Nach der Verfilmung zweier eher untypischer Geschichten von Auflagen-König Stephen King liefert Frank Darabont nun einen waschechten Horrorfilm ab, der trotz seinem phantastischen Thema viel Spielraum für Charakterarbeit und darstellergetriebenes Drama lässt - kurzum eine perfekte Mischung für zwei gute Gruselstunden!
Nach einem Sturm, welcher an der Küste von Maine beträchtliche Schäden angerichtet und einen kleinen Ort kommunikativ von der Aussenwelt abgeschnitten hat, finden sich die diversen Einwohner im "Food Market" ein, um ein paar Hamsterkäufe zu tätigen.
Unter ihnen ist auch der Maler David mit seinem kleinen Sohn.
Bald zieht jedoch ein dichter Nebel auf in dem irgendetwas auf die nun eingeschlossenen Menschen lauert.
Unheimliche Geräusche und eine erste Konfrontation im Lager des Supermarktes lässt schließlich nur einen Schluss zu: Das Verlassen des schützenden Gebäudes endet tödlich!
Angst und Hilflosigkeit macht sich breit und es bilden sich Gruppen heraus, die sich jeweils um Einzelpersonen scharen, welche unterschiedlicher nicht sein könnten.
Aus allen hervor sticht die unberechenbare fanatische Christin Mrs Carmody, die das Ende der Welt predigt und mit ihren verführerischen Worten und Bibelzitaten immer mehr Anhänger in ihrer Verzweiflung um sich sammelt.
Schließlich muss eine Entscheidung fallen, denn sowohl ausserhalb als auch innerhalb des Ladens beginnt die Situation immer gefährlicher zu werden...
Aus den internen Spannungen der eingeschlossenen Menschen zieht Autor und Regisseur Frank Darabont zunächst seine alleinigen Konfliktsituationen. Erst als man zum ersten Mal konkret der Bedrohung von aussen ansichtig wird, wird klar, dass es von nun an nicht mehr nur zwischenmenschlich gefährlicher wird.
Dabei bleiben die Mitglieder der Gruppe ziemlich realistisch und nachvollziehbar, von William Sadlers Figur einmal abgesehen, der mir im Laufe des Films einfach zu sehr in Klischeeverhalten abdriftete.
Vor allem Marcia Gay Harden als Mrs Carmody baut ihre Figur langsam und stetig zu einer beinahe ebenso grossen Bedrohung aus wie es der Nebel ist. Zwietracht säend, teilweise nervtötend aber auch extrem ängstlich bleibt ihre Darstellung innerhalb der realistischen Grenzen des religiösen Fanatismus, welche Piper Laurie als Mutter der armen Carrie White in "Carrie" ab und an übertrat.
Man leidet mit den Kleinstädtern, kann ihre Ängste vor der Ungewissheit nachvollziehen und fühlt als Zuschauer die ständige Bedrohung mit. Ein guter Schachzug ist, dass die meisten der im Nebel verborgenen Gefahren nur als Schemen erkennbar bleiben, so dass der interne Konflikt der Menschen untereinander im Hauptfokus bleibt.
Darabont gelingt das Kunststück, mit gezielten und wirklich unruhig machenden Schocks hundertfach gesehene Situationen aus anderen Horrorfilmen trotzdem noch wirken zu lassen und obwohl man sich auch eklige Szenen nicht verkniffen hat, den "Nebel" nie zu einem belanglosen Gruselfilmchen a la "Tommyknockers" zu machen.
Hier bleibt das Geschehen zwar vorhersehbar aber dennoch beunruhigend intensiv.
Wie bereits bei "Die Verurteilten" und "The Green Mile" schafft es die Inszenierung hervorragend, die Schauspieler zu führen und effektiv einzusetzen und ein paar aus anderen Stephen-King-Verfilmungen bekannte Gesichter wie Thomas Jane und Frances Sternhagen werden zu den Sympathieträgern auserkoren.
Sowohl CGI-Effekte als auch die allgemeine Optik lassen zwar stellenweise einen TV-Film vermuten aber in meinen Augen haben wir es hier mit einer seit einiger Zeit einmal wieder sehr gelungenen Adaption eines King'schen Stoffes zu tun, , die konsequent Spannung aufbaut und hält und ein wirklich intensives Filmerlebnis bietet.
Interessant auf jeden Fall die Methode, im Abspann keine Musik mehr einzusetzen sondern den vom wirklich krassen Ende, welches noch nachhaltig in den Gedanken wühlt, sitzengelassenen Zuschauer nur mit Geräuschen zu konfrontieren.
An dieser Stelle sind alle Nachteile, welche einem in den vorherigen 121 Minuten aufgefallen sein mögen, vergeben und vergessen, denn die letzten 15 Minuten gehören für mich zum besten, was Frank Darabont je geschaffen hat!
Fazit: Frank Darabont enttäuscht bei seiner dritten Adaption einer Stephen King-Geschichte keinesfalls, hält sich eng an die Vorlage und liefert zwar keine konkrete aber dennoch sehr befriedigende Erklärung der Ereignisse in einer spannenden Inszenierung, welche durchweg ihr hohes Niveau halten kann und durch sypmathische Darsteller für ein unvergessliches Horror-Drama sorgt!!! Ein toller Start ins Kinojahr 2008!!!