Review

"Helden sterben nicht ... sie laden nur nach."

So die Tagline zum vierten Rambo, der sich wirklich gründlichst gewaschen hat. Stallone ist hier nicht nur in der legendären Hauptrolle als John Rambo zu sehen, sondern hat auch gleich noch am Drehbuch mitgeschrieben und die Regie übernommen. Doch keine Angst, es ist keine seichte Moralpredigt eines alternden Schauspielers geworden, sondern eine echt ruppige Schlachtplatte, deren Mitschuld am nächsten Schulmassaker in CDU-Kreisen jetzt schon feststeht.

Zwanzig Jahre nach dem letzten Einsatz lebt Johnny irgendwo im Dschungel von Thailand und hat die Hoffnung auf eine bessere Welt lange schon aufgegeben. Da taucht auf einmal eine Gruppe von christlichen Helfern auf, die ihn als Bootsmann für die Reise ins krisengeschüttelte Myanmar alias Burma anheuern wollen. Nach einigem Hin und Her kann ihn Sarah (Dexters Freundin Julie Benz) dann doch von der Notwendigkeit überzeugen und so geht's stromaufwärts in ein Gebiet, in dem die Militärjunta einen Vernichtungskrieg gegen die einheimische Minderheit der Karen führt. Wie nicht anders zu erwarten, wird auch das Ziel der christlichen Hilfstruppe, ein kleines Dorf in den Bergen, von burmesischen Truppen überfallen und die Amis in Bambuskäfige eingesperrt. Kurze Zeit später bekommt Rambo vom amerikanischen Pfarrer Besuch. Dieser hat eine Gruppe von britischen Söldnern angeheuert, um die Inhaftierten zu befreien, und sucht nach dem boat man der letzten Tour ...

Echte Überraschungen liefert der Film wirklich nur in Bezug auf die drastische Gewaltdarstellung. Wohl nur selten (im Film) wurden Personen durch Minen, Maschinengewehrfeuer oder auch selbstgeschmiedete Macheten so vollständig zermetert und übel zerlegt. Nein, ein Plädoyer für die Menschlichkeit ist der Film nicht. Stattdessen macht Stallone deutlich, dass nun endgültig Schluss mit lustig ist. Denn wenn sadistische pädophil-homosexuelle Militärfutzis aus Schurkenstaaten sich an Christen vergehen, hört der Spass auf. Und in dieser direkten Fortsetzung von Teil 2 & 3 muss schließlich auch der Missionar Michael Burnett (Paul Schulze) einsehen, dass es besser ist, den ersten Stein zu werfen als die andere Backe hinzuhalten, vor allem wenn von der Backe nach einem Lauf durch ein mit Minen gefülltes Reisfeld kaum noch was übrig ist.

Fazit: Als Splatter-Film eine echte Granate, als politisches Statement (natürlich) vollständig wertfrei, bleibt es jedem selbst überlassen, ob er sich JOHN RAMBO reinfährt. Ich persönlich hätte mir mehr Ein-Mann-Armee im Dickicht gewünscht, aber die Action stimmt so oder so. FIRST BLOOD (auf den hier auf angenehme Art musikalisch verwiesen wird) ist und bleibt der einzige Teil der Reihe, der absolutes Pflichprogramm darstellt und - wahrscheinlich auch durch die literarische Vorlage - etwas Tiefgang erzeugen kann. Von der emotionalen Wirkung eines beschimpften und von dumm-dreisten, Donut-fressenden Provinzbullen drangsalierten Nam-Veterans, der Krieg im Kopf hat und ein Stück Südostasien in die nordamerikanische Kleinstadt bringt, ist hier weit und breit keine Spur. Stattdessen nur ein müdes Gähnen meinerseits, wenn die bösen Burmesen durch Abscheulichkeiten aller Art wiedermal die Grenzen der Vorstellungskraft sprengen und so ganz unmissverständlich als die Fiesesten, wo geben tut, festgelegt werden. Vielleicht wird Generalissimus Than Shwe, seines Zeichens Staatschef von Myanmar, nach diesem Film ja zugunsten von Frieden und Demokratie abtreten, aber irgendwie ... ach egal.

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