10.000 BC
Held D’Leh ist der Eine! Auserwählter und Mammutjäger. Laut Vorhersage von „Alte Mutter“ wird er eines Tages den weissen Speer tragen und sein Volk in eine neue bessere Zukunft geleiten. Ganz nebenbei seine große Liebe an sich binden und ein Götterimperium zu Fall bringen. Nur ist ihm dies natürlich nicht bewusst und immer wieder aufkeimende Selbstzweifel sind dabei auch nicht gerade förderlich. Doch man soll ja bekanntlich nicht den Morgen vor dem Abend loben und gemeinsam ist man stark…
Roland Emmerich hat wieder einmal zugeschlagen. Alle Jubeljahre beglückt uns der Ex-Schwabe mit einem abendfüllenden Blockbuster. Auch diesmal wird er sein Publikum spalten, denn dieser wilde Crossover aus Abenteuer, Action, Drama und märchenhafter Fantasie ist schon irgendwie gewöhnungsbedürftig. Auf der einen Seite kann der Film in keine spezifische Schublade gesteckt werden (außer sie nennt sich Roland Emmerich), auf der anderen bietet er sämtliche Merkmale für einen Kinofilm. Exquisite Bilder, wunderschöne Landschaftsaufnahmen, Abenteuer, Exotik, Action, wie immer gute Spezialeffekte, ein nicht zu aufdringlicher Score und natürlich ein Happy End. Im Prinzip also Mainstream in Reinkultur. Die Einspielergebnisse geben dem altbewährten Konzept auch mal wieder Recht und alle sind zufrieden.
Natürlich werden die Zuschauer sich eine eigene Meinung bilden müssen, denn auch 10.000 BC krankt an einigen Ecken. Doch wenn man sich in einen Emmerich wagt, sollte sich die Überraschung dann auch in Grenzen halten und man kann nicht enttäuscht werden. Ich für meinen Teil fühlte mich wunderbar unterhalten, auch wenn besagtes Happy End, selbst für Hollywoodverhältnisse, schon jenseits von Gut und Böse anzusiedeln ist.
Doch will ich den Film nicht falsch anpacken! Es gibt, wenn man von der Mischung historischer Fakten mal absieht (Pyramidenbau, Tempel, Mammuts, Säbelzahntiger und „Eiszeit?!“, die Zeitspanne, Sklavenhandel usw.) natürlich Logiklöcher ohne Ende. Warum z.B. kommen die Sklavenhändler den beschwerlichen Weg über die Berge, nur um ein, zwei Handvoll Sklaven zu entführen, wieso lebt D’Leh’s Stamm in diesem unwirtschaftlichen Umfeld wenn sie von den wärmeren Gefilden wissen, wie kann er in das Gefangenenlager ein-, und wieder aussteigen obwohl dort jahrelang die Sklaven hausen? Man kann dies noch Problemlos fortführen. Natürlich hat man keine Zeit während des Filmes über so etwa nachzudenken da er sehr kurzweilig inszeniert wurde, doch bleibt die Frage sollte man es überhaupt!? Denn dadurch stört man den Fluss des Filmes und dies schadet vor allem den Charme bzw. der erzeugten Atmosphäre. Man sollte fähig sein sich auf die Thematik einzulassen und nicht zu brutal über Ungereimtheiten richten. Allerdings hätte ein gewisses Maß an Spannung nicht Schaden können, denn wenn ich ehrlich bin hatte ich nie Angst das D’Leh (Anagramm für Held) versagen wird, zumal die fiktive Prophezeiung die Richtung Klar vorgeschrieben hat. Weiterhin gibt es daraus resultierend auch keine einzige Überraschung, vor allem wenn man vorher schon den Trailer gesehen hat, welcher wohldosiert Lust auf den Film machte und wenigstens nicht den Fehler beging, mit gezeigten Highlights, den Zuschauer anzulocken, um dann diesbezüglich zu enttäuschen. Dafür bietet der Film optisch doch sehr viele spektakuläre Szenen und darf gerade im Showdown epische Ausmaße annehmen. Dabei sind die gewählten Locations in Neuseeland, Südafrika und Namibia nicht zu unterschätzen, leisten sie doch ihren, wenn auch unbewussten, Beitrag dazu.
Ich will mir nun nicht anmaßen irgendwelchen Interpretationen vorzubeugen, obwohl bei einem Film immer wünschenswert, aber ich kann nicht verstehen warum die Tatsache das ein Weisser Mann ein schwarzes Volk anführt, bei einem Film wie 10.000 BC, so überbewertet wird. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen was diese Ansicht bringen sollte. Kommerziell gesehen wäre es ein Eigentor und rassistische Tendenzen der Todesstoss für solch einen Blockbuster. Naiv sagen die einen, Korrekt die anderen.
Letzten Endes bekommt man trotzdem einen klassischen Abenteuerfilm serviert, bei dem die Guten und die Bösen gewohnt eindimensional gezeichnet wurden und sowieso „nicht“ die Protagonisten/Antagonisten die Hauptdarsteller sind.
Immerhin ist dies ein Emmerich! Wo wir dann doch wieder bei der Schublade sind.
7 von 10