Review

Eins der schlechtesten Scripts aller Zeiten!

Von der positiven Seite her gesehen: „NEBEL“ besitzt viele Qualitäten:
1.) Guter Titel! Sein Originaltitel lautet „MIST“ und eignet sich großartig, um ab sofort in einem deutschsprachigen Verriß benutzt zu werden.
2.) Spaßfaktor! MIST ist unterhaltsam! Und komisch!! (Jedoch unfreiwillig.)
3.) Man liebt es, die Bösen im MIST zu hassen! Die Bösen sind: der militärisch-industrielle Komplex und religiöse Fundamentalisten (diese arbeiten schließlich auch in der Welt jenseits der Kinoleinwände an der Zerstörung menschlichen Lebens - auf Grund selbst erfundener Glaubensregeln) (dagegen sind die auftretenden Monster nichts Böses, sondern verwirrt zappelnde, unterernährte Tiere, bestenfalls mit der Intelligenz von Insekten - die sie ja auch sind.)
4.) Man liebt es, die Guten im MIST zu hassen! Nervtötende Schmierenschauspieler, die ihre Glaubwürdigkeit an den Haaren herbeigezogener Regieeinfälle opfern mussten.
5.) Gegenwartsbezug! Das Geschehen im Supermarkt ist offensichtlich ein Abbild der USA nach dem 11.9.: der erwähnte militärisch-industrielle Komplex brockt einer Gruppe Verlierer eine Katastrophe ein; die Gruppe der Loser hält sich für den Nabel der Welt und verschanzt sich hinter unzulänglichen Sicherheitsmaßnahmen in einem Schlaraffenland knallbunter Konsumgüter (Motto: „Wir retten uns durch entschiedenen Konsum“); die Gruppe wirft ihre Vernunft über Bord und folgt einer durchgeknallten, religiös motivierten Führerfigur, die nie ihr Lügenmaul halten kann; die Führerfigur beeilt sich, die wenigen Menschen mit klarem Kopf als Mittäter hinzurichten; die Gruppe sieht ihrem baldigen Ende entgegen.
6 .) Ende gut, alles gut! Das Ende schenkt es dem einfältigen Helden so richtig ein. Und da man ihn nicht mag, freut man sich. (Auch, weil das Gewinsel endlich vorbei ist.)

Ich hätte daran aber mehr Spaß gehabt, wenn ich die ganze Zeit laut hätte lachen und reden können. Aber im Kino wagte ich das vor lauter guter Erziehung nicht.

Und leider konnte man all das nicht so richtig genießen, weil MIST so ein Mist war!
Man freut sich, wenn die Leute, Frau und Kind sterben. Wenn das kein schlechter Film ist!

Was war denn nun so zum Schreien schlecht?

1.) Die Dialoge! Extrem dumm! Ed Wood Jr. scheint auferstanden zu sein, auch ist MIST genau sein Genre. Schockierend nur, daß so schlechte Dialoge in einem Film auftauchen dürfen, der sicher mehr als Woods ganzes Werk gekostet haben dürfte. (Und es wäre noch Geld geblieben, um ihm den frühen Tod in Armut zu ersparen.)
2.) Die Schauspieler! Ich sage nur: „Frau und Kind!“ Sie hielt ihr Gesicht permanent in ebenso unerträgliche wie unerklärliche Grimassen verzogen. Zum Glück verschwand sie schnell aus dem Film. (Und als sie wieder auftauchte, war sie tot! Endlich mal eine gute Nachricht! Leider durfte ich wieder nur im Stillen jubeln.) Diese Gnade frühen Todes gewährte uns das Kind nicht; immer wieder verzögerte es den Film durch Heulen, Winseln, trotteliges Auf-Monster-Zutappen und die Notwendigkeit, beaufsichtigt bzw. unterhalten zu werden. All das verursachte nervtötende Dialoge (siehe Punkt 1), deren Inhalte den Zuschauern längst klar waren (warum eigentlich nie den Figuren??? Sie hatten den Unsinn doch gerade erlebt! [siehe Punkt 7] )
3.) Die Besetzung! So nach Typen besetzt wird vielleicht in billigen Mangas, bei Micky Maus oder den Vätern der Klamotte. (Siehe Punkt 6)
4.) Man mag die Guten nicht! Wer sich so dumm benimmt, wird schnell unbeliebt. (Der Höhepunkt: „Wie sollen wir bloß beweisen, daß im Nebenraum ein Riesententakel liegt?“)
5.) Der verspätete Tentakel-Zerfall! Irgendwann viel später fiel den „Helden“ doch ein, den Ungläubigen den Tentakel im Nebenraum zu zeigen (leider ZU spät: einige Deppen hatten die Geschichte ohne diesen Beweis nicht glauben wollen und waren unbeirrt ins Maul der Bestie getappt...). Als hätte er darauf gewartet, zerfiel der Tentakel pünktlich erst dann in eklige Masse, als er - nach der langen Verzögerung - angestaunt und -gestubst worden war. Als hätte erst die Wiederkehr der Deppen ihn zerfallen lassen - dann allerdings um so schneller. (Der Tentakel war halt sensibel !)
6.) Der „Gute Soldat“! Ihn hatte ich zuerst als feindlichen Alien identifiziert. Gut-Soldi, ein rechter Kuschelmann, nah am Wasser gebaut, sah nämlich so aus, als hätte ein außerirdischer Castingdirektor einen Darsteller gesucht, um mit ihm die Stadt zu infiltrieren. So etwa mit folgender Ausschreibung: „Er soll so aussehen, wie dieser Josh-Soundso, der mit den Augenbrauen, aus Pearl-Harbour. Er muß nur noch viel mehr nach Josh-Soundso aussehen als dieser Josh selbst! Nicht so dezent!! (Später) Hm, Ihr habt keinen gefunden, der mehr nach Josh aussieht als Josh selbst? Dann baut halt einen!! (Später) Hm, Ihr habt also einen gebaut?! Geht so... klatscht ihm aber noch fettere Augenbrauen ins Gesicht!“
Wer so unheimlich überschminkt und puppenartig überstilisiert aussieht - ein Gesicht wie eine Kabuki-Maske - kann nur von außerirdischen Dr. Frankensteins gebastelt worden sein! Folgerichtig begann er auch bald, einem Erdenweibchen die Lebenssäfte auszusaugen. „Iiii! Wie in „Species“!!!“ (Doch mein Weltbild brach zusammen, als er dann den Monstern zum Opfer fiel...)
7.) Es kann nicht sein, daß niemand der Helden die „Alien“-Filme gesehen hat! Auf welchem Planetenleben die denn?

