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2006 hatte Sylvester Stallone mit „Rocky Balboa“ eine seiner beiden Paraderollen belebt, mit „John Rambo“ ist nun die andere dran.
Angesiedelt ist der neueste Teil der Saga in und um Burma, wo die Regierung Gräueltaten gegen die Zivilbevölkerung begeht und Unmengen junger Männer fürs Militär zwangsrekrutiert. Mit Dokumentarmaterial einer realen Organisation, die auf dortige Missstände hinweisen will, beginnt der Film, doch wirklich differenziert ist die Chose dennoch nicht. Die Fieslinge bleiben meist anonyme Metzelmasse, selbst der Oberfiesling bekommt kaum herausragende Momente: Er quält jedoch gerne Menschen, schießt Leuten in den Rücken und ist sogar pädophil, wie sich später herausstellt.
John Rambo (Sylvester Stallone) selbst lebt im Grenzgebiet und will sich aus allem heraushalten. Das klappte schon beim Klosteraufenthalt in Teil III nicht so wirklich, wenngleich Rambo einige Friedensaktivisten, die wollen, dass er sie nach Burma schippert, erst auflaufen lässt. Dabei etabliert „John Rambo“ direkt die ’Fuck the World’-Attitüde seines Protagonisten, der sich dennoch erweichen lässt.

Bereits die Fahrt nach Burma macht klar, dass die idealistischen Aktivisten zu blauäugig an die Sache gehen, während der zynische Rambo den Durchblick hat. Da sind die 80er zurück, in denen weiche Liberale immer erst gezeigt bekommen mussten, wie man wirklich mit Übelwichten umzugehen hat und genau das zeigt „John Rambo“ am Beispiel des Anführers der Aktivistentruppe, der sich wandelt. Zu Anfang ist er aber noch weich, weshalb er und seine Truppe gekidnappt werden.
Tage später erfährt Rambo davon und beschließt einige Söldner zur Rettung der Aktivisten nach Burma zu führen. Dabei greift auch Rambo selbst ins Geschehen ein und räumt unter den Fieslingen gehörig auf…

Tiefgründiges darf man bei „John Rambo“ nicht erwarten, doch Sylvester Stallone als treibende Kraft hinter dem Projekt lässt die 80er wieder aufleben: Klischeehafte, aber kompromisslose, zackige Action, die auch gar nicht viel mehr sein will. Mit drückender, stimmiger Dschungelatmosphäre und nicht zu moderner Inszenierung erinnert „John Rambo“ an diverse Kracher alter Schule und bleibt dem Geist seiner Vorgänger tatsächlich noch treuer als Sequels wie „Terminator 3“ oder „Stirb langsam 4.0“.
Dabei mag „John Rambo“ nichts Neues erzählen, aber wie er es erzählt, das ist wirklich klasse. Temporeich und schnörkellos geht es zur Sache, sodass die Laufzeit wie im Fluge vergeht und der Film dem Zuschauer deutlich kürzer vorkommt als er tatsächlich ist. Durch das konstant hohe Tempo und die packende Inszenierung gleicht „John Rambo“ dann auch mühelos aus, dass die Geschichte alles andere als innovativ oder wendungsreich.

Die Action konzentriert sich auf wenige, dafür aber extrem ausladende Actionszenen. Gerade die Befreiungsaktion und das Finale im Dschungel sind wirklich ausufernd, wobei Rambo auch seine alten Anschleich- und Meucheltricks mal wieder zeigen darf. Getötet wird mit bloßen Händen, Hiebwaffen sowie Schießprügeln aller Kaliber, wobei der Härtegrad wirklich extrem ist. Jedoch ist die Action so spektakulär und packend inszeniert, dass dies gar nicht negativ ins Gewicht fällt, sondern als passende Härte empfunden wird. Realismus und Physik sind da weniger von Belang, aber was interessiert das schon, wenn eine gigantische Explosion gerade ein großes Dschungelareal rodet.
Dabei ist „John Rambo“ ganz auf seine Titelfigur zugeschnitten: Der Veteran sagt nur wenige Sätze und wenn dann meist nur markige Oneliner (z.B. „When ypu’re pushed hard enough, killing is as easy as breathing!“). Daneben wirken die losen Mundwerke der Söldner weit weniger charismatisch und diese sind in wahrstem Sinne des Wortes einfach nur Unterstützung für den zynischen Helden. Dessen Kriegsmüdigkeit wird kurz angerissen, am Ende gibt es einen Hoffnungsschimmer für ihn, aber er bleibt vor allem der coole Killer.

„John Rambo“ mag erzählerisch weder besser noch schlechter sein als Teil II und III, im Bereich Action sogar noch etwas mehr bieten, ist insgesamt aber nur ein kleines bisschen besser. Dies liegt an dem Dorfüberfall, bei dem die Aktivisten gekidnappt werden. Hier werden die Gräuel gegen die Zivilbevölkerung gezeigt und das mit wirklich extremer Schonungslosigkeit. Das mag vielleicht gar den Tatsachen in Burma entsprechend und in ähnlich gelagerten Filmen wie „Blood Diamond“ angebracht sein, hier passt es leider nicht so ganz in den Kontext: Inmitten des klischeehaften Actionspektakels wirkt die Szene nur wie eine Rechtfertigung für das, was Rambo und seine Verbündeten später mit den burmesischen Soldaten anstellen.
Sylvester Stallone erreicht schauspielerisch nicht ganz seine Darbietung aus „Rocky Balboa“, doch auch Paraderolle Nummer zwei spielt er überzeugend und mit Elan, sodass man nicht motzen kann. Daneben wirkt der Rest vom Cast einfach nur wie Horde von Stichwortgebern, was sie im Grunde auch sind, doch das stört in diesem zackigen Actionvehikel kaum.

Insgesamt erfindet „John Rambo“ das Actiongenre nicht neu, ist jedoch ein harter, extrem kurzweiliger und nostalgisch anmutender Reißer. In einigen Szenen leider nicht ganz geschmackssicher, doch davon abgesehen glänzende Genreunterhaltung, wie man sie mittlerweile kaum sieht.

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