Es gibt von Zeit zu Zeit Filme, die es eigentlich nicht Wert sind, sich darüber auszulassen. Vor allem wenn irgendwelche Rezensionen vom ach so nihlistischen Finale eines Filmes sprechen, sich das aber als laues Lüftchen heraus stellt.
Solch ein Film ist der Nebel.
Anfangs hat man das Gefühl, der Regisseur würde versuchen, die beklemmende Athmosphäre der Cafe-Sequenz aus dem Hitchcock-Klassiker die Vögel für 100 Minuten zu konservieren. Und seltsamerweise scheint es sogar zu klappen.
Benannte Szene dauert bei Hitchcock zwar nur ein paar Minuten, aber so lange du nichts siehst, sondern nur vage glaubst etwas zu vernehmen, dass da etwas im Nebel ist, solange funktioniert der Nebel auch als Film. Es wird eine beklemmende Atmosphäre aufgebaut und man hat auch als Zuschauer ein wohlig mulmiges Gefühl. Fast so als wäre der Film schwarz-weiß: Guter altmodischer Gruselhorror, kein Effektgewitter ohne jeglichen Grusel.
Problematisch wird es erstmals nach etwa zwanzig Minuten, denn dann bekommt man endlich (???) die Monster zu sehen und es gibt die ersten Opfer.
Ab hier wird der Film abstrus und unglaubwürdig:
Wir haben hier die religiöse Eifererin, die alle ungebildeten Dummköpfe auf ihre Seite zieht (wieso müssen das immer Ungebildete Leute sein, die man leicht beeinflussen kann?), was ein bißchen nach elitärem Denken klingt.
Auch gelingt dieser Fanatikerin binnen kürzester Zeit, die Leute so zu ereifern, dass sie sogar ein Menschenopfer zu machen bereit sind. Und natürlich muß das der Sohn des Hauptdarstellers sein, obwohl es doch mehrere Kinder im Laden gibt.
Vor allem die Wandlung der Leute in einen religiösen Mob ist äußerst wirkungslos inszeniert und die Monster sehen keinesfalls aus wie Engel oder Teufel oder Heuschrecken oder sonst etwas biblisch apokalyptisches, sondern sind einfach nur x-belibige Monsterchen, für die sich sogar der frühe Cronenberg zu schade gewesen wäre.
Und schließlich gibt es eine - für solche Filme - rationale Erklärung für alles was geschieht. Und was passiert? Die Leute interessiert es nicht, man lechzt nach Blut.
Alles schön und gut, aber die Inszenierung bringt das nicht überzeugend genug rüber. Zu abrupt sind die ganzen Entwicklungen.
Auch ist irgendwie seltsam, wie die Anzahl der Leute im Laden immer wieder varriiert, mal ist der Laden proppevoll dann wieder halbleer.
Aber sei's drum.
Als Gesellschaftsanalyse, der dieser Film wohl irgendwie sein will, das amerikanische Selbstbewußtsein, dem dieser Film wohl gegen das Bein treten will, all das funktioniert trotz großer Ambitionen nicht, oder zumindest stark bedingt:
Dumme ungebildete Amerikaner sind anfällig für religiösen Eifer, die intellektuelle Elite läßt sich da nicht einlullen. Es ist verdammt einfach, einen mordlüsternen Mob zu kreieren. Und um das ganze authentisch wirken zu lassen, unterläßt der Film jegliche musikalische Untermalung - Zumindest bis zum ach so brachialen Finale.
Alles schön und gut, die Ambitionen sind da, die Umsetzung ist mies, hier wäre weniger mehr gewesen:
1. Weniger Monster oder gar keine, die sichtbar sind, so dass sich wirklich alles nur im Kopf der Eingesperrten abspielt. So würde dieser religiöse Blabla auch mehr Sinn machen.
2. A Propos religiöser Blabla, ein bißchen mehr Subtilität bezüglich des Übergangs des Mobs in einen religiösen Eiferwahn-Status hätte auch gereicht, so dass die ganze Entwicklung nicht ganz so abrupt vonstatten gegangen wäre. Hätte man sich das halbe Effektgewitter gespart, hätte man locker mehr Zeit in charkterliche Entwicklung stecken können, und die gruselige Atmosphäre eines guten Hitchcock hätte vielleicht sogar konserviert werden können.
Kommen wir endlich zum Ende: Das ist das einzige, was den Film ein bißchen in Richtung Mittelmaß hebt, nicht darüber.
Ohne spoilern zu wollen, es geht in diesem Finale nicht großartig hoch her. Es ist einfach nur ein mieses, böses Ende, welches letztendlich nur um des Effektes Willen so rüber kommt. Keine große Substanz, kein gar nichts.
Also, auch nicht überbewerten.
4 Punkte, und: Hier wäre tatsächlich mehr drin gewesen....