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"to belt" = zusammenhalten

Das gilt es für Sewell und Gerry. Sie haben es nicht gerade leicht, leben in einem englischen Armenviertel und sind absolut verrückte Fans von Newcastle United. Gerrys Mutter ist krank, sein Vater ein saufender Schläger. Sewell hat gar keine Eltern. Zumindest tauchen sie während des Films nicht auf und treiben sich irgendwo rum. Er lebt bei seinem Opa, über dessen Kochkünste lieber ein Mantel des Schweigens gehüllt werden sollten. Doch Gerry und Sewell lassen sich von Nichts von all dem unterkriegen und haben einen großen Traum. Ein Spiel im St. James Park, in dem die "Magpies", wie die Spieler von Newcastle United genannt werden, beheimatet sind.

Was sie auf dem Weg dorthin erleben und durchmachen, ist schlichtweg unglaublich unterhaltsam. Nicht nur für Fußball-Fans geeignet, auch Leute, die auf sympathisches Gefühlskino stehen, sollten unbedingt einen Blick riskieren. Es ist auch mehr als nur ein Film über den Fußball. Es ist ein Film über das Problem der stellenweisen doch recht großen Armut in England, über Freundschaft und vor allem über ein gemeinsames Zusammenhalten in schwierigsten Zeiten.

500 Pfunden wollen die Beiden zusammenkriegen, um endlich mal ein Spiel ihrer Helden im St. James Park zu bewundern. Also machen sie einen Pakt. Sie hören auf zu saufen und zum Drogen nehmen und sparen dafür jeden Pence, den sie einnehmen, für eben jene Karten. Um dieses Ziel zu realisieren, ist ihnen jedes Mittel recht. Es ist ihnen auch egal, ob sie nun das Gesetz brechen oder nicht. Hauptsache ein Spiel im Stadion. Sogar in die Schule geht Gerry dann, weil ihm eine Freundin der Familie 2 Karten für ein Fußballspiel verspricht, wenn er wieder in die Schule geht.

"Purely Belter" zeigt anhand eines unterhaltsamen und sympathischen Themas auf ebenso sympathische Art und Weise ein umso ernsteres Problem: die Armut und die damit verbundenen Folgen. Die Mutter Gerrys ist krank und kann sich keinen Arzt leisten. Der Vater hat sich abgesetzt und säuft, er macht sich sogar über das Hab und Gut seines Sohnes her. Und beiden Elternteile kümmern sich einen Dreck um die Zukunft ihres Sohnes. Sie wissen von seiner ständigen Abstinenz in der Schule, dagegen unternommen wird allerdings nicht. Auch Gerrys Schwester verfällt den Drogen. Auch Themen wie eine sehr frühe Schwangerschaft inklusive Abtreibung wird angeschnitten.

Also wirklich mehr als ein Film über den Fußball. Ein Film, der aufmuntert, Mut macht und noch dazu sehr unterhält und begeistert. Die schauspielerischen Leistungen sind hervorzuheben, die beiden Protagonisten spielen für ihr Alter wirklich hervorragend, mit einer Mimik und Gestik, die sich auf jeden Fall sehen lassen kann.

Doch der Film will eigentlich mehr Komödie als Drama sein. Das gelingt ihm auch. Nicht nur einmal musste ich wirklich lachen. Der Humor, natürlich wie von Briten gewohnt typisch schwarz, kommt alles andere als zu kurz und es gibt echt ein paar sehr lustige Szenen. Die Dialoge von Sewell und Gerry sind wirklich einzigartig und zaubern einem oft ein Schmunzeln ins Gesicht. Und die Passage des Films, in der dann Alan Shearer zu sehen ist, bleibt unerreicht. So was hat man bisher in noch keinem Fußballfilm gesehen. Aber ich möchte nicht zu viel verraten.

"Purely Belter" ist ein Film übers Erwachsenwerden, über Freundschaft und über ein Zusammenhalten in guten wie in schlechten Zeiten. Anhand von Gerry und Sewell wird gezeigt, dass es immer weiter geht und es dann doch oft besser ausgeht als zunächst vermutet. Klar ist dies nur ein Film, doch wie jedes Medium soll es eben als Symbol dienen. Was ihm sehr gut gelingt.

Mit "Fever Pitch" definitiv der beste Film, der das Thema Fußball behandelt. Aber im Gegensatz zu den anderen Werken des Genres ist "Purely Belter" überraschend anspruchsvoll und mit ernstem Hintergrund. Doch die Dramatik wird nicht übertrieben, sondern ist genau richtig dosiert. Somit entstand ein Film für jedermann, mit vielen lustigen, aber auch nachdenklichen und traurigen Momenten. Und das macht große Filme eben aus.

8,5/10 Punkte

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