Review

Stephen Kings Novelle "Der Nebel" gehörte seinerzeit zu meinen absoluten Lieblingen. Auch wenn ich Stephen King später eher langweilig fand, einige seiner Geschichten bleiben einfach lange in Erinnerung. Dass nun ausgerechnet diese hierzulande eher unbekannte Geschichte verfilmt wurde, freute mich umso mehr.

Zur Story:
David Drayton (Thomas Jane) lebt mit seinem kleinen Sohn und seiner Frau in einem Haus an einem idyllischen See. Eines nachts bricht ein Unwetter herein, das so heftig ist, dass viele Bäume wie Streichhölzer umknicken und einen nicht unbeträchtlichen Flurschaden an Haus und Hof hinterlassen. Am nächsten Morgen verabschiedet sich David von seiner Frau und fährt mit seinem Sohn in die Stadt, um im hiesigen Supermarkt einige Vorräte zu besorgen, während sich über den See langsam eine undurchdringliche und geheimnisvolle Nebelbank zu schieben beginnt.

Im Supermarkt angekommen verdichtet sich der Nebel plötzlich, und Beobachtungen der draußen langsam im Nebel verschwindenden Passanten lassen vermuten, dass es mit diesem Nebel etwas Unheimliches auf sich hat. Es sind gedämpfte Schreie zu hören, und ein blutüberstömter Mann taumelt in den Laden und stammelt etwas von Ungeheuern im Nebel. Auch wenn niemand seine Äußerungen ernst zu nehmen scheint, traut sich dennoch keiner der Anwesenden vor die Tür. Eine klaustrophobische Spannung beginnt sich im Innern des Supermarktes auszubreiten, der sich niemand zu entziehen vermag.

Meinung:
Die Romanvorlage wurde in der Verfilmung ziemlich werkgetreu umgesetzt. Das Buch bezieht seine Spannung überwiegend aus der psychologischen Komponente der miteinander im Supermarkt eingesperrten Akteure, aus der bangen Frage, was sich im Nebel befindet sowie den Spekulationen um dessen Herkunft. Der Film geht hier an einigen Stellen etwas deutlicher zur Sache, wohl auch aufgrund der mittlerweile entwickelten Sehgewohnheiten. Ich wage zu bezweifeln, dass etwa Hitchcocks Die Vögel auch heute noch so ein Meilenstein wäre, würde er jetzt erst veröffentlicht werden.
So findet sich im Buch und im Film gleichermaßen die Szene, in der einige mutige Leute den Supermarkt verlassen, sich aber sicherheitshalber ein Seil um die Hüfte binden, damit die Zurückbleibenden nachvollziehenden können, dass der Trupp unbeschadet den Parkplatz vor dem Supermarkt überquert hat. Im der Buchvorlage erschlafft das eben noch gespannte Seil plötzlich, und die Hinterbliebenen ziehen nach einer Weile lediglich sein ausgefranstes und blutdurchtränktes Ende zurück. Im Film darf es dann schon mal gleich der abgerissene Unterkörper des Seilträgers sein.
Auch die Szene mit den Spinnen in der Apotheke neben dem Supermarkt war mir neu, jedoch ist der Genuss der Originalgeschichte in meinem Fall auch schon etliche Jahre her, so dass ich hierbei nicht wirklich zu sagen vermag, ob diese Szene Dichtung oder doch aus der Vorlage übernommen ist. Neu dürfte auf jeden Fall die "Alien-Szene" hieraus sein.

Der Film krankt vor allem an einer ganz anderen Stelle: Kings Romane leben zumeist von der psychologischen Komponente. Man denke hier nur an gelungene filmische Umsetzungen wie beispielsweise Shining oder Der Sturm des Jahrhunderts. Auch hier geht es um eingeschlossene Personen und ihren Umgang mit der Situation. In diesen beiden Beispielen wurde jedoch weit mehr auf die Charaktergestaltung geachtet als in Der Nebel. So agieren die Schauspieler in Der Nebel eher stereotyp und hölzern, so dass keine echte klaustrophobische Spannung aufzukommen vermag.
Kleinere Abweichungen von der ursprünglichen Story erscheinen eher überflüssig und inkonsequent, so etwa die Szene einer kurzen Liebesromanze.

Der letzte große Patzer steht uns leider am Schluss bevor: King lässt hier die Hauptprotagonisten aus dem Supermarkt entkommen und verzweifelt in einem Geländewagen durch den undurchdringlichen Nebel in eine ungewisse Zukunft fahren. Monstrositäten im Nebel erscheinen nur schemenhaft, so dass dem Leser mehr als genug Raum für eigene Spekulationen geboten wird. Zu meinem Leidwesen endete die Geschichte genau an dieser Stelle, wo es für eine filmische Umsetzung gegebenenfalls mehr als genug Stoff für eine gelungene Fortführung der Story gegeben hätte. Doch spinnt der Film die Geschichte leider auch nicht weiter, statt dessen versucht er auf das ursprüngliche Ende noch einen drauf zu setzen. Die Idee ist eigentlich gut und in ihrer Bitterkeit wirklich noch nicht dagewesen, jedoch macht der Film dann plötzlich alles auf erbärmlichste Art und Weise zunichte. Das Handeln der Akteure wird ad absurdum geführt, und der Zuschauer mit dem Holzhammer vor den Kopf geschlagen, indem er sich fragen muss "Warum haben wir von alledem die ganze Zeit nichts gewusst oder mitbekommen?"

Rückwirkend passt das Ende leider kein bisschen zum bisher Erlebten und schiebt eine ambitionierte aber dennoch nur mittelmäßige Verfilmung in die Schade-drum-Ecke.

Schade drum...


Nachtrag:
Mittlerweile habe ich die "Director's Choice"-Version des Films gesehen. Ich kann leider nicht en Detail sagen, was hier genau anders ist (außer dass diese Filmversion komplett in Schwarz/Weiß gehalten ist), aber irgendwie wirkte die Geschichte nun auf mich beinahe völlig anders. Wenn es nicht so viel Mühe machen würde, würde ich die beiden Versionen ja direkt einmal Schnitt für Schnitt miteinander vergleichen wollen.

Jedenfalls wirken viele der vorher von mir geäußerten Kritikpunkte hier gänzlich anders auf mich. Diese Filmversion passt zu der mir bekannten Buchvorlage wesentlich besser und scheint auch (warum und wie auch immer) die Schwerpunkte wesentlich besser zu setzen. Selbst das von mir so kritisierte Ende erscheint mir in der Director's Choice-Version wenn auch nicht grundlegend anders, so doch deutlich verträglicher.

Mein Tipp: Wenn, dann auf jeden Fall die Director's Choice-Edition ansehen. Rein subjektiv hatte ich beinahe den Eindruck, einen gänzlich anderen Film zu sehen.

Neue Wertung: 7/10

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