Rollen wir einmal das Feld von hinten auf, denn das Ende dieser Stephen King-Verfilmung, welches sich deutlich von dem seiner Kurzgeschichte unterscheidet, lässt viele Kritiker aufgrund seiner überraschend verstörenden Wirkung jubeln.
Mich nicht, - ich halte es für emotional unglaubwürdig oder einfach nur unzulänglich in Szene gesetzt. Etwas, das Frank Darabont mit seinen bisherigen King-Adaptionen „Die Verurteilten“ und „The Green Mile“ weitaus besser gelang: Facettenreiche Charaktere, die eine Bindung zum Betrachter aufbauen und nachvollziehbar handeln. Das vermisse ich hier zuweilen.
Aber es ist auch sein erster Streifen, der sich vordergründig mit Horrorelementen beschäftigt und nebenher versucht, innerhalb eines Psycho-Dramas eine Endzeitstimmung aufzubauen.
Und zugegeben, phasenweise fällt das schon recht fesselnd aus, wie sich die Bewohner einer Vorstadt in Maine im Supermarkt vor der geheimnisvollen Nebelbank verschanzen.
Mit dem Einsatz von Tentakeln, mottenähnlichen Insekten, an Pterodaktylus erinnernden Flugsauriern, Riesenspinnen und einem Skorpion gleichenden Vieh geht sogar ab und an die Post ab, was man von den in einer klaustrophobischen Situation befindlichen Protagonisten weniger behaupten kann.
Denn da spalten sich die einstigen Einkäufer im Verlauf in zwei Lager: Die rational agierende Minderheit um Hauptfigur David (Thomas Jane) und die labilen Seelchen, die ihre Aufmerksamkeit der religiösen Fanatikerin Carmody (Marcia Gay Harden) schenken und am Ende gegeneinander arbeiten, auch mit körperlicher Gewalt.
Beide Gruppen interpretieren das Erscheinen des Nebels entsprechend unterschiedlich: Ist es der Zorn Gottes, der auf die Menschheit nieder regnet oder ist ein militärisches Experiment völlig außer Kontrolle geraten? Eine eindeutige Zuweisung wird lange Zeit nicht getroffen, was dem Spannungsaufbau durchaus zugute kommt.
Ohnehin bietet die anfängliche Ungewissheit, die den undurchlässigen Nebel ausmacht, die stärksten Szenen. Wie die Sirene losheult und ein Blutender in den Supermarkt gestürmt kommt, mit den vagen Andeutungen, etwas Gefährliches sei in dem Nebel, wie etwas am Fenster klappert, als David den Lagerraum des Supermarktes betritt, - oft ist es wirkungsvoller, ein Mysterium etwas länger im Unklaren zu lassen, denn spätestens mit den Riesenspinnen, die überaus ätzende Säure versprühen, flacht die bedrohliche Wirkung, trotz ordentlicher CGI und brauchbarem Tempo merklich ab.
Während dem Betrachter keine Bestandsaufnahme außerhalb des Supermarktes gegönnt wird, konzentriert sich alles auf die Figuren, die mit dem Verbarrikadieren der Schaufenster und dem Abwehren von Riesenmotten beschäftigt sind und dabei nicht immer nachvollziehbar zu Werke gehen. Am auffälligsten ist hierbei jedoch, dass der ständig predigenden Fanatikerin nicht vorzeitig der Mund gestopft wird, zumal sie zu Beginn nur als Verrückte mit leichtem Knacks abgetan wird, später aber ausladende Faseleien toleriert werden, obwohl sich unter den Anwesenden vor Angst erstarrte Kinder befinden. Nein, sie scharrt sogar einen „Halleluja“ – rufenden William Sadler um sich.
Ob eine derartige Gruppendynamik im Zuge einer solch extremen Situation möglich ist, wage ich arg zu bezweifeln.
Glücklicherweise bieten sich dem Betrachter ausgleichend noch ein paar sympathische Neben-Helden, wie der leicht korpulente Angestellte mit Brille, der sich in prekären Momenten ein Herz fasst oder die Lehrerin im Rentenalter, die mit zwei, drei flotten Sprüchen punktet. Thomas Jane kann der Hauptfigur indes nur ansatzweise Charaktertiefe verleihen, - als Vater verantwortungsvoll, als Held obligatorisch handelnd, als Mensch ein wenig undurchsichtig und distanziert.
Und so verlässt man das Nebelgebiet mit den leicht unpassend wirkenden Klängen von „Dead can Dance“, erinnert sich noch an die Ignoranten, die, an einer Wäscheleine befestigt, den Supermarkt verlassen wollen, an einen Dunkelhäutigen, dem der Brustkorb aufplatzt, woraufhin Käfer umherlaufen und eventuell noch an den umgestürzten Baum, der von Davids Großvater gepflanzt wurde.
Und der Ausgang? – Nun ja, Kings Originalvorlage gefällt mir da, wie so oft, um Einiges besser, doch im Gesamtbild ist die Enttäuschung über einige negative Aspekte des Streifens zu verschmerzen, denn trotz rund zwei Stunden Laufzeit ist eine gewisse…bindende…Atmosphäre nicht von der Hand zu weisen.
6,5 von 10