger begeistert und will schon seine Koffer packen. Nur der Mord an der alten Mrs. Eagleton (Anna Massey) hält ihn schließlich zurück. Zusammen mit Seldom unterstützt Martin Inspector Peterson (Jim Carter) bei den Ermittlungen. Der geheimnisvolle Mörder hinterlässt immer ein Zeichen, welche zusammen gefügt eine logische Reihe ergeben. Doch wer wird sein nächstes Opfer?

Iglesia versetzt die Geschichte ins Jahr 1993, schweift auch gerne in Rückblenden mal in die Vergangenheit ab, um dem Zuschauer die Geschehnisse näher zu bringen. Zum Beispiel wird auch der berühmte Philosoph Wittgenstein erwähnt. Aber es ist auch eine schwierige Sache den Dialogen zu folgen und irgendwann hat man dieses hoch gestochene Gequatsche auch satt. Alles sieht zu Beginn nach einem simplen Mordfall aus, den Martin versucht mit Hilfe von Mathematik und Logik zu lösen. Schon fast grotesk, dass solch eine Tragödie dazu geführt hat, dass er nun zusammen mit Seldom arbeiten darf. Der Täterkreis ist dann auch groß genug und vor allem sind alle Figuren sehr undurchsichtig. Gewisse Vermutungen über den Täter lassen sich anbringen, selbst Martin gerät in Verdacht. Was "Oxford Murders" jedoch breit tritt, sind Martins Mädchengeschichten. Einmal mit der mysteriösen Beth (Julie Cox), die Tochter der Ermordeten und besonders hat er es auf die Krankenschwester Lorna (Leonor Watling) abgesehen, die auch mal eine Affäre mit Seldom hatte. Jede der Figuren offenbart langsam irgendwelche Geheimnisse und somit auch gewisse Motive für den Mord. Besonders der russische Student Yuri Podorov (Burn Gorman) macht sich verdächtig.

Aber auch wenn die Indiziensuche von Martin und Seldom recht interessant verläuft, so ist "Oxford Murders" viel zu geschwätzig und hat einige Längen, die Iglesias Spannungsbogen erheblich schaden. Noch bevor des Rätsels Lösung dann offenbart wird, denkt man die Mordreihe durchschaut zu haben, doch erfreulicherweise punktet dieser Krimi noch mit ein paar tollen Wendungen. Ich will nur soviel verraten, dass es nicht nur einen Mörder gibt, somit ist die Auflösung wirklich gelungen und verpasst auch gleichzeitig der Mathematik und Logik einen Dämpfer.
Was an "Oxford Murders" gut gefällt sind die Darsteller, obwohl man richtige Sympathieträger vermisst. Elijah Wood (Sin City, Herr der Ringe) und John Hurt (V wie Vendetta, Der Verbotene Schlüssel) agieren Beide sehr kühl, während besonders Julie Cox (Second in Command, The Ring) eine etwas undankbare Rolle geerbt hat.

Eine durchweg interessante Geschichte, die besonders im Finale einige Haken schlägt. Ein Fest für Freunde altmodischer Krimikost, wären da nicht etliche Längen, die entweder durch Geschwätzigkeit oder Martins Liebeleien entstehen. Um alles zu begreifen, muss man wirklich am Ball bleiben.

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