Aber halt, vielleicht hat Darabont die „Alien“-Filme nicht gesehen! Genau wie seine Helden! Schließlich macht er sonst immer so Kunst- und Kulturfilme, mit Tom Hanks, menschlichen Gefühlen und so! Genau, denn niemand in Hollywood hätte es gewagt, eins zu eins die gleichen Ideen und Bilder wie James Cameron zu verwenden. Wahrscheinlich wird er gerade verklagt, der arme Tropf!

Apropos bessere Filme: Es gibt noch mehr Klassiker, von denen Darabont geklaut hat. (Oder geht er nie ins Kino und erfindet alles neu, nur schlechter?) Man sollte diese ansehen, nicht Darabonts MIST. Darunter sind, außer „Alien“ und vor allem „Aliens“:
1.) Hitchcocks „Vögel“. Doch Hitchcock war schlau genug, das belagerte Lokal schon nach wenigen Dialogen in die Luft zu jagen. Darabont schaffte es, die Dialoge auf knapp zwei Stunden auszuwalzen. Gähn!
2.) De Palmas „Carrie“. Verrückte Jesus-Freaks seien angeblich Stephen Kings Manie, aber mit „Carrie 1 + 2“ hat der Kinofan sie genug hassen gelernt. Darabont hätte ca. eine halbe Stunde (subjektive Empfindung der gräßlich nervtötenden Predigten) streichen können.
3.) Romeros Zombiefilme, vor allem „Night of the living dead“ und „Dawn of the Dead“. Auch hier sehen sich Durchschnittsmenschen zufällig zusammengewürfelt im Kampf gegen hungrige Menschenfresser - in „Dawn...“ sogar in einem Einkaufsparadies. Allerdings sind Romero die Personen gelungen: sie handeln wie echte Menschen, nicht wie bemitleidenswerte Opfer eines verhunzten Filmskripts. Sie folgen der Logik der Geschichte, REAgieren auf die Ereignisse und beherzigen gewonnene Erfahrungen, während sie bei Darabont diese in der Regel IGNOrieren. Darabont läßt seine Leute sogar rufen: „Das Licht aus!“, „Wir müssen hier raus!“, „Benutz‘ die Axt!“ oder „Wie kann ich ihn überzeugen?“ doch auf all das Geschrei folgen keine entsprechenden Taten. - Wie sagt Kate Beckinsale in „Van Helsing“? „Wenn Du mich töten willst, dann tu‘ es einfach! Red‘ nicht bloß drüber!“ - Auch eine Aufforderung an MIST, wo die Handlung immer wieder stoppt, bis den Figuren der Groschen gefallen ist. Aber in MIST schreien sie, wenn sie still sein sollten, machen Licht, wenn sie sich verstecken müßten, und erschießen ihre Alten, Frau und Kind, statt rechtzeitig zu tanken.

Im Vergleich zu Romero schockiert auch, wie rassistisch-rückschrittlich Darabont sein Personal wählt: zurück zum braven weißen Familienvater-Held (welch Kontrast zu Romeros tödlicher weißer Keller-Familie in „Night...“), der als Wortführer der weißen Unterschicht dem unbelehrbaren Bimbo-Anwalt die Leviten liest.

Damit ignoriert MIST auch noch die (Horror-) Filmgeschichte der letzten 40 Jahre und die so gebildeten Zuschauer, wie er zuvor schon die nötige Liebe zu den Figuren und Schauspielern vermissen ließ. Fehltritte in allen Richtungen: Ein Film fürs Heimkino, wo Ablachen keinen stört.

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