THERE WILL BE BLOOD
Die ganze Rambo-Chose und ihre Beliebtheit bzw. Ablehnung bleibt für mich nach wie vor ein ordentliches Rätsel. Ich kann mich weder mit denen identifizieren, die den Film als ultrabrutales und verdammenswertes Gemetzel verreissen (denn richtig schlecht, oder besser: schlimm wie etwa Pearl Harbor oder 300 empfand ich "John Rambo" keine Sekunde) aber auch nicht mit den Fans, die den als gesamten Film betrachtet eher quarkigen Mix aus ernsthafter Abhandlung der Massakrierung an Zivilpersonen (der Vorspann!) und insgesamt ja relativ wenig, allerdings dann echt knackiger Ballergaudi (in Österreich zum Glück und vernünftigerweise uncut, schallalalaaa) als Actionhighlight in den Himmel loben.
Zunächst ist der Film lange ernst angelegt, schlägt aber nicht negativ auffällig über die Stränge (die humorvollen Szenen mit dem Schweigen und den Sprüchen passen gut, die Massakrierungen passieren eben und sind hart dargestellt, aber no problem here). Dann, ab der Szene mit der Bombe, die den halben Dschungel wegbläst, ändert sich schlagartig die Stimmung des Films gewaltigst: John Rambo, der 80-er Actionheld betritt endgültig seine Bühne der Zerstörung und degradiert alle anderen Nebendarsteller zu Statisten oder zerfetzten Körpern. Und so sah ich mich plötzlich doch noch mit einer Art Fun-Actioner konfrontiert, der in seiner Brachialität tatsächlich irgendwie Spaß bereitet, weil Stallone (bei aller Reaktion macht er jedoch mit hektischer Schnitt- und Bildfolge dann doch - misslungene - Zugeständnisse an die moderne Filmwelt) derart aufräumt. Ich meinte noch, wie geil wäre jetzt eine Zeitlupeneinstellung als er wie besessen am MG alles nieder rattert. Aber so: weder Style noch Substance in gewisser Weise. Fette Show: JA, immerhin Jedenfalls ist der Film am Ende dann eh nicht mehr für voll zu nehmen und dadurch entzieht sich das üppige Leinwandgeschehen ja letztlich schon wieder einer ernsthaften Kritik oder inhaltlichen Auseinandersetzung, abgesehen höchstens von jener der Actionfans, die Slys Schmalspurdramatik für großes Kino halten und sich halt mehr als nur 5 Sekunden darüber freuen, wenn eine Bombe kraftvoller denn je zuvor in diesem Genre hochgeht. Nun ja. Wie aufregend.
Aber auch die Kritik an der exzessiven Gewaltdarstellung läuft durch diese Ratatata-Action ins Leere und Lächerliche, denn es geht ohnehin eher darum, ob und dass Rambo derart metzelt, aber nicht wie viel oder wenig drastisch Stallone es zur Schau stellt, wenn Menschen durch Schusswaffen getötet werden. Hätte Rambo die selbe Anzahl von Bösewichten schön sauber und auf weniger drastische Art erledigt, wäre der Film dadurch jedenfalls nicht besser geworden, man könnte aber manchem weichspülfilmegewohnten Kritiker unterstellen, er hätte dies dann vermutlich so gesehen. Schwamm drüber.
"John Rambo" ist in seiner Gesamtheit ein eigenwilliger Mischmasch, dessen Sinn sich mir nicht erschließt. Wenn auteur Stallone nur möglichst viel und möglichst spektakuläre Action im Sinn hätte, sähe der Film wohl anders aus. Wenn es ihm aber stattdessen um irgendeine Art von "Drama" ginge, egal ob auf Charakter- oder auf Storyebene, müsste seine Regiearbeit jedenfalls auch ganz anders gestaltet sein. Tja, und von Spannung im thrillerschen Sinne kann man nun auch wahrlich nicht sprechen.
"John Rambo", Film wie Charakter, ist extrem simpel angelegt und daher für mich alles andere als gut. Aber man sagt (sagt man? keine Ahnung), die besten Krieger sind simple Menschen. So einer ist John Rambo. Aber kann ich ihm das vorwerfen? Ein eher simpel denkender Mensch könnte auch Stallone selbst sein. Was treibt ihn zu diesem Comeback? Altersmilde ist es wohl eher nicht. Auch Altersresignation ist nun ganz und gar nicht zu spüren. Hat der Mann bloß eine Menge Wut im Bauch, dass er sich selbst derart radikal metzelnd inszeniert? Wut auf das Böse? Oder gleich: Fuck the world? Oder doch einfach nur, "say hello again to my hardcore-fans after such fucking long time"? Say hello to the money fore its too late, angehender Rentner? Vertragszwänge? Ließ ihm der Charakter Rambo in all den Jahren keine Ruhe? Wie sehr fühlt sich Stallone als Regisseur und Drehbuchautor des Films denn mit dieser Rolle eigentlich verbunden? Erst schießen, dann (oder gar nicht) denken und sprechen als Lebensmotto für das Cineplex-Publikum von heute, die Politiker von morgen? Oder ist das alles (auch die realen Myanmar-Bilder) eh nur Spaß und Äktschn ohne jegliche Intention, abgesehen von der, den heftigsten Actionfilm aller Zeiten zu drehen?
Es bleiben: Ratlosigkeit, leichte Bewunderung, ein mildes Lächeln, etwas Kopfschütteln, dazu ein bißchen Achselzucken, aber keine Verdammung. Und das ist diesem 4. Teil einer höchst eigenartigen Kinoreihe gegenüber ein positiveres Fazit als ich es selbst von mir erwartet hätte.