"Warnung! Denen die dies Buch zu lesen wagen, geht es bald schon an den Kragen. Wirfst du nur einen Blick hinein, können die Folgen tödlich sein."
Im Gegensatz zu buchbasierten Fantasy-Verfilmungen wie Narnia, Herr der Ringe oder Eragon spielen die Spiderwick Chronicles in unserer Welt und nicht einer fiktiven. Dass es dabei weniger episch vorgeht ist zu erwarten.
Die Familie Grace zieht nach Scheidung der Eltern in das abgelegene Anwesen ihrer Vorfahren, den Spiderwicks. Ganz besonders Jared (in einer Doppelrolle Freddie Highmore) leidet darunter, der neben seinem Zwillingsbruder Simon und deren Schwester Mallory (Sarah Bolger) häufig als Außenseiter da steht. Jared fallen merkwürdige Geräusche im Haus auf denen er nachgeht und in einem versteckten Raum auf ein Buch seines Großonkels Arthur Spiderwick stößt. Die obere Warnung ignorierend öffnet er dieses Buch, in welchem die Geheimnisse einer Welt und deren fantastische Geschöpfe beschrieben wird, die genau vor der Haustüre lauern. Durch das öffnen des Buches werden diese auf die Familie Grace aufmerksam. Und der Formwandler Mulgarath setzt nun alles daran dieses Buch an sich zu reißen um damit die Welt unterwerfen zu können.
Nickelodeon versucht sich im Gegensatz zu früheren Werken an einem erwachseneren Umfeld bleibt seiner kindlisch, kitschigen Aufmachung aber (leider) treu. Das Gemisch aus Fantasymärchen und Kinderfilm bietet jede Menge kitschig designte Figuren aus dem Computer, verhält sich für einen Kinderfilm ungewöhnlich düster und ernsthaft und weist gegen Ende kindgerecht (und überzogen) auf die Wichtigkeit des Zusammenhaltes in der Familie hin.
Trotz des fantastischen Hintergrundes bleibt "Die Geheimnisse der Spiderwicks" in der ersten Hälfte bodenständig und plausibel. Die Funktionen einer magischen Barriere, verzauberten Artefakten und unsichtbaren Kreaturen werden detailliert und verständlich erklärt und sind ausgesprochen logisch.
Das Zusammenspiel der größtenteils blassen oder vernachlässigten Charaktere und CGI-Kreaturen funktioniert recht gut. Viel Wert auf Figurenaufbau wird aber nicht gelegt. Stattdessen wird recht straff die Geschichte um die Situation der Charaktere erzählt ohne viel Platz für überaschende Elemente zu lassen.
In der zweiten Hälfte zieht das Tempo an, es wird turbulenter und actionreicher, leider auf Kosten der vorher so feinfühlig aufgebauten Logik.
Für einen Film mit vermeintlich niedriger Zuschauerzahl sind die Effekte und Fabelwesen recht detailliert ausgefallen und entschädigt für die inhaltlichen Lücken der Handlung.
Schauspielerisch fällt nur Freddie Highmore in seiner Doppelrolle der beiden Brüder aus dem Rahmen. 2005 durfte dieser bereits als Charlie Bucket neben Jonny Depp in "Charlie und die Schokoladenfabrik" stehen, was ihm sicher einiges an Ansehen zugesichert hat. Nick Nolte verleiht dem Formwandler Mulgarath seine Stimme. Abgesehen von Sarah Bolger kommen die restlichen Schauspieler viel zu kurz um in Erinnerung zu bleiben und sind bestenfalls zweckmäßig.
Ausgesprochen spannend und unterhaltsam präsentiert sich "Die Geheimnisse der Spiderwicks" und bietet eine nette, abgespeckte Alternative zu den "Harry Potter" Filmen, kann diesen aber nicht annähernd das Wasser reichen. Dazu fehlen einfach die sympathischen Charaktere und eine spektakulärere Aufmachung. Für zwischendurch recht kurzweilig.
6 / 10