Wo soll ich hier bloß anfangen?
Schon die Credits verheißen nichts Gutes. "Millennium Films", "Nu Image" und "Equity Pictures" stehen normalerweise nicht für Kinofilme, sondern eher für qualitativ sehr durchwachsene Direct-to-Video-Produktionen.
Dann liest man den Namen Sylvester Stallone schon beinahe aufdringlich oft. Ob als Drehbuchautor, Hauptdarsteller oder Regisseur, der 61-jährige Actionrentner hat hier quasi im Alleingang seinen Abgang geschultert. Und eigentlich wollte er doch den brutalsten und besten "Rambo" aller Zeiten drehen ...
John Rambo lebt friedlich und zurückgezogen in Thailand. Eines Tages wird er von einer Gruppe selbsternannter Heilsbringer angeheuert, die der unterdrückten Bevölkerung von Birma helfen wollen. Was als Friedensmission gedacht war, wird zum Kleinkrieg, den nur ein einziger Mann gewinnen kann ...
Das Revival des reaktionären 80er-Jahre-Films sollte es werden. Doch leider wurde es nicht mehr als ein dämliches, lächerliches und stunzdummes Metzelfilmchen, gegen das die beiden Vorgänger der Reihe fast Oscar-reif wirken.
Es ist nicht einmal die unverschämt hohle Story, die dem Zuschauer das Wasser in die Augen treibt. Nein, vor allem bei den Dialogen - und speziell bei Rambos Monolog während des "Conan"-mäßigen Machete-Schmiedens - zieht's einem konsequent die Schuhe aus.
"Was ist das?" "Blaues Licht." Was macht es?" "Es leuchtet blau." Schon diese kultige Konversation aus "Rambo 3" war sicherlich keine Dialogperle, doch allemal anspruchsvoller als das ständige "Fick dich" oder "Arschgefickter Penner".
Nun könnte man meinen, dass ein Actionfilm wie "John Rambo" durch Action bestechen kann. Weit gefehlt! Das Budget von 50 Millionen Dollar sieht man in keiner einzigen Szene. Ich habe schon DtV-Produktionen für die Hälfte gesehen (sogar von den Produzenten dieses Heulers hier), welche da in nichts nachstehen. In "John Rambo" gibt es keine teueren Stars oder Sets, geschweige denn aufwändige Actionszenen, die man hätte finanzieren müssen. Nicht einmal das 10-minütige Finale ist ausgibig genug, den Actionfan alter Tage zufriedenzustellen. Und bis es soweit ist, gilt es eine lange Durststrecke voller unmenschlicher Grausamkeiten durchzustehen. Viel zu selten (wie etwa beim spannenden Überfall auf das Lager der birmesischen Schlächter) blitzen hier Erinnerungen an die Vergangenheit auf.
Doch wo ist das Geld dann geblieben?
Vielleicht ist die Kohle einfach in das gefühlte hundertste Face-Lift des einstigen Actionhelden geflossen.
Sylvester Stallone schaut verbraucht aus. Die Narben an den Ohren zeugen von seinem Zeitvertreib neben dem Schlechte-Filme-drehen. Glücklicherweise behält er während des ganzen Films über sein T-Shirt an, denn schon sein Hals gleicht eher einer Vagina, als dem, was es von Natur aus sein soll. Nur das Gesicht ist seltsam glatt wie ein Kinderarsch. Der Humorpunkt geht also eindeutig an den vielseitigen "Meister" himself.
Wem Stallones Antlitz für ein müdes Lächeln zwischendurch nicht reicht, wird spätenstens bei der Schlussszene fündig.
Rambo kehrt heim zu seiner Sippe; trägt dabei die Frisur von Pierre Brice und sein Jäckchen von 1982 auf. Begleitet wird seine Ankunft von einer Kamerafahrt ähnlich derer auf Southfork im Vorspann von "Dallas". Fehlten nur noch Miss Ellie und J.R., die unseren John mit einem Glas Scotch in Empfang nehmen ... Ich konnt' nicht mehr vor Lachen!
Eines ist nach diesem Desaster klar: Sylvester Stallone wollte keinesfalls schockieren oder auf die katastrophalen Zustände in Birma aufmerksam machen. Er benutzt des Leid der Menschen lediglich als Nährboden für die Zurschaustellung von Brutalitäten und als Rechtfertigung für das Töten. Denn was lernen wir aus "John Rambo"? Wahrscheinlich das gleiche, wie eine der Figuren (gespielt von Ex-"24"-Star Paul Schulze) im Film: Töten ist nur dann falsch, wenn es ein anderer macht. 2/10 Punkten.