John Rambo ist ein intelligenter aufrechter Mann, der sich freiwillig für sein Land gemeldet hatte, um in Vietnam gegen den Feind zu kämpfen. John Rambo ist ein Mann, den seine eigene Regierung in einer wohl perfiden kranken Ausbildung zu einer Tötungsmaschine umfunktionierte, der nur einem Vorgesetzten (Col. Trautmann) bedingungslos vertraute - und seinen Kriegskameraden versteht sich. John Rambo ist ein Mann, der den Krieg mit mehreren Auszeichnungen, viel Tortur und Folter, und jeder Mege weiterer Opfer überlebte. Zurück in Amerika war John Rambo ein Mann, der Probleme hatte, sich in der Gesellschaft wiederzufinden, sei es wegen seiner eigenen Kriegstraumatisierung, sei es wegen seiner charakterlichen Veränderung während seiner Ausbildung zur Killermaschine, sei es weil die linke intellektuelle Elite ihn nach seiner Rückkehr in die Staaten als Babymörder beschimpfte und bespuckte, sei es weil er zurück kam, und viele Söhne des Landes es nicht schafften, sei es, weil er ein lebender Beweis für eine der größten Niederlagen der USA war.
Auch wenn John Rambo niemandem was tat nach seiner Rückkehr, so war er doch allen ein Dorn im Auge, und er war nicht nur an den rand der Gesellschaft gedrängt, nein er wurde über den Tellerrand geschubst. Und John Rambo - wider besseren Wissen - wehrte sich. Auf die einzige Art, die er noch konnte.
All das ist John Rambo. All das ist Teil eins, und mit gewissen Abstrichen Teil zwei.
Mit diesem Mann hat der Film John Rambo nichts gemeinsam, höchstens den Namen.
Im Prinzip ist dieser vierte Teil eine sinnfreie Fortsetzung des sinnlosen dritten Teils, der höchstens in zwei popeligen Szenen Bezug auf den zweifelsohne interessanten und ambivalenten Charakter aus den ersten beiden Teilen verweist. Der John Rambo aus dem ersten teil hat nur einen Mann getötet, und das auch nur, als es gar keine andere Möglichkeit gab. Er kann sein handwerk, ist aber nicht sonderlich stolz darauf. in diesem Film sterben über 200 Menschen, bei einer Nettospielzeit von gerade mal 80 Minuten. Da werden Frauen vergewaltigt, Babys in Brand gesteckt, Gliedmaßen abgehakt, zerfetzt, Köpfe in die Luft gejagt, Kehlköpfe rausgerissen, Leute durch Minenfelder gejagt.
Da bleibt wirklich nicht Raum für Handlung. Und so verhält sich der Film auch. Popelige One-Liner dienen als Dialoge, die so hölzern sind, dass jeder 8-Jährige die Augen rollen würde.
Na klar, der Film soll unterhalten, aber die Unterhaltung, die hier geboten wird, ist einzig und allein der Gewaltporno.
John Rambo schafft das mühelos, was solche Filmchen-Reihen wie Hostel und Saw seit Jahren vergeblich versuchen: Er ist der härteste Streifen, der als Blockbuster in den Kinos anläuft, und er ist auch noch stolz darauf.
Dass Rambo hier vielleicht durch Chuck Norriss in Delta Force oder Braddock ersetzt werden könnte, wenn die Qualität des Films etwas schlechter wäre, oder Kurt Russel in Star Force Soldier, wenn es ein Sci-Fi-Film wäre, oder Charles Bronson in Chatos Land, wenn wir es hier mit Cowboys und Indianern zu tun hätten, zeigt zum einen wie wortkarg und eindimensional Rambo hier dargestellt wird, zum anderen aber auch, dass Rambo keinen weiteren Film wert war.
So unsäglich schlecht der dritte Teil war, so konsequent war er doch als Fortsetzung einigermaßen glaubwürdig: Rambo geht nur nach Afghanistan, um seinen über alles verehrten Mentor zu retten. Dabei ist Rambo immer ein netter Kumpel-Typ, mit dem man sich auch mal nett unterhalten kann ("Das ist ein Blaulicht" - "Und was tut es?" - "Es leuchtet blau.") und irgendwie auch eine Identifikationsfigur, die nur tötet, weil sie es kann.
Hier ist er eine Tötungsmaschine, weil es ihr im Blut liegt. Außerdem kann man sich mit diesem Psychopathen nicht im geringsten anfreunden. immer hat er diesen grimmigen Dackelblick drauf, der ihn fast wie einen alten vergeblichen Transsexuellen wirken läßt - die Titten dafür hat er sich ja auch schon mal mit der nötigen Steroide-Menge gezüchtet.
Inszenatorisch greift Stallone hier auf die selben Methoden zurück, die schon vor über zwanzig Jahren in Rocky 3 und 4 gewirkt haben, um dem Zuschauer ein vegrebliches Mal den Charakter John Rambo näher zu bringen: In einer Traumsequenz werden Szenen der ersten drei Teile kurz eingemischt, und man hat unweigerlich das Gefühl, dass gleich auch mal kurz Mickey drin auftaucht, um Rocky im Ring anzuschreien.
So leid es mir tut, dies ist der mit Abstand schwächste Teil der Serie. Die Action-Szenen sind zwar über jeden Zweifel erhaben, aber das alleine reicht nicht. Würde das reichen, so sollte man den ersten Trailer auf diversen Filmforen anschauen, denn der zeigt schon alle Höhepunkte des Films in gerade mal drei Minuten!!!
Man hat auch keinen Kalten-Kriegs-Revanchismus, aber es gibt eine blöde Story (wegen einer Handvoll Missionare werden über 200 Menschen nicht nur getötet, sie werden vernichtet!!), keine charakterliche Entwicklung (so wie sie sogar im dritten Teil vorhanden war), und dass Stalone das alles so gnadenlos ernst meint, macht das alles nicht im Geringsten besser.
Wer mal Lust hat, einen Snuff-Film zu schauen, sollte John Rambo vielleicht mal als Maßstab nehmen.
Und dieses Prädikat ist wirklich keines auf das Herr Stallone stolz sein kann.
Aber: Diesen Film sollte man, wenn überhaupt tatsächlich im Kino schauen, und zwar am Besten mit einer Gruppe angeheiterter Kumpels, die allesamt mit Rambo aufgewachsen sind, denn dann hat man trotz allem seinen Spaß. Auch dies wird nicht unbedingt so beabsichtigt worden sein.
Fazit: Kein Vergleich zu den ersten beiden Teilen, auf ähnlich schlechtem Niveau wie der dritte, verheizt den Charakter vollends, und da hilft der ach so versöhnliche letzte Abschluß kein bißchen, im Gegenteil, wirkt dies zu aufgesetzt und lächerlich.
Ein weiteres Manko: Der klassische Score wird auch marginal eingesetzt.
1 Punkt