Review
von Leimbacher-Mario
Wer sind hier die Monster?
Wie wir mit "Cell" erst dieses Jahr schmerzhaft feststellen mussten - Stephen King-Verfilmungen sind nicht leicht gut hinzukriegen. Entweder man macht sein komplett eigenes Ding & verärgert vielleicht sogar den Meister selbst (s. Kubricks "The Shining") oder man versagt meist gänzlich. Bis auf Frank Darabont, der mit "Der Nebel" eine der unterschätzten Gruselperlen der 00er Jahre ablieferte & King mal wieder filmisch auf den Punkt bringt. Wie schon in noch größerer Manier mit "Die Verurteilten" oder "The Green Mile". Ein mit Tentakel-Monstern besetzter Nebel, eine fast noch fiesere Gruppe Menschen eingepfercht in einem Supermarkt & ganz viel Oldschool-Monsterflair - fertig ist ein ganz feiner Schauer. Plus eines der deprimierendsten Enden aller Zeiten, mittlerweile fast schon Kult. Doch den Film auf diesen späten Tiefschlag zu reduzieren, wäre fatal...
Für mich ist "The Mist" vielleicht der beste Monsterfilm der Neuzeit (seit der Jahrtausendwende). Doch dabei ist er gar nicht primär Monsterfilm & noch dazu komplett anders, weniger mainstream-tauglich als die zwei anderen, universal geliebten Darabont-Klassiker. Es gibt eklige Monster & schauriges Feeling ala den 50s-Creature-Features, doch eigentlich stehen hier die Menschen im Mittelpunkt. Ihr Verhalten in der ungewöhnlichen, lebensbedrohlichen Situation, ihre Interaktion innerhalb der verschiedenen (Glaubens-)Gruppen & der Clash der Charakter innerhalb des abgeschnittenen Supermarktes. Dabei ist vor allem Thomas Jane als jederzeit glaubhafter & sympathischer Familienvater zu nennen, ebenso wie sein christlich-extremer Gegenpol Marcia Gay Harden. Letztere ist enorm gruselig & steckt Hass-technisch jedes schleimige Monster in die Tasche. Ihre hysterische & manchmal fast schon etwas übertriebene Art, ist das eigentliche Ungeheuer des Films, zusammen mit den teilweise blind folgenden Schäfchen. Gänsehaut!
Der Film lebt von seinen menschlichen Konflikten & zieht daraus enorme Atmosphäre & Mitgefühl, doch auch klassischere Monsterfans kommen mit etwas Geduld auf ihre Kosten. Das Design der Monster, der kleineren wie auch größeren, ist vor allem bei dem geringen Budget mehr als beachtlich. Ein Ausflug in eine benachbarte Apotheke ist hier wohl als gruseligster Abstecher zu nennen. Für mich wurde selten die Atmosphäre eines King-Romans bedrückender eingefangen. Ein wahrer Schmankerl für Gruselfans mit Geschmack. Tja, und da wäre dann noch das Ende, welches man nie mehr in seinem Leben vergisst & das so wohltuend gegen den Happy End-Trend geht... Die komplette Stimmung ist apokalyptisch & deprimierend, aussichtslos & böse. Von dem grandiosen Ensemble-Cast über die sehr minimalistische Musik bis zur großartigen Charakter- & Konfliktentwicklung - einfach ein grossartiges Gesamtpaket, dass viel mehr Lob verdient hätte!
Fazit: der zweitbeste Film aller Zeiten über monströsen Nebel! Eine der besten King-Verfilmungen & Horror mit Klasse - übrigens auch in schwarz-weiß...