So nun ist es erneut geschehen. Innerhalb eines Jahres hat Sylvester Stallone es geschafft seinen beiden Leinwandlegenden einen absolut würdigen Abschied zu verschaffen. War es in Rocky Balboa noch ein ruhiger und versöhnlicher Abschluss, so geht John Rambo mit einem Paukenschlag (hoffentlich endgültig) von der großen Leinwand.
Ein Antikriegsfilm?
John Rambo ist der erste Teil der Reihe, der bei mir nachwirkte. Es ist wahr, dass Stallone nichts beschönigt und das Grauen des Krieges auf hässliche Art und Weise darstellt. Die Unmenschlichkeiten des Krieges sorgen letztendlich für dem Rückfall ins Barbarische, für das Ende der Zivilisation. In dieser Hinsicht erinnert John Rambo sogar an den großen Apocalypse Now.
Trotz all dieser Aspekte, kann man nicht von einem Antikriegsfilm sprechen. Dafür ist der zu platt und in seiner Darstellung zu einseitig. Denn Stallone nutzt die Brutalitäten natürlich in erster Linie dazu um ein hassenswertes Feindbild aufzubauen, das den knallharten Gegenschlag verdient.
Auch wenn es ein wenig schwerer fällt den 4. Teil zu konsumieren wie noch seine Vorgänger, so ist John Rambo dennoch ein großartiger Actionfilm mit allen Stärken des Genres geworden. Stallones Inszenierung ist großartig, das Tempo durchgehend vorhanden, die Actionszenen brachial und bombastisch.
Im letzten Drittel gibt es dann so einige Rambo Momente, bei denen man als Zuschauer quasi seine Genugtuung bekommt, wenn Stallone seine sadistischen Gegner verhackstückselt.
In der deutschen Fassung ist davon einiges gekürzt, was doch ärgerlich ist, zumal der Film ein so hohes Gewaltlevel hat, sodass diese Szenen den Kohl auch nicht mehr fett gemacht hätten. Dennoch empfehle ich klar den Gang ins Kino. Der unglaublich wuchtige Sound alleine rechtfertigt dies. Geilste Szene ist die gigantische Explosion, da hat es mich wirklich weggeblasen.
Bei den Schauspielern ist alles in Ordnung , wobei alle außer Stallone mehr oder weniger Statisten darstellen. Sly liefert seine Paraderolle natürlich einwandfrei ab.
Die Inszenierung ist sehr atmosphärisch, Stallone beweist hier endgültig ein mehr als ordentliches Talent auf dem Regiestuhl. Die Musik ist klasse, vor allem Jerry Goldsmiths legendäres Rambo Theme, bereitet Fans der Reihe Freude.
Fazit: John Rambo ist eine zu Beginn überraschend eine realistische Darstellung der unmenschlichen Zustände in Birma. Dies nagt logischerweise ein wenig am Unterhaltungswert, sorgt allerdings auch dafür, dass der Film etwas mehr ist als nur stumpfsinnige Action. Später gibt es ein Oldschool Actionspektakel der Superlative, welches keinen ruhig mehr im Sessel lässt, ehe Stallone eine großartige letzte Szene hinterher schiebt, die dafür sorgt, dass der Kreis sich wunderbar schließt. 9/10 auch aufgrund einer Zwiespältigkeit, welche mir sehr gut gefallen und die ich so nicht erwartet hätte.