Review

Nachdem Roland Emmerichs „The Day after Tomorrow“ ob seiner Reife durchaus gut ankam, war man gespannt auf „10.000 BC“, der mit der nicht gerade unerheblichen Pause von vier Jahren folgte – und trotz dieser langen Entstehungszeit hagelte es vernichtende Kritik.
Einen irgendwie akkuraten Steinzeitfilm dürften die wenigsten erwartet haben und tatsächlich merkt man schnell, dass „10.000 BC“ mit Geschichte soviel am Hut hat wie Emmerich mit leisen Tönen. Bereits die ersten Mammutjagden zeigen uns Höhlenmenschen, deren Methoden mit Fangnetzen usw. schon regelrecht High-Tech sind, gleichzeitig lernt man Instant-Held D’Leh (Steven Strait) kennen, dessen bestes Erkennungsmerkmal eigentlich das Fehlen jeglicher einprägsamer Eigenschaften ist.
Im Hintergrund salbadert derweil eine Erzählerstimme von Bestimmungen und Prophezeiungen, denn D’Lehs Papa ließ dereinst den Stamm alleine – aus altruistischen Motiven, doch man brandmarkte ihn als Feigling. Doch die Zeit der Bewährungsprobe kommt, denn eine Horde übellauniger Invasoren fällt im Dorf ein, haut die meisten Krieger zu Klump und nimmt fast alle anderen Bewohner als Geiseln – darunter auch Evolet (Camilla Belle), D’Lehs Angebetete.

Zum Glück ist D’Leh während des Angriffs gerade außer Haus und überlebt, kann also den Kidnappern nacheilen. Das Pyramidenbauende Feindvolk nimmt aber Sklaven, wo es sie nur finden kann, weshalb die Rettungsaktion bald zum regelrechten Befreiungskleinkrieg ausartet…
Brav wandelt Emmerich auf den von „Apocalypto“ und „Pathfinder“ vorgegebenen Pfaden, denn alle drei erzählen die Geschichte eines Antik-Rambos auf privat motiviertem Rächertrip, in diesem Falle in der jugendfrei-Variante für zwölfjährige Jungs. Bei diesen fast identischen Plots bleibt es allerdings nicht, denn Emmerich klaut munter weiter. Den Verweis auf die scheinbare Göttlichkeit des Eroberervolkes kann man noch als gewolltes „Stargate“-Zitat durchgehen lassen, Schoten wie die fast eins zu eins aus „300“ geklaute Endsequenz allerdings nicht.

Doch derlei Klauereien wären ja durchaus einfach zu verschmerzen, wären Begriffe wie Spannungsaufbau und Dramaturgie nicht Fremdworte für „10.000 BC“. Fast schon bemerkenswert uninteressiert folgt die Erzählung D’Lehs Reise, wirft ihm Mammuts, Riesenvögel und Säbelzahntiger als Opponenten in den Weg, ehe er sich mit neugewonnener Unterstützung durch menschliche Feindeshorden metzeln darf. Kein einziger Kampf baut irgendwie Interesse für die Figuren auf, selbst die Tode von Freunden sowie Erzfeinden ziehen ohne großen Effekt am Betrachter vorbei. Ganz so platt wie die spannungsfrei aneinandergereihten Dinoattacken eines „Jurassic Park 3“ ist „10.000 BC“ nicht, doch von echtem Interesse kann nicht gesprochen werden.
Da hilft auch der gänzlich ironiefreie Ansatz Emmerichs nicht. Flapsige Sprüche wären in dem Historienszenario wohl verkehrt gewesen, trotz aller historischen Inkorrektheiten und Simplifizierungen (die guten Stämme können sich fast alle in der gleichen Sprache verständigen, die Übelwichte kriegen grob klingendes Gebrabbel mit Untertiteln), doch „10.000 BC“ nimmt sich dermaßen krampfhaft ernst, dass es gelegentlich in unfreiwillige Komik umschlägt: Eine Pathosbombe hoch drei mit schwelgerischen Monologen und dem schwülstigen Off-Kommentar, der gerade zum Schluss (Stichwort Evolets blaue Augen) echt übel danebenhaut.

Darstellerisch ist die Chose ebenfalls durchwachsen, denn gerade Steven Strait bleibt ein blasses Milchbrötchen, ein uncharismatischer, unscheinbarer Typ, dem die Heldenrolle einfach nicht stehen will. Camilla Belle dient auch nur als hübsche Staffage, während wenigstens Cliff Curtis in der Sidekickrolle noch eine gute Figur macht und eine der wenigen Performances abliefert, die hängen bleiben.
Handwerklich holt „10.000 BC“ dann immerhin noch ein wenig die Kohlen aus dem Feuer, denn toll anzuschauen ist Roland Emmerichs Film allemal. Die Effekte sind nicht ganz state of the art, doch wuchtige Pyramiden und Horden von CGI-Mammuts hinterlassen schon ein wenig Staunen beim Zuschauer und auch die Actionszenen mögen weder besonders hart noch allzu mitreißend sein, doch Inszenierung und Choreographie sind nicht von schlechten Eltern. So wenig das Gebotene den Zuschauer also kratzen mag, unspektakulär ist anders.

Bei gesenkten Erwartungen (und die durfte man nach vernichtenden Kritiken zum Kinostart haben) kann „10.000 BC“ einen gewissen Unterhaltungswert nicht absprechen, denn Schauwerte und handwerkliche Qualitäten besitzt das Emmerich-Spektakel. Das entschädigt zwar kaum für pathetische Dialoge, fehlende Spannung und mangelnde dramaturgische Kniffe, entfernt „10.000 BC“ immerhin noch ein merkliches Stück vom Totalausfall.

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