Eine Literaturvorlage zu verfilmen, die sich über fünf Bände erstreckt, bedarf schon besonderen Mutes, wenn man den kompletten Inhalt auf rund 95 Minuten komprimiert.
Infolgedessen wirkt das Fantasy-Abenteuer für (nicht ganz junge) Kinder auch reichlich gestrafft und rastlos, manchmal gar völlig außer Atem.
Dennoch erfährt man mit Auflösung der Spiderwick Geheimnisse keine Novität, - man hat das Gefühl, von „Reise ins Labyrinth“, Harry Potter und Narnia alles schon einmal gesehen zu haben.
Die reichlich dünne Story gibt leider nicht viel mehr her, als den schematisch bekannten Ablauf: Getrennt lebende Mutter zieht mit ihren drei Kindern in ein altes Landhaus, wo die Aufzeichnungen eines Vorfahren gefunden werden. Hierdurch wird das Tor zum Reich der Fabelwesen geöffnet, in dem es nicht nur wohlwollende Kreaturen gibt. Also müssen die Kinder sich und die wertvollen Schriften vor der bösen Macht schützen.
Was hier rein visuell ins Rollen gebracht wird, ist hingegen beachtlich und entschädigt für so manch inhaltliche Schwäche.
Da fegen kampfbereite Kobolde wie eine Mixtur aus Critters und Breitmaulfrosch durchs Grün und belagern das Haus, ein völlig impulsiver Wichtelmann ist nur mit Honig zu beschwichtigen, während sich Elfen und Sylphen wunderbar als Blumen tarnen und grazil wie hauchzart durch die Lüfte gleiten. Ein besonderes Augenmerk liegt schließlich auf dem Helfer der Helden, Hogsqueal, einer Art Troll mit Schweinerüssel, der sich mit Vorliebe Vögel zum geräuschvollen Verzehr greift und, auf der Gegenseite, der gefürchtete Ogre, der mit dem liebenswerten „Shrek“ rein gar nichts gemein hat und für wenige Szenen von Nick Nolte verkörpert wird.
Die Fabelwesen wurden ohne Zweifel toll gestaltet und hervorragend in die Reallandschaften integriert.
Nur fehlen dem Ganzen leider, neben brauchbaren Botschaften und pädagogisch wertvollen Zutaten, wirklich liebenswerte Figuren, die ihren Charme spielen lassen.
Die Zwillinge Jared und Simon (sehr glaubhaft verkörpert von Freddie Highmore) stellen lediglich Schablonen heldenhaften Handelns dar, während sich ihre Schwester einzig durchs Fechten auszeichnet und Mom völlig außen vor ist, - die meckert eh nur und glaubt erst an die Fabelwesen, als diese das Haus belagern.
Selbst die alte Tante, die viel über die Welt der Fabelwesen weiß, wirkt eher wie eine nette Omi die Kaffe und Kuchen auftischt, als eine schrullige Alte, die sie mit rund 80 Jahren Fabelwesen Umgang eigentlich darstellen sollte.
Da wirken die Wesen aus dem Fantasiereich wesentlich farbenfroher und nicht so unterentwickelt wie die Hauptcharaktere.
Die arge Straffung der recht umfangreichen Originalvorlage macht sich außerhalb der Actionszenen also recht stark bemerkbar. Man erfährt weder so recht, wie Vorfahr Arthur eigentlich auf den Trip gekommen ist, dem Phänomen sein Leben zu widmen, noch, wie es um den Lebensraum der Kreaturen bestellt ist, die offenbar irgendwie in der Nähe des Hauses im Wald leben.
Dadurch entstehen nicht selten dramaturgische Schwachstellen, denn anders als in der Harry Potter-Reihe erhält der Bösewicht recht früh eine Gestalt, anstatt erst einmal ein Geheimnis um diesen zu spinnen.
Auch der finale Fight wird relativ unspektakulär beendet, obgleich im Zuge dessen schon ganz gut die Bude kracht.
Doch im Gesamtbild wirkt vieles, trotz enorm hohem Unterhaltungswert reichlich unausgegoren.
So bleiben zwischen Flug auf Riesenvogel durch Eisgletscherspalten und Rückzug im Bannkreis des Hauses zwar eine Menge Trubel und gelungene Schauwerte die schlicht unterhalten, doch das Besondere, die Magie, die aus dieser Fabelwelt eigentlich zum Betrachter transportiert werden sollte, bleibt leider ziemlich auf der Strecke.
6,5 von 10