Achtung: Spoiler inside!
Ich entschuldige mit im Voraus bei den Lesern, die einen "seriösen" Schreibstil bevorzugen, da dieses Review wohl eher weniger in diese Kategorie fällt.
Ich war von "Der Nebel" sehr enttäuscht. Zunächst dauert es erst mal eine "Ewigkeit", bis überhaupt wirklich etwas passiert und man z. B. endlich den ersten Tentakel zu Gesicht bekommt. Dann spielen auch noch nahezu 99 Prozent des Film in dem Supermarkt, in dem sich die kleine Menschengruppe verschanzt hat, was bei zwei Stunden Laufzeit dafür sorgt, dass sich die Spannung in Grenzen hält, da es "vor Ort" wenig abwechselungsreich zugeht. Außer den permanenten Reibereien zwischen den "Gläubigen" und den "Ungläubigen" und einem Angriff riesiger Insekten, tut sich da nicht viel. Zudem geht einem das Gottes- und Jesusgefasel der wahnhaften Predigerin bereits nach fünf Minuten derartig auf die Nerven, dass man sich wünscht, es möge doch bitte jemand aus ein paar Latten ein Kreuz zusammenhämmern und die "dumme Gans" da drannageln, damit sie endlich die Klappe hält, um es mal ganz "böse" auszudrücken. Wie schon in "Desperation", wo es der kleine Junge war, der die gesamte letzte Stunde permanent auf Jesus und die Bibel pochte, scheint es King auch hier wieder etwas zu gut zu meinen und macht die an sich interessante Geschichte durch das permanente "religiöse Geplapper" fast ungenießbar. So kann man dann auch kaum anders, als laut "Halleluja!" zu rufen, wenn die wahnhafte Predigerin kurz vor dem Finale "endlich" erschossen wird.
Das klingt so formuliert jetzt ziemlich extrem, aber der Tod der Predigerin kommt für den Zuschauer fast einer "Erlösung" gleich. Glaube und Religion schön und gut, aber wenn man es so dick auf die Stulle geschmiert bekommt, dass man bereits beim zweiten Abbeißen Diabetes bekommt, dann ist das für mein Empfinden zu viel des Guten. Ich habe schon gesagt bekommen, dass ich mir den Film nicht hätte ansehen müssen / sollen, wenn mich die religiöse Komponente so stören würde, aber dass es sich bei "Der Nebel" um eine halbe "Bergpredigt" handeln würde, war trotz des Vorkommens der Predigerin im Trailer in einer solchen Krassheit für mich nicht erkennbar.
Was dem Film dann noch den endgültigen Todesstoß versetzt, ist das durch und durch dämliche und hanebüchene Ende.
Da juckeln die paar "Normalos" nach ihrer Flucht unzählige Minuten in Zeitlupe zu Jammergesängen durch die dicke Suppe, bis ihnen das Benzin ausgeht. Anstatt mal auszusteigen und ein paar Schritte zu gehen, entscheidet man sich lieber innerhalb von Sekunden für den Freitod, was mit genialen Dialogen wie "Wir haben noch vier Kugeln." - "Wir sind aber fünf." [Ach, was!? Aber gut für alle, die nicht mal bis drei zählen können.] noch unfreiwillig komisch untermalt wird. Dann steigt der Protagonist, der alle anderen erschossen hat aus dem Auto und prompt lichtet sich der Nebel, es fahren Panzer vorbei und das "Böse", das vorher geschlagene zwei Stunden als unbesiegbar dargestellt wurde, ist plötzlich im Blitzverfahren auf rätselhafte Weise besiegt worden. Donnerwetter! Unglaubwürdig³ und einfach nur dämlich wie 'ne Scheibe Knäckebrot. Da möchte man seinen Kopf am liebsten erst ein paar Mal auf die Rückenlehne vom Vordermann donnern.
Was hier beim Zuschauer den großen Schock à la "Oh, nein! Oh, mein Gott!" hervorrufen soll, hinterließ bei mir nur Kopfschütteln. Mulmige Gefühle und Betroffenheit? Fehlanzeige! In meinen Augen ein völlig misslungenes Ende, das bei diesem ohnehin schon eher schwachen Film nur noch mehr kaputt macht.
So kann ich abschließend leider nicht mehr als (knappe) vier von zehn Punkten vergeben.