Review

Bei manchen Mindfuck Filmen gewinnt man im Nachhinein den Eindruck, als hätte der Autor als erstes die Idee für den Schlusstwist und baut danach eine Geschichte um ihn herum.
Anders lässt sich der durchwucherte Eindruck dieses Streifens kaum erklären, da final gleich mehrere Überraschungen geboten werden, während besonders der Einstieg etwas zu schleppend und geschwätzig ausfällt.

Als Grundlage dient die Erscheinung eines Incubus, dem nächtlich auftauchenden Dämonenwesen, welches sich Lebensenergie per Geschlechtsverkehr beim schlafenden Opfer holt.
Rick wurde als kleiner Junge Zeuge, wie der Dämon seine Eltern ins tödliche Unglück stürzte, was sein Leben grundlegend änderte. Heute versucht er einem Psychiater zu erklären, wie er in den Siebzigern eine Affäre mit der verführerischen Ariel einging, die, wie in einer Zeitschleife, immer aufs Neue tödlich endete, - Tödlich grüßt das Murmeltier.

Tatsächlich dauert es eine ganze Weile, bis man mit Rick und seiner hübschen Gespielin warm wird, da sich zu Beginn alles nur um Sex und das schicksalhafte Elternhaus dreht, in dem die beiden ein Wochenende verbringen(während Rick daheim Frau und zwei Kinder ahnungslos zurücklässt).
Rasch baut man eine Verbindung zu dem Incubus auf, als Rick meint, Gesichter fremder Frauen wahrzunehmen, während Ariel beteuert, dass sie es gewesen sei.
Frage ist nur, seit wann Incubus und Succubus (das weibliche Pendant, also Ariel) miteinander kompatibel sind, oder ob beide Dämonen unabhängig voneinander auf Rick einwirken.
Doch (auch) in diesem Punkt weiß das Finale logisch zu schlussfolgern.

Bis dahin erscheint der Weg allerdings phasenweise eintönig, beinahe ermüdend. Die Sexszenen sind alles andere als welterregend, vage Andeutungen dämonenhafter Existenz
fallen fast betont unspektakulär aus und erst, als sich Ricks Wahrnehmung zwischen Realität, Visionen und Alpträumen zu vermischen beginnt, wird es auch für den Zuschauer ein wenig interessanter, vor allem spannender.
Denn als Rick neben Ariel erwacht, tut er dies mit dem Bewusstsein, ihre Leiche in der vergangenen Nacht an verlassener Stelle verscharrt zu haben, während sie den Schlamm an seinen Schuhen durch vorheriges Holzhacken erklärt.
Dabei könnte einem ein bekanntes Zitat von E. A. Poe zum Thema Träume schnell auf einen entsprechenden Gedanken bringen, - vielleicht aber auch allzu deutlich auf die gegenteilige Richtung hinweisen.

Was an Würze ein wenig fehlt, sind Augenzwinkern betreffend Ricks zunehmender Paranoia, aber auch mehr Freizügigkeit in Sachen Gewaltdarstellung, da in diesem Punkt, trotz Axtschwingen und Einsatz einer Motorsäge, lediglich spritzendes Blut zu sehen ist.
Auf atmosphärischer Ebene verdichtet sich die Sache gegen Ende jedoch zunehmend, da trotz unauffälliger Kulisse des alten Hauses eine stets effektive Beleuchtung und der engagierte Einsatz beider Hauptdarsteller ins Auge sticht.
Und dann eben die Auflösung, die mit mindestens zweifach, doppelbödigem Twist gekonnt abzuschließen weiß, was der etwas lahme Aufbau zuvor kaum vermuten ließ, - da dürfte möglicherweise der eine oder andere Vielseher noch überrascht werden.

Vielleicht gehört es zu den Mindfuck Filmen im B-Film-Bereich zeitweilig dazu, langatmige Einleitungspassagen hinzunehmen und dennoch scheinbar unwesentliche Begebenheiten zu registrieren, die zum finalen Paukenschlag beitragen.
„Killing Ariel“ bietet eine grundsolide Kernidee und eine insgesamt durchdachte Story mit minimalen Logiklücken, Längen im Anfangsteil, aber einer zufrieden stellenden Auflösung.
Keine Granate, aber durchaus passend für einen Abend in dunkler Jahreszeit,
6 von 10

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