Los Angeles, Ende der 80er Jahre: Matt (Topher Grace) hat zwar sein Ingenieursstudium am renommierten MIT abgeschlossen, kann sich aber nicht wirklich zu einem Job in diesem Bereich aufraffen. Daher jobbt er während des Sommers in einem Videoladen in der benachbarten Mall. Seine clevere Schwester Wendy (Anna Faris) steht kurz vor dem Zusammenziehen mit ihrem hohlen Freund Kyle und will doch noch mal nach Cambridge Literatur studieren. Matts Vater (Michael Biehn) ist von seinem Sohn alles andere als begeistert und drängt ihn eine Entscheidung zu treffen. Außerdem taucht Matts alte Highschool-Flamme Tori (Teresa Palmer) auf und bei einer zufälligen Begegnung gibt Matt vor, bei den Investmentbankern von Goldmann Sachs zu arbeiten. Abends treffen sich alle (plus Matts gerade als Autohändler gefeuerten Freund Barry) auf Kyles Labor Day-Party und das Chaos nimmt seinen Lauf.
Filme über und aus den 80er Jahren bereiten mir oft Bauchschmerzen. Ich habe diese modisch, politisch und kulturell so bizarre Zeit selbst als Teenager erlebt und bin jedes Mal verstört, wie unfassbar beknackt man damals aussah. Gut, das denkt vielleicht öfter über alte Fotos von sich, aber ich finde die 80er wirklich das modisch und filmisch schlimmste Jahrzehnt. Klar, es gab einige grandiose Filme ("Blade Runner" oder "Betty Blue"), aber ich finde, das Filme aus den 80ern oft schlecht gealtert sind: ihre Optik, ihre Musik, die Mode - es ist oft grenzwertig. Im Gegensatz zu den 60ern oder 70ern Jahren, zumindest für mich. Und wenn ich heute Teenager in Leggings oder Neonfarben sehe, so denke ich mir immer: na ja, ihr habt das auch nicht live miterlebt, da kann man das vielleicht als postmodernen "Chic" tragen, aber eigentlich geht das gar nicht!
So habe ich mir "Take me Home Tonight" auch mit gemischten Gefühlen angeguckt, war aber am Ende ganz beruhigt. Regisseur Michael Dowse gelingt es ganz gut, diese Zeit mit vielen kleinen und genauen Details einzufangen und sie in ihrer Gier und Oberflächlichkeit zu zeigen, ohne die Figuren zu denunzieren. Vielleicht ist ja diese Gier der Reagan-Jahre auch ein Kommentar auf den heutigen globalen Finanzkapitalismus, der ja 2008 zum Kollaps führte. Schließlich gibt Matt ja vor bei Goldmann Sachs zu arbeiten und "Take me Home Tonight" zeigt die meisten Banker als sozial inkompetente Idioten - die Geschichte kommt einen bekannt vor.
Der Film war wohl schon 2008 fertig, kam aber erst dieses Jahr in den USA heraus. Grund dafür waren neben finanziellen Schwierigkeiten auch Probleme mit der Altersfreigabe des Films: ursprünglich sollte eine Freigabe PG13 angestrebt werden, doch Regisseur Dowse wollte auf gewisse Handelsstränge nicht verzichten (Barrys Koksextase z.B.) und so schwebte der Film in einem Zwischenstadium.
Letztendlich ist der Film eine romantische Komödie mit Koks, etwas Sex, mit Schulterpolstern und Musik von Wang Chung und Man without Hats. Er ist formelhaft, aber immerhin dabei so charmant und gut konsumierbar, dass es nie peinlich wird. Eine einzige Nacht wird für einige Beteiligten allesentscheidend sein und ihr Leben umkrempeln - also wirklich nichts Neues.
Aber einen wichtigen Anteil an seiner Unpeinlichkeit haben die Schauspieler und Figuren. Vor allem Dan Fogler als Barry bleibt in Erinnerung, auch die oberschnuckelige Teresa Palmer als Tori ist in jeder Hinsicht sehenswert sowie Topher Grace als Matt. 80er-Ikone Michael Biehn als kompromissloser Vater war auch ein schönes Wiedersehen, nur Anna Faris blieb als Matts Schwester etwas blass, allerdings war ihre Rolle auch etwas zu dünn und hat nicht gerade viel zum Film beigetragen.
Somit ein netter Film vor dem Hintergrund einer modisch und ideologisch fragwürdigen Zeit mit durchaus sympathischen Figuren. Kann man gucken, muss man nicht. Und eins muss man glaubwürdig finden: so schöne Frauen wie Teresa Palmer oder Michelle Trachtenberg (sie spielt ein Gothic-Girl auf Kyles Party) gab's in den 80ern vielleicht in L.A., aber nicht in unserer rheinischen Kleinstadt am Gymnasium. Verdammte 80er!