Review

Was für üble Vorahnungen peinigten mich, als ich vernehmen mußte, dass Stallone neben Rocky nun auch noch Action-Ikone John Rambo aus der Grube zerren und neu auflegen wollte. Von einer Tochter des indianisch-deutschen Veteranen war da die Rede, die auftauchen sollte (was sich letztlich glücklicherweise als "Ente "entpuppte) und alle möglichen anderen Undenkbarkeiten, die den eingefleischten Rambo-Fan an den Rande der Verzweiflung treiben können. Nun, wie gesagt: Mit einem guten Gefühl ging ich nicht gerade an diesen Film heran. - Doch ich sollte mich irren und bin mir auch nicht zu schade, dies eizugestehen. Denn was ol' Sly hier fast im Alleingang (Drehbuch und Regie) aus dem Boden stampfte gereicht der Kultfigur durchaus zur Ehre.

Selbstredend kann er in punkto Regie und Drehbuch nicht im Ansatz auf gleichem Level an an die Arbeiten von Legenden wie Cameron und Kassar anknüpfen. Das hat ja aber auch keiner erwartet. Stallone schrieb hier in seinem Stil, so wie er einst schon Rocky verfaßte. Geradeaus und ohne jegliche Schnörkel. Viele Worte werden nicht verschwendet, man beschränkt sich diesbezüglich auf das was notwendig ist um die Geschichte am Laufen zu halten. Den Schwerpunkt legte Stallone auf das, was er als alter Haudegen des Achtzigerjahrefilms seinerzeit gelernt hat: Willst Du die Actionfans begeistern, bring' Blut und Pathos. Und Ersteres fließt hier (zumindest in der im Handel erhätlichen Uncut-Fassung) wahrlich in Bächen. Ausgehungerten Langzeit-Fans von Sly hüpft das Herz, wenn die Kamera endlich einmal NICHT (wie bei heutigen Actionfilmen üblich) wegdreht oder den Headshot verwackelt. Hier wird noch draufgehalten wie in der guten, alten Zeit. Rambo nutzt das natürlich gerne und präsentiert uns alles, was von ihm erwartet wird. Der klassische Bogen darf wieder aus der Mottenkiste, die Patronenhülsen regnen dem Monsun gleich über den birmesischen Boden und der Bodycount rattert blutig uin schon vergessene Höhen. (Bruce Willis, der Weichkeks mit seinem Die Hard IV "ab 16", hätte sich an Sly besser ein Beispiel nehmen sollen) John Rambo ist ein Fest für meine alten Actionfan-Augen! Das ich das noch erleben darf! *schnüff*

Und, Ehre wem Ehre gebührt: Johgn Rambo" wurde verdientermaßen ein Erfolg der sich mit der Uncutveröffentlichung sicherlich noch eindrucksvoll fortsetzen wird und hoffentlich ein prägendes Signal für Hollywood werden wird, dass man in Actionfilmen ruhig auch wieder richtige Action zeigen kann, ohne dass das automtisch (durch den monetären Wegfall der Kiddie-Zuschauerschaft) mit einem finanziellen Mißerfolg gleichzusetzen wäre oder ist.



F a z i t :
Sagen wir's, wie's ist: Storytechnisch ist dieser Film der am einfachsten gestrickte der Reihe. Kein wie auch immer gearteter Tiefgang, und selbst das politisch kritische bleibt eher Nebensache. Aber der Streifen liefert schlicht und ergreifend das, was der geneigte Fan hier sehen will. Die eisenfreßende Reißnägelpissende Kult-Kampfmaschine in einem letzten eindrucksvollen und blutlastigen Auftritt. Ja, er schießt noch! - Setzt also Freundin und sonstiges Weibsvolk ohne Diskussion vor die Tür, karrt ein paar gute Freunde zusammen und bejubelt mit ihnen und dem Rest der Actiongemeinde jeden Kill und jeden Headshotvon unseres Helden! Hey, es ist die furiose Abschiedsvorstellung unser aller Idols aus der Jugend. Laßen wir ihn und sein reales Alter Ego Stallone für diesen Film hochleben. - Danke Sly!

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