Salz
auf allen Fenstern
Verehrter Leser,
was sie gerade in ihren Händen halten, ist der Höhepunkt eines Lebenswerks, und sie werden bald meken, wie auch ich, dass es fantastische Kreaturen gibt, die unter uns leben., versteckt mit Hilfe von Mimikry und Magie....
(Arthur Spiderwick)
Fantasy-Abenteuer liegen in den letzten Jahren ja ziemlich im Trend. Den letztendlichen Stein für diese Entwicklung brachte vermutlich der zu Recht ausserordentlich große Erfolg der „Herr der Ringe" - Trilogie ins Rollen. Im Jahr 2004 folgte dann, ein Jahr nach der „Rückkehr des Königs", dem letzten Teil der großartigen Tolkien-Saga die Literaturverfilmung „Lemony Snicket - Rätselhafte Ereignisse", bereits ein Jahr später gefolgt von - wieder basierend auf einer mehrbändigen Romanvorlage des britischen Schriftstellers C. S. Lewis - die „Chroniken von Narnia" (2005). Damit nicht genug, das Jahr 2007 brachte gleich zwei Werke dieses Genres hervor: auf Guillermo del Toros „Pans Labyrinth" folgte zugleich das Gegenstück zu Narnia - der erste Teil von Philip Pulmans Trilogie „His Dark Materials": „Der goldene Kompass". Nun ist es „endlich" wieder soweit. Der Zuschauer begibt sich auf eine virtuelle Reise, um die „Geheimnisse der Spiderwicks" zu entdecken. Nach dem Drehbuch von David Berenbaum, Karey Kirkpatrick und John Sayles konstruierte der US-amerikanische Regiesseur Mark Waters („Freaky Friday", 2003; „Solange du da bist", 2005) nun anhand der Romanvorlage der jungen amerikanischen Schriftstellerin Holly Black „Die Geheimnisse der Spiderwicks".
Bereits der Anfang des Films ist mysteriös und verheißt nichts Gutes. Man befindet sich im Staat New England in den USA. Es ist neblich, tiefdunkle Nacht; ein Wetter, bei dem man freiwillich keine Fuß vor die Tür setzen würde. Untermalt zu einem orchestralen Soundtrack, der irgendwie sehr stark an „Harry Potter" erinnert, sieht man eine, mehrstöckige Villa - Das Spiderwick - Anwesen -, bei der der Zuschauer unmittelbar den Eindruck gewinnt, dass dort vermutlich nicht alles mit rechten Dingen zu gehen wird. Zuerst sieht man, wie jemand verängst ein geheimnisvolles Buch versiegelt - ohne jedoch bereits zu wissen, um wen oder was es sich dabei handelt, oder wo man sich befindet. Diese gespennstische Szenerie wird unterbrochen von einem sich nähernden Van, der vor dem potenziellen Spukschloss anhält. Sofort begeben sich die Insassen des Vans auf Entdeckunstour in diesem abgeschiedenen Gemäuer, welches von nun an das neue Zuhause für die frisch geschiedene Helen Grace, sowie ihre sich im besten Teenager - Alter befindende Tocher Mallory (gemimt von der unbekannten und unerfahrenen irischen Schauspielerin Sarah Bolger) und die jüngeren Zwillingsbrüder Simon und Jared. Einzig allein letzterer, ohnehin schon schon als eher frech und ungezogen bekannt, ist als bockender Trotzkopf von diesem Umzug zuerst gar nicht begeistert - als ob er schon eine gewisse Vorahnung von den kommenden Ereignissen hätte. Helen Grace (überzeugend dargestellt von Mary-Louise Parker: „Grüne Tomaten"; Der Klient"; „Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford") hat das Anwesen von ihrer Großtante Lucinda, der Tochter von Arthur Spiderwick bekommen.
Besonders Jared findet allerlei Gründe (Salz auf allen Fensters des Gebäudes), um möglichst schnell das Haus wieder verlassen zu können. Sowohl Jared als auch Simon, die ihren Vater sehr vermissen, werden gespielt von Freddie Highmore („Charlie und die Schokoladenfabrik", „Ein gutes Jahr"). Es dauert nicht lange bis seltsame Dinge geschehen. So verschwinden plötzlich Gegenstände wie etwa Helens Schlüssel oder Mallorys gewonnen Fechtmedaille. Ein Schuldiger ist in Jared auch bereits gefunden, da er ja ohnehin für derartige Scherze bekannt ist und noch dazu dieses Anwesen schnellstmöglich wieder verlassen möchte. An unerklärliche Phämomen denkt zu diesem Zeitpunkt noch niemand. Doch gleich darauf wird es noch unheimlicher. Einer der Zwillinge vernimmt hinter einer holen Wand unbekannte, Aufzug-ähnliche Geräusche. Als er mit einem Besenstil dreimal an die Stelle in der Wand klopft und bemerkt, dass sich dahinter ein Holraum befindet, wird das Klopfgeräusch auf mysteriöse Weise erwidert. Seine Neugier ist geweckt, deshalb schlägt ein kleines Loch in die Wand - die natürlich auch sofort nachgibt - um zu schauen, was sich Interessantes und Unbekanntes dahinter befindet. Helen passt dies natürlich - verständlicherweise - überhaupt nicht. Wie junge Frauen jedoch oftmals so sind, siegt bei Mallory die Neugier über die Vernunft, als sie mit einem Schlag beinahe die ganze Wand zum Einsturz bringt, um dann verwundert zu entdecken, dass die Geräusche von einem geheimen Speiseaufzug, wie man ihn öfters in gehobenen, mehrstöckigen Restaurants findet, stammt. Zu aller Erstaunen, liegen dort auch zufällig Helens Schlüssel und Mallory´s Medaille am Boden. Mallory (und auch Simon) macht dafür jedoch immer noch Jared dafür verantwortlich, die das mit der Forderung, er solle das Ganze wieder in Ordnung bringen, das Chaos verlassen. Als er schließlich in den Aufzug klettert und mit einem Seilzug nach oben fährt, findet er nicht nur einen mit einem Monogramm versehenen Schlüssel, sondern auch Arthur Spiderwicks Arbeitszimmer. Als er mit dem Schlüssel das Buch, eine Art Lexikon der magischen Welt „Das Handbuch der magischen Geschöpfe" (welches man, wie man nun erfährt, bereits im Vorspann gesehen hat, trotz der Warnung es nicht zu tun) öffnet, nimmt der ohnehin sehr spannende und kurzweilige Film nun, nach etwa 15 Minuten so richtig Fahrt auf, denn dies ruft Mulgarath (sehr gelungen: Nick Nolte als Gandalf-Verschnitt), eine Oger der das Gesicht wechseln kann auf den Plan, da sich - wie Jared noch nich weiß - alle Wesen der Fabelwelt beherrschen lassen.
Nun eröffnet sich für die Kinder eine wunderbare Welt voller Feen, Kobolde, Ogres, Gnome und allerlei sonstiger kunterbunter und faszinierender Fabelwesen, die zum Teil auch aus der Schmiede von den Machern von „Transformers" stammen, den (auch den älteren) Betrachter unmittelbar in ihren Bann ziehen. Man fühlt sich, ob auch des sehr guten Soundtracks unweigerlich an eine wilde Fahrt in einer Geisterbahn erinnert, bei der der Fahrgast, oder in diesem Fall die Kinder, von Mulgarath verfolgt werden, der diese wertvolle und mächtige Buch natürlich besitzen möchte. Es dauert nicht lange, bis er in einem Versuch, das Buch zu erhalten, die Kinder angreift. Als es den Kindern im wahrsten Sinne des Wortes zu heiß, bzw. zu gefährlich wird, versuchen sie, dass Buch zu verbrennen, doch es stellt sich heraus, dass es feuerfest und deshalb unzerstörbar ist. Die Kinder lernen von den wunderbarsten Wesen, dass fantastische Kreaturen in der Regel unsichtbar sind (wie damals schon der gute alte Pumuckl), aber auch nach eigenem Willen auch sichtbar werden können. Die Kinder lernen ebenfalls, dass man mit den alltäglichsten Dingen (z.B.Tomatensoße, was zu einer herrlich amüsanten Soßenschlacht führt) auch die furchtbarsten Kreaturen in den Griff bekommen kann. Dies hilft ihnen in allerlei missligen Lebenslagen, wie etwa einer Gefangeschaft. So erleben die Kinder ein waghalsiges Abenteuer nach dem anderen, und das Ende bringt (ohne hier zu viel zu verraten) auch noch so manche Überraschung mit sich.
FAZIT:
Zugegeben, auch wenn das Zielpublikum der Story von „Die Geheimnisse der Spiderwicks" eher einfach gestrickt ist und deshalb vor allem auch Kinder und Jugendliche daran ihre helle Freude haben dürfen, so ist der Film keineswegs nur als ein Kinder- oder Jugendfilm zu betrachten. Der Film ist äußerst kurzweilig und spannend. Sowohl die schauspielerische Leistung, aber auch die computeranimierten Fabelwesen sind sehr ansprechend, originell und authentisch konstruiert. Zuweilen sind die Kampfszenen wirklich - für einen als familentauglich ausgelegten Fantasyfilm - eher als brutal, aber durchaus mitreißend zu betrachen, was wiederum auch Menschen, die von einem Fantasyfilm mehr erwarten, als knuddelige Feen und Gnome, sondern auch knallharte Action, gefallen. Sicherlich, die Story funktioniert nach altbewährtem Rezept, ist aber in Kombination mit dem absolut stimmigen, einfühlsamen und mitreißendem Soundtrack, der die Story trägt und ihr Authentizität verleiht und der durchweg gelungenen schauspielerischen Leistung aller Protagonisten und besonders den großartigen special Effects, dennoch für das breite Publikum interessant, originell und spannend umgesetzt. Man darf gespannt sein, welchen vorhandenen Fantasyroman man als nächstes in einer fulminanten Filmversion betrachten darf.
(8,5/10 Punkten)