Review

Kann etwas too much 80s sein?

Ich liebe kein Jahrzehnt so sehr wie die 80er, mein Geburtsjahrzent. Und das sollte fast Grundvoraussetzung sein, um "Take Me Home Tonight" zu mögen (oder gar mehr). Denn dieser lange Zeit unter Verschluss gehaltene, polarisierende Geheimtipp für Liebhaber des buntesten Jahrzehnts aller Zeiten, verlässt sich voll & ganz auf seinen Look & die Nostalgie. Innovativ, gewagt oder überraschend ist hier rein gar nichts & Hardcore-Fans der großen 80er-Partykracher, könnten sogar erzürnt werden, da "Take Me Home Tonight" so viel klaut, kopiert, abpaust & hommagiert (gibt es das Wort?). 

Doch wenn man daran nicht direkt Götterlästerung misst, dann kann man dieses Knallbonbon durchaus mögen. Der Film ist zwar nur halb so cool wie sein Soundtrack, der gespickt mit tollen Songs aus der zweiten Reihe der 80s aufdreht, doch offene & gnädige Fans dieser ganz speziellen Epoche, verlassen den Film sicher nicht schlechter gelaunt als vorher. Um es mal vorsichtig zu sagen. Selbst wenn man auf den titelgebenden Eddie Money-Track fast vergebens wartet & die Geschichte eine Blaupause für Party-auf-der-ein-Looser-endlich-erwachsen-wird-Filme sein könnte. 

Die Darsteller waren damals noch nichtmal zweite Reihe, lesen sich heute aber beeindruckend. Theresa Palmer, Dan Fogler, Anna Farris oder Chris Pratt sind schon eine potente & charmante Mixtur. Nur Topher Grace bleibt dagegen nicht nur blass, sondern als Hauptfigur sogar oft ärgerlich unsympathisch & nichtssagend. Er vermag den Film nicht zu tragen, geschweige denn vorwärts zu bringen. Was wenig daran ändert, dass der Rosa-Brille-Partyfilm Spaß macht. Sicher ist er kein großer Meisterwurf & wäre in den 80ern ähnlich untergegangen wie heutzutage, doch das hat er nicht verdient. Geschweige denn gar nicht releast zu werden, wie es Universal zuerst vor hatte. 

Er passt mit seiner oberflächlichen, künstlichen & sehr kitschigen Over-the-Top-Art zu der Zeit, vor der er sich verbeugt & injiziert in die rosarote 80s-Blase einen Schuss moderner Anarchie ala "Hangover" oder "Superbad". Schlechter Geschmack, der zelebriert wird. Ob man eben diesen hat, wenn man "Take Me Home Tonight" mag? Oder einfach nur ein Faible für das Jahrzehnt von Baywatch & dem Kubrix-Würfel? Das darf jeder für sich entscheiden. 

Fazit: etwas aufgesetzt & gewollt retro, eine Art Best-Of-80s-Flashback, doch Fans des Bubblegum-Jahrzents & von neonfarbenen Partyfilmen riskieren trotzdem mal einen Blick - seichte, knallige & käsige Unterhaltung gibt es mindestens. Wer dem Schulterpolster-Jahrzehnt jedoch nicht gut gesinnt ist, sollte einen riesigen Bogen laufen. Oder wer seine geliebten Klassiker von "Ferris Bueller" bis zum "Breakfast Club" zu sehr umklammert. 

Details
Ähnliche Filme