Einen alten Kinohelden nach dem anderen zieht es zurück auf die Leinwand. Nachdem Sylvester Stallone mit Rocky Balboa ja nun durch einem selbstironischen Abschluß die Meßlatte für Art und Gelingen einer solchen Fortsetzung recht hoch gelegt hat, fieberten Fans des in seinen Fortsetzungen eindimensionaleren und für fulminante Action bekannten Muskelsoldaten Rambo entgegen.
"Krieg hast du im Blut. Wenn man dich dazu zwingt, ist Töten so einfach wie Atmen."
Geatmet wird in John Rambo dann auch nicht viel weniger als getötet. Übernahm Sylvester Stallone in diesem Film neben der Hauptrolle auch gleich die Regie, zeigt sich Rambo des durch den Tod des Schauspielers Richard Crenna bedingten Wegfall der Figur des Col. Trautmann gleichermaßen selbstständig. Zurückgezogen als Schlangenfänger in Thailand lebend, bedarf es diesmal der Überredungskunst der christlichen Sanitäterin Sarah (Julie Benz), um ihn überhaupt in die Nähe des Krisengebietes in Birma zu locken. Und da soll er den Trupp auch nur absetzen. Klar, daß die allein nicht lange in einer Welt klarkommen, in der Soldaten ihre Gefangenen durch ein Minenfeld jagen, um die Überlebenden hinterher abzuknallen. Seine Entscheidung, die Söldner, die zur Rettung eilen wollen, nicht nur hinzuschippern, sondern auch zu unterstützen trifft er diesmal ganz allein.
"Lebe für nichts, oder stirb für etwas!"
Die neue Philosophie Rambos läßt den Charakter, der eben am besten das Töten beherrscht zu neuer und immer noch fragwürdiger Höchstform auflaufen. Während alte politische Botschaften wie die Unterstützung der Afghanen in Rambo III heute unfreiwillig tragisch - komisch wirken lassen, zeigt der neue Feldzug nur noch aalglatt die schonungslose Macht der modernen Waffen in den Händen von Mördern. Wer hier warum Menschen quält, spielt eigentlich keine Rolle, wichtig ist, die Barmherzigen zu beschützen? So richtig läßt sich keine Message in der Storyline ausmachen und konnten die vorherigen Fortsetzungen noch durch ihren Witz als stumpfe, irrealistische Action unterhalten, geht hier einfach jeder Ansatz von Komik im kurz bemessenen Gemetzel unter.
Ist es das, was Rambo Fans wirklich sehen wollten? Stand First Blood für sich noch als Action Abenteuer mit zumindest etwas nachdenklichem Ansatz, konnten Rambo II und III immerhin auf ihre stupide Art unterhalten. Wer rezitiert nicht heute noch gern Dialoge wie das Gespräch um das blaue Licht? Action bietet John Rambo ohne Frage eine Menge, jedoch ist bei mir ohne jegliche Abwechslung damit die Schmerzgrenze erreicht. Sollte man damit den Amerikanern die Freude am Krieg nehmen wollen, werden diese zumindest zur Erkenntnis kommen, daß man nach mehr als achtzig Minuten Kampf an Langeweile stirbt.
Ich möchte John Rambo nicht ganz in Grund und Boden reden, als unnötige Fortsetzung ist er für Fans immer noch sehenswert. Eine detailliertere Auseinandersetzung mit dem Charakter an sich hätte ich mir allerdings gewünscht. Vielleicht setzt Stallone nach dem Ende ja damit in einer weiteren Fortsetzung an. Nu Image hatte ja bereits vor Veröffentlichung im Erfolgsfall Interesse bekundet. Ein alter, etwas trotteliger aber sympathischer Rambo, das wärs doch. Zumindest gefiel mir Sylvester Stallone in diesen Rollen seiner letzten Filme Rocky Balboa und D-Tox - Im Auge der Angst wesentlich besser. It's a long road...