Review

Wenn man dich dazu zwingt ist töten so einfach wie atmen.

Es gibt viele Oneliner in "John Rambo", aber keiner hat sich so in meinem Kopf eingeprägt wie dieser. Hier wird schonungslos getötet, gemordet, zerstückelt. Letzteres hält sich in der deutschen Fassung in Grenzen. Aber dazu später mehr.

Rambo 4 ist ein Film für ein sehr einfach gestricktes Publikum. Hier gibt es keine große Charaktereinführung, keine komplexe Storyline. Der Film will nur eines: Plakativ das Chaos und die Gewalt eines Krieges aufführen und verherrlichen. Dabei rechtfertigt er bereits von Anfang an die schonungslosen Taten die noch Folgen sollen.
Sylvester Stallone hat sich hiermit wohl ein abschließendes Denkmal, dass viele einstige Actionhelden der 80er und 90er Jahre in letzter Zeit anstreben, geschaffen. Kein Rambo vorher war so drastisch, so brutal, so bewegend und aufwühlend.
Die Zielgruppe ist ein gefestigtes, erwachsenes Publikum. Als Zuschauer wird man von Anfang an Partei ergreifen und das Militär Birmas zur Hölle schicken. Somit sind die Vergeltungsschläge Rambos gerechtfertigt. Und diese denkweise ist für ein nicht gefestigtes Publikum natürlich nicht akzeptabel.

Es gibt ein paar schöne Aufnahmen der Flora und Fauna Thailands, ganz besonders zu Anfang, wenn Rambo die Gruppe Missionare und Ärzte zu ihrem Zielpunkt schiffert. Im Vordergrund stehen ab dann die an ein Massengrab erinnernde Hinrichtung und Brandschatzung eines Dorfes, die Rettung der entführten Gruppe mit Hilfe einiger Söldner, die Flucht und abschließende Vergeltung.

Die Aufmachung und Atmosphäre ist sehr passend und reißt wie eine Welle mit. Viel Schmutz, viel Tragik, viele Auseinandersetzungen, Lärm, Chaos... so wie Krieg eben nunmal ist. Nicht im großen Sinne eines "Soldat James Ryan" sondern kleiner und "privater".
Soweit gibt es nichts zu bemängeln. Die Charaktere und Schauspieler stimmen, visuell wird viel geboten, man fiebert mit den Figuren mit.

Die einzigen Negativpunkte hängen an unserer FSK. Ich hätte nicht gedacht, dass eine Kürzung von ca. einer anderthalben Minute soviel Atmosphäre zerstören und Ernüchterung erzeugen würden. Mit den Schnitten bei dem herausreissen eines Kehlkopfes oder dem abschlagen eines Kopfes würde ich mich noch zufrieden geben. Aber in der finalen Schlacht geht doch einiges unter. Ein LKW mit einer Truppe Militärs rollt an, Rambo zielt... und dann? Nichts, denn es geht an völlig anderer Stelle weiter. Solche Dinge verwirren, gerade, da es zum Ende ständig solche Szenen gibt die sehr abrupt wirken.
Dieser Umstand hat mich sehr verärgert und ich bin regelrecht wütend aus dem Kino gegangen. Wütend auf eine Bevormundung, die ich mir meines Erachtens nicht bieten lassen sollte. Bei Hostel 2 blieb ich ruhig und habe mir den Film nicht mal im Kino angesehen, aber dieses mal wird die FSK von mir hören. Man hat mir die Freude an einem Film, der wahrscheinlich die volle Punktzahl verdient hätte, genommen.
Der Witz ist, dass man einem solchen Film die Botschaft selbst (Gewalt als einziges mittel und gerechtfertigt) überhaupt nicht kürzen kann, außer man schneidet drastisch 30 oder 40 Minuten. Und diese Botschaft allein dürfte von der FSK schon anstößig aufgenommen worden sein.
Solange ich nur die gekürzte deutsche Fassung kenne gibt es nur...

8 / 10

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