Es ist schon ein Segen wenn man hört, dass Frank Darabont eine weitere Stephen King - Geschichte verfilmen will. Hat der Regisseur sein Talent doch schon in drei Verfilmungen gezeigt. Nämlich "Die Verurteilten", "The Green Mile" und den Kurzfilm "Vergiftet", den viele wohl nicht kennen werden weil er nur auf einer VHS erschienen ist, dafür aber nicht minder Darabonts Talent für leise Dramatik schildert.
In einer Zeit, wo man fast schon verzweifelt nach einem Roman, Novelle oder Kurzgeschichte Kings sucht, die nicht schon in irgendeiner Art und Weise verfilmt wurde, fällt "Der Nebel" fast schon ins Auge. Die Geschichte gehört sicherlich zu Kings besten Geschichten und dass sie erst recht spät verfilmt wird hat wahrscheinlich nur zum Grund, dass es hier halt auch mal um etwas richtig übernatürliches handelt und demnach der Spaß auch nicht billig werden würde. Ich meine hier gibt es riesige Spinne, die Fäden schießen, die ätzend auf der Haut sind; ein beinahe undefinierbares Wesen, dessen Tentakel einen jungen Angestellten ins Nichts holen; und nicht zuletzt ein extrem großes Wesen mit baumhohen Beinen - Wahrlich nicht unbedingt ein einfach zu gestaltenes Szenario.
Aber Darabont kam, sah.. und siegte. Er hält sich als einer der wenigen sehr genau an die Vorlage und beschreibt die Situation aller Beteiligten, die in einem Supermarkt aufgrund des extrem gefährlichen Nebels außerhalb nicht mehr rausgelangen, einfach nur genial. Die kingtypischen Charakter wie der typishce Dorftrottel, zeichnet Darabont perfekt und so steht der Film der Vorlage quasi in nichts nach. Auf den ersten Blick scheint das Szenario allerdings vielleicht nicht neu... viele werden bei dem Wort "Der Nebel" erstmal guten Gewissens an "The Fog" von John Carpenter denken und einige werden auch gedacht haben, dies sei eine Art Fortsetung bzw. weiteres Remake. Tja, hier liegt der Unterschied im englischen Originaltitel. Hieß Kings Werk "The Mist", heißt Carpenters "The Fog". Spätenstens hier wird es vielleicht erste Identitätserkennungen geben.
Das einzige was man Darabont vielleicht vorwerfen könnte ist Mrs. Carmody, die einen schon etwas nervt nach diversen Spielereien mit der Bibel und Gott. Das kennt man eh schon aus vielen Kingwerken, Carries fanatische Mutter war nicht anders und auch der junge David aus der Verfilmung "Desperation" ging einen damit nach einer gefühlten Stunde gehörig auf die Nüsse. Da ist man dann auch nicht sonderlich böse, wenn das kleine Männchen Ollie der verrückten Carmody zwei gezielte Schüsse mit Mr. Knarre bereitet. Apropos Ollie... die Charaktere und Sprüche sind hier zum Teil köstlich. Gerade Ollie hat sehr viele Sympathiepunkte auf seiner Seite. Sieht der unscheinbare und durchaus knuddelige Verkäufer beinahe harmlos aus, entpuppt er sich am Ende als Meisterschütze. Und im Film wird mindestens 20mal das Wort Scheiße benutzt, in allen möglichen Stimmlagen und Situationen, mitunter auch munter in einen Satz eingebaut.
Die stellenweise schon recht brutale Vorgehensweise der Kreaturen lässt eine 16er-Freigabe schon mehr oder weniger minder erscheinen. Hier werden Leuten, zu denen man eigentlich Sympathie aufgebaut hat, der ganze Oberleib angerissen, ein Mann verbrennt völlig, die Geliebte eines Soldaten stirbt vollkommen am Gesicht entstellt nach einem Insektenstich, aus dem Körper eines anderen Soldaten befreien sich dort eingenistete Spinnen... Alptraummaterial hat der Film wahrlich für mehrere Nächte. Noch heute, drei Tage nach dem Film, kriege ich beim einfachen denken an manche Szenen noch Gänsehaut bis zur Zimmerdecke. Allein wer Angst vor übergroßen Spinnen hat sollte erstmal seinen Arzt fragen, ob er den Film sehen darf.
Auch zuerst etwas gewöhnungsbedürftig entpuppt sich Darabonts Kameraführung. Anscheinend mit einer etwas lockeren Handhabung gefilmt, zoomt die Kamera an einigen Stellen plötzlich ran, als würde man das Geschehen mit einer Digitalkamera beobachten. Zuerst wirklich etwas gewöhnungsbedürftig, aber nach einer Weile fällt das gar nicht mehr auf und macht das Geschehen außerdem schon irgendwie authentisch. Jedenfalls authentischer als die offensichtlich besoffene Kameraführung eines "28 Days Later".
Der Hauptdarsteller Thomas Jane macht seine Sache ordentlich, auch wenn er hier und da wie die typische Figur eines solchen Endzeit-Szenarios rüberkommt. Deutlicher Nervpunkt sein kleiner Sohn Billy. Durchaus ein netter Junge, aber spätenstens seit Cujo und Krieg der Welten wissen wir, dass Kinder in Horrorfilmen nach einer Weile fahrlässige Agressionen beim Zuschauer auslösen, was nicht selten endet in einer Denkweise ala' "Boah sollen die das Gör doch einfach vor die Tür speeren!".
Gut, so schlimm wie wie furchtbare nervige Dakota Fanning in Krieg der Welten ist Klein-Billy nicht.. aber die deutsche Synchronisation hat da schon ihr übriges getan. Wenn Billy heult hört sich das so an wie ein zerplatzter Ballon, der jetzt munter durch die Gegend saust bis er leer ist.
Zuletzt kann man sich auf die 3-Disc Limited Edition des Films freuen, denn da wird eine Schwarz-Weiß Fassung enthalten sein, Hoffentlich wurden noch einige Effekte hinzugefügt, denn wenn der Film nur schwarzweiß ist, ist das schon langweilig, das kriegt man selbst mit dem billigsten Videoprogramm hin. Aber mal sehen. Man kann sich jedenfalls über Darabonts Werk freuen, zwar waren seine Vorgänger-Spielfilme alle ein bisschen besser, aber dafür ist der Nebel auch anders als die anderen ein Horrorfilm. Ein äußerst guter. Jetzt darf man gespannt sen auf die zukünftigen Kingverfilmungen, Darabont wird sich als nächstes Todesmarsch vornehmen... und ich zweifel nicht daran dass auch diese Verfilmung spannende Kost wird.
Fazit
"Der Nebel" strotzt vor fantastischen Szenen, die nachhaltig im Kopf bleiben, tatsächlich ist der Film nebenbei verdammt gruselig. Wer Kingfan ist oder einfach ein Freund guter Horrorfilme, der kann sich diesen Film jederzeit bedenkenlos ansehen.
8,5 / 10