In der Rubrik bester Psychothriller-Billig-Klon für Teenager-Semester schneidet „The Glass House“ bestimmt prima ab und wer dann noch ein paar Bücher gelesen hat, findet vielleicht in der Literatur des 19.Jahrhunderts ein paar klassische Vorbilder.
Muß also gut sein, wenn man derart hübsch gestylte und vorhersagbare Dramen vorgesetzt bekommt – oder eben auch gar nicht sättigend.
Die Story ist inzwischen praktisch billige TV-Ware: Eltern sterben bei Autounfall (na, wenn der mal echt war) und kommen zu Freunden der Familie in Pflege, die sich bemüht rührend um die Kinder kümmern.
Die beiden ziehen also in das vollverglaste Haus der Freunde und jetzt kann man mit Metaphern um sich schmeißen, denn hier haben alle so langsam den Durchblick, wie die Story für den Zuschaue durchsichtig ist. Natürlich geht es da noch um jede Menge Kohle, die der Stiefpapi braucht; dann macht er sich scheinbar an die Tochter ran und am Ende kochen die Emotionen ganz dolle hoch...
Ein Schlachtfest der Vorhersehbarkeit: zunächst wartet man ungeduldig im Drama auf die Schatten am Horizont und als sie dann endlich aufziehen, gibt’s die üblichen Winkelzüge. Der kleine Bruder läßt sich kaufen, der großen Schwester glaubt keiner, der Vermögensverwalter erscheint zwielichtig und der letzte Verwandte ist natürlich nicht erreichbar.
Und dann, surprise, torpediert sich der Film selbst: denn Stiefpapi steckt knöcheltief in Geldschwierigkeiten und wird so hibbelig, daß die glückliche Rettung nur noch Formsache ist, weil Stiefmami nämlich in Gewissensnöten zu tief ins Drogenbecherchen greift. Na, wie praktisch.
In den letzten 15 Minuten macht der Film dann noch mal richtig auf, mit durchgeschnittenen Bremsleitungen, reichlich Unfällen und geldgeilen Brutalinskis, die alle noch dran glauben müssen, aber trotzdem kann man über dieses unfertige Etwas nur müde grinsen.
Das ist Kolportagekitsch für die Buffy-Generation, hübsch aufgerüscht und erfreulich kurz (keine 80 Minuten), aber arm an Substanz und Wahrscheinlichkeiten. Diane Lane wird dabei prima verschenkt, während Stellan Skarsgard (der kann gar nicht schlecht spielen) nach ruhigem Beginn dermaßen vom Leder zieht, daß er drei Anläufe braucht, bis er den Löffel endlich abgibt.
Wieder so ein Film, den man sich vor dem Discogang einpfeifen kann, weil man nicht ständig hingucken muß, um den Faden zu behalten. (4/10)