Rambo, wer ist das eigentlich? Was kann der Bursche? Und vor allen Dingen, wieso ist er so verdammt berühmt? Fragen über Fragen, die ich mir seit einer Ewigkeit stelle, denn muss ich zugeben, "Rambo" Teil 1-3 nie gesehen zu haben. Gehört hat den Namen vermutlich aber jeder schon einmal, spätestens bei der Rollen- und Waffenverteilung beim obligatorischen Kriesgspiel mit den Nachbarskindern. Ein wenig Vorkenntnisse nehme ich also doch schonmal mit: Rambo ist der größte Kriegsveteran aller Zeiten, er kann mit zwei großkalibrigen Maschinengewehren gleichzeitig schießen und er geht nun nach 20 Jahren in die vierte Runde.
John Rambo (Sylvester Stallone) hat sich in Thailand niedergelassen, um dort ein ruhiges Leben als Schlangenfänger zu führen. Als eine Gruppe selbsternannter Völkerrechtler um die Leihgabe seines Bootes bittet, zerplatzt sein Lebenstraum. Die freiwilligen Helfer werden im Krisenstaat Burma gefangen genommen und für Rambo beginnt ein neuer Krieg.
Logisch, dass die Story nur Mittel zum Zweck ist. Trotzdem, oder gerade deswegen, ist die Lösung nach 20 Jahren Ramboabstinenz bestimmt die geschickteste. Keine großen Verschwörungen, keine Geheimorganisationen, die ihren Ehrenkrieger zurückwollen und auch keine anderen Abstrusitäten, um Rambo die Rückkehr auf die Leinwand zu ermöglichen. Stattdessen liegt eine Situation vor, die drastischer, wahrhaftiger und zeitgemäßer kaum sein könnte: Der Bürgerkrieg.
Das kann sich John Rambo natürlich nicht gefallen lassen und so entfacht Sylvester Stallone nicht nur als Drehbuchautor, sondern gleichermaßen auch als Regisseur und vor allen Dingen als Hauptdarsteller ein Riesenfeuerwerk. Die Handlung belässt er bewusst oberflächlich und steigert sich dadurch um so mehr in seinen Charakterpart hinein. Der neuzeitliche Rambo lebt in seiner eigens kreierten Idylle, wird nachts allerdings von Alpträumen geplagt und wenn ihm schließlich droht in das Kriegsgeschehen involviert zu werden, kämpft er vorerst einmal gegen sich selbst. Stallone ist sicherlich nicht mehr der Jüngste, liefert mit dieser Rolle aber eine erstklassige Leistung ab. John Rambo ist abseits seines unmittelbaren Lebensradius erstmal so ziemlich alles im wahrsten Sinne des Wortes scheißegal. Er hat ausgedient, er redet nicht viel und die Probleme dahergelaufener Weltverbesserer lassen ihn völlig kalt. Stallone verleiht seinem Charakter fast ausschließlich mit seiner Mimik ein unglaubliches Profil.
Erst die angereiste Sarah (Julie Benz) kann ihn mit ihrem Gedankengut mehr überreden als überzeugen. Die Ansätze der Auseinandersetzung beider kontroverser Figuren ist interessant, hätte aber komplexer ausfallen dürfen, um den Sinneswandel Rambos besser rechtfertigen zu können.
Die bis dahin absolut naiven, gutgläubigen und nicht zuletzt freiwilligen Helfer erleben ihren Sinneswandel erst mit der kompromisslosen Abschlachtung eines ganzen Dorfes, durch das Militärregime vor Ort in Burma. Julie Benz, als Sarah zwar grundsätzlich wortgewandter als Rambo, gelingt es ebenfalls durch ihre Mimik voll und ganz zu überzeugen. Ungläubige Blicke bis hin zu Wutausbrüchen und Tränen im Angesicht der Gewalthandlungen sorgen nicht nur für Charakterprofil, sondern gleichzeitig auch für die nötige Dramatik um unseren Helden wieder auf den Plan zu rufen.
Eine Hand voll Söldner rekrutieren Rambo als Fährmann, um zum Ort des Geschehens zu reisen und die gefangenen Helfer zu befreien. Die Söldner können klischeehafter kaum sein. Tättoowierte, saufende, pöbelnde Aggressoren. Darunter der Jungspund, welcher sich schon bald als rechte Hand Rambos unter Beweis stellt und der große böse Anführer. Alles schonmal dagewesen, aber Rambo und Zuschauer wissen gleichermaßen wozu das Gesindel dient.
Nämlich ausschließlich um die gewaltigen Kampfhandlungen glaubwürdiger erscheinen zu lassen und auch um das eine oder andere Opfer auf der guten Seite verbuchen zu können. Das Kriegsgeschehen nämlich fällt beinahe zu drastisch aus. Überall wütet das grausame Militärregime, zerlegt ganze Dörfer mit Artilleriegeschossen, oder spielt grausame Wettrennen durch Minenfelder mit der Zivilbevölkerung. Regisseur Stallone geizt nicht mit optischen Reizen, und fügt in wirklich jede einzelne Explosion Blut und Körperteile ein. Jede Exekution hinterlässt rote Spuren, Kinder werden kaltblütig erschossen und Frauen vergewaltigt. Dem Zuschauer bleibt wirklich gar nichts erspart, welcher sich schleunigst den Haudegen Rambo herbeiwünscht.
Dieser ist längst unterwegs, hat dem Söldnerkommando mittels Eliminierung eines feindlichen Spähtrupps kurzerhand verdeutlicht wozu er im Stande ist, und widmet sich nun einzig und allein der Befreiung Sarahs und ihrer Freunde.
Ganz anders als ich Laie mir einen Rambo vorgestellt hatte aber, bleibt er tatsächlich auf dem Boden. Der neue Rambo kennt keine duale Waffenführung, er arbeitet sogar einen Plan aus um seinen Auftrag zu erfüllen und er kooperiert mit Söldnern. Damit macht Stallone zwar alle meine bisherigen Vorstellungen kaputt, liefert aber einen glaubwürdigen Kriegsfilm ab. Trotz diesem hohen Realismusgrad entfacht Stallone ein Riesenfeuerwerk, welches intensiver kaum sein könnte. Die Kamera ist immer mitten im Geschehen, wackelt nur so vor Explosionen und Schusswechseln und zeigt wirklich jedes blutige Detail. Die Schnittfolge dabei fällt relativ schnell aus, die Übersicht aber bleibt immer erhalten. In dieser Hinsicht ist Stallone ein kleines Kunststück geglückt, "John Rambo" ist wirklich ein moderner 80er-Jahre-Actioner.
Was denn nun, reiner Action- oder doch Kriegsfim? "John Rambo" spielt selbstverständlich im Krieg, im modernen Krieg ganz ohne Regeln. Die unglaublich nahegehenden Einstellungen von toten Leibern und Leichenteilen, sowie das Mittendringefühl während den Ausschreitungen, unterstützen den Antikriegsgedanken. Und dennoch distanziert sich Stallone ganz strikt von einer Wertung zum Krieg, viel mehr kritisiert er sehr scharf die vermeintlichen Weltverbesserer, die im Krieg schneller Hilfe benötigen, als dass sie diese anbieten können. Stallone drückt sich als John Rambo sehr präzise aus, wenn er sagt, dass man ohne Waffen ohnehin nichts ändern könne und auch die Tatsache, dass die freiwilligen Helfer am Ende des Filmes nicht den geringsten Erfolg verbuchen konnten, spricht für sich. Nur konsequent ist da die Heimkehr Rambos am Ende des Films, es scheint als hätte er genug gesehen und auch erlebt. Eigentlich ein ausgereiftes Ende für eine Filmreihe, schade nur, dass dieses so früh kommt. Mit ca. 70 Minütchen fällt der rasante Rundumschlag gegen alle selbsternannten Weltverbesserer nämlich äußerst knapp aus. In der kurzen Zeit bekommt man aber defintiv eine gewaltige Actionparade geboten, über die man stundenlang nachdenken kann, oder einfach schluckend hinnimmt und sich unterhalten lässt.