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"Wir sind doch zivilisiert!" ... "Sicher, wenn die Maschinen arbeiten und man die Polizei rufen kann. Aber wenn man den Menschen das wegnimmt, wirft man sie in die Dunkelheit. Dann kriegen sie sich vor Angst nicht mehr ein. Dann gibt es keine Regeln mehr."

"Der Nebel" ist Frank Darabont's nunmehr vierte Leinwandumsetzung einer Stephen King Geschichte nach "The Green Mile", "Die Verurteilten" sowie dem Kurzfilm "Vergiftet".

Nach einem katastrophalen Unwetter in der Kleinstadt Maine sammeln sich am nächsten Tag viele Anwohner kollektiv zu Masseneinkäufen, um sich mit dem Nötigsten für die nächsten Tage einzudecken. Dazu gehört auch David Drayton (Thomas Jane) der mit seinem Sohn Billy einen Supermarkt aufsucht. Noch während dem Einkauf breitet sich ein mysteriöser Nebel in der Umgebung aus in dem sich etwas unheilvolles zu verstecken scheint. Nach einem Angriff aggressiver, insektenartiger Kreaturen verschanzen sich die Menschen im Supermarkt. Die religiöse Fanatikerin Mrs. Carmody (Marcia Gay Harden) schürt Uneinigkeit mit ihren Prophezeiungen woraufhin sich die Überlebenden in zwei Gruppen spalten. Eine handvoll Personen gruppieren sich um David, darunter sein Nachbar Brent Norton (Andre Braugher) und Amanda Dumfries (Laurie Holden), welche einen Fluchtversuch aus dem Nebel vorsehen. Der größere Teil sammelt sich unter den Predigten von Mrs. Carmody und agiert immer fanatischer.

Regisseur Darabont wirft den Zuschauer direkt mitten in das Geschehen hinein, ohne seine Figuren zu konkretisieren oder eine wallende Einführung zu unterbreiten. Bereits nach 7 bis 8 Minuten Spieldauer schließt der titelgebende Nebel die verängstigten Menschen im Supermarkt ein. Dies ist für einen Film von knapp 2 Stunden Laufzeit ungewöhnlich.
Nach diesem spannenden Auftakt verbleibt lange eine dialoglastige Leere, die sich auch öfter wieder im Verlauf zeigt und das Tempo drosselt. Während diesen Phasen baut Darabont seine sehr klischeehaften Charaktere weiter aus, schafft es aber nicht eindringlich genug auf diese einzugehen oder vernachlässigt einige handlungstragende Figuren.

Die unheimliche und mysteriöse Atmosphäre wird von aufregenden, temporeichen Angriffen der übergroßen Insekten aus dem Nebel oder Ausflügen in selbigen unterbrochen. Dabei fällt das starke Design der Kreaturen der zu künstlichen Umsetzung zum Opfer und verteilt ungewollt B-Movie-Flair. Man merkt die bisherige Unerfahrenheit Darabont's mit computergenerierten Figuren an, die so gar nicht mit den Schauspielern zusammenarbeiten wollen.
Der Soundtrack verhält sich ruhig und bleibt im Hintergrund, was die "neblige" Grundstimmung verstärkt.
Neben der größtenteils gespenstigen Atmosphäre schockt "Der Nebel" zurückhaltend aber gezielt mit Gore-Effekten, beispielsweise halbierten Torsos oder abgerissenen Fleischstücken sowie klaffenden Wunden.

Im Vordergrund steht aber nicht der Nebel selbst, sondern der Umgang mit diesem und den sich darin versteckenden Kreaturen. Die in die Enge getriebenen Überlebenden im Supermarkt reagieren unterschiedlich auf die Situation und suchen nach einer Figur an die sie sich wenden können und die ihnen eine Richtung zeigt sowie Hoffnung gibt. Da verschiedene Menschen unterschiedlich reagieren, teilt sich die Gruppe in eine religiöse an den Glauben gerichtete und eine "weltliche" die sich so schnell wie möglich der unangenehmen Situation entziehen will. Da sich zwei unterschiedliche Interessengemeinschaften in einer Unterkunft schwer tun, eskaliert die Situation sehr bald, wobei beide Gruppierungen aufeinander los gehen. Man könnte den Plot selbst schon beinahe als soziales, psychologisches Experiment abtun.

Thomas Jane sowie Marcia Gay Harden liefern sich das Duell über die Herrschaft der "Schafe" des Supermarktes, welches letztere durch übertriebenen Fanatismus und immer wiederkehrende, gewollt nervige biblische Phrasen gewinnt. Thomas Jane will so gar nicht in die Rolle des Familienvaters passen und sollte wohl besser bei actionorientierten Filmen, wie "The Punisher", bleiben. Glücklicherweise bekommt er zurückhaltende Unterstützung von der serienerprobten Laurie Holden die zuletzt in der Spieleverfilmung "Silent Hill" zu sehen war, sowie dem immer wieder in Nebenrollen zu sehenden Andre Braugher.

Mit einer kürzeren Laufzeit, lebendigeren Charakteren, besser platzierten Schauspielern und einem schnelleren Tempo hätte Frank Darabont an seine vorangegangenen Adaptionen anschließen können. Trotzdem zählt "Der Nebel" durch seine sehr klassische und eindringliche Präsentation zu einer der besseren Stephen King Adaption mit einem drastischen Schluss, welcher den Zuschauer sprachlos zurücklässt.

7 / 10

